Das Wort zum Tag danach

Ganz ehrlich, es ist egal.

Das WWW, wie wir es einmal kannten, ist eh schon lange tot.

Jetzt haben halt ein paar alte Männer und Lobbyisten noch mal kräftig auf sein Grab uriniert und defäkiert... und weil sie noch ein paar Fäkalien übrig hatten, wurde damit ergänzend nochmal ordentlich um sich geschmissen was das Zeug hielt... was soll's.

Und, wo wir schon bei Fäkalien sind – vielleicht hat das Ganze auch was Gutes: Zigtausende von demonstrierenden Jugendlichen wissen jetzt, dass sie der CDU genau so viel wert sind wie der Punkt auf dem "i" in dem Wort "Scheiße". Vielleicht erinnern sie sich ja bei den nächsten Wahlen daran. Bei einer nicht unerheblichen Anzahl von Youtuber-Erzeugnis-Konsumenten habe ich da allerdings leider ein paar Zweifel.

Und was die Kunst und die Kreativität betrifft, und die gerechte Entlohnung dafür... nö, ich fang' jetzt gar nicht erst an. Nur so viel: Als "Kreativer in der Nische" findest Du an jeder Straßenecke, in jeder kleinen Galerie, in jedem Pub, auf jeder kleinen Bühne und in jedem Gespräch unter Kollegen mehr Interesse, Aufmerksamkeit und Kaufbereitschaft, als wenn Du Dein Zeug ins Internet stellst und auf Twitter oder auf Deinem Blog davon erzählst.

Man sieht und hört sich... irgendwo dort, offline.


P.S.: Wenn das nun danach klingt, als ob mir das alles am Arsch vorbeiginge, dann ist das natürlich nicht wahr.

Ich bin auch enttäuscht von unseren Volksvertreterdarstellern, ich bin angewidert, dass ich sie mit meinen Steuern bezahle... doch noch mehr bin ich stolz darauf, anno 2009 meinen Teil dazu beigetragen zu haben, dass Menschen wie die wunderbare Julia Reda sich bei den Piraten politisch engagieren...

Aber ich sehe eben auch, dass man diesem Sumpf politisch oder auf dem "Rechtsweg" nicht mehr beikommen kann. Da muss ein neues System her, und diejenigen, die dieses hier kaputt gemacht haben, die müssen dieses Mal draussen bleiben... ob und wie das möglich ist, das kann ich leider nicht beurteilen.

6 Antworten auf „Das Wort zum Tag danach“

  1. Als Kreativer fragen aber einen auch immer mehr Veranstalter: Kann ich mal was sehen, wo ist Dein (Demo)-Video? Nun gut, das wird man dann in Zukunft halt per DVD verschicken? Schwierig ist, dass ich mit solchen Videos einen Teil meines Geldes verdiene, oder vielleicht auch nicht mehr bald? Man weiß es nicht.

    Ich denke, die Funktion von eigenem Material online ist nicht so sehr Ruhm und Ehre digital zu bekommen, als eine Eintrittskarte zu sein.

    Vong Politik her fragt man sich allerdings schon lange bei vielen Entscheidungen, wem damit gedient sein soll. Denn irgendwer muss ja was davon haben. Nur ich bin’s halt nicht. Und du auch nicht. Und wir auch nicht… aber irgendwer muss doch… mh.

  2. Inhaltlich habe ich die letzten Tage alles schon auf Twitter gesagt, was mir zu dem Thema durch den Kopf geht. Das hier zu wiederholen wäre nur eine neue Folge der beliebten Sendung „Zwei Stühle, eine Meinung“ 😉

    Aber zu Deinem Disclaimer wollte ich noch was sagen. Und hoffe, Dir damit nicht zu nahe zu treten.

    Klar geht Dir das nicht am Arsch vorbei.

    Du schreibst über so manche Dinge, dass sie Dir am Arsch vorbei gehen würden. Dass Du drüber hinweg bist. Dass Du es akzeptiert hast. Dass etwas halt so ist. Und jedesmal stimmt das nicht. Alleine, dass Du es schreibst, widerlegt es. Bei einigen Themen schreibst Du das sogar immer wieder und wieder, so dass ich genau sehen kann, dass es Dir nicht nur nicht am Arsch vorbei geht, sondern extrem wichtig ist. Ich vermute Du wünschst nur, es wäre nicht so, weil es ein Scheißgefühl ist. Und versuchst, Dich selbst vom Gegenteil zu überzeugen.

    Ob Du das damit irgendwann schaffst, kann ich Dir nicht sagen. Ich kann nur meine eigene anekdotische Erfahrung beitragen, aus welcher ich weiß, dass der Versuch, mich selbst von was zu überzeugen, wovon ich nicht wirklich überzeugt bin, das diametrale Gegenteil bewirkt. Mich jedesmal wieder dran erinnert, dass etwas Wichtiges scheiße ist. Jedesmal eine Wunde wieder aufreißt. Immer wieder weh tut.

    Daher habe ich für mich entschieden, weiterhin für Dinge zu kämpfen, die mir wichtig sind, und erst damit aufzuhören, wenn es mir tatsächlich irgendwann am Arsch vorbei geht.

    Alternativ kann man sich leichter davon überzeugen, dass der Kampf um etwas, was einem wichtig ist, die eigenen Fähigkeiten und Ressourcen übersteigt, dass man keinen Weg mehr sieht, wie man es ändern kann. Dass man es immer noch Scheiße findet, aber sich nicht mehr mehr so sehr rein hängen will. Ich werde weiter gegen eine Verwerterrechtsrichtlinie sein, aber ich werde nicht mehr so massiv in die Öffentlichkeit gehen. Ich werde dennoch News und Meinungen zu dem Thema verbreiten, kommentieren oder schreiben, aber nicht mehr mit dem einzigen Ziel, Meinungen anderer zu verändern. Wenn das bis jetzt nicht ausreichend geklappt hat, klappt es ab jetzt noch weniger.

    Bewusst nicht für etwas zu kämpfen, das einem wichtig ist, ist sehr schwierig. Aber es ist für mich erreichbarer, als mich selbst zu belügen.

    1. Jein. Natürlich geht es mir nicht am Arsch vorbei, natürlich versetzt es mir einen Stich, jedes Mal wenn es mir mal wieder klar wird. Wie so viel Dinge, die drei Kisten mit LPs zum Beispiel.
      Aber ich weiss ich darf mich nicht weiter darum kümmern, ich muss davon weg, weil ich in meiner Familie das lebende (jetzt: tote) Beispiel dafür hatte, wie es endet, wenn man so ist.
      Immerhin, mit dem Rauchen habe ich es geschafft.

      Jetzt muss ich nur noch irgendwie die anderen zwei Dinge besiegen, die meinen Vater ins Grab gebracht haben (an der Menschheit verzweifeln und verbittert sein, weil niemand seine Kunst wollte).

      Das konsequenteste wäre, den ganzen Kram hier dicht zu machen und mich online nicht mehr zu äußern, erst gar nicht mehr in die Versuchung zu kommen.

      Aber das wäre ein Leck-Mich-Am-Arsch für all euch großartige Leute die ihr euch halt doch für meinen Kram interessiert… deshalb kann ich das nicht bringen.

      Es ist gar nicht so einfach, sich in etwas nicht reinzuhängen.

      1. Vielen Dank für den Reply. Ich nehme an, der fiel Dir nicht leicht, und das macht ihn für mich besonders wertvoll.

      2. Ich denke eine Möglichkeit ist, wieder mehr auf Bühnen zu gehen und die Online-Präsenz der eigenen Kunst mehr als Hinweis auf das Real Life zu sehen.

        Die Kollektive Stimmung des Abkotzens, wie man sie mittlerweile in so gut wie allen Kommentar-Funktionen größerer Online-Seiten (Zeitungen, Facebok., YouTube) findet, macht sich zwar auch da schon etwas breit, aber so im Großen und Ganzen ist die Bühne der Ort, wo Wertschätzung noch stattfindet.

        Oder, bei Fotos, evtl. Ausstellungen o.ä.

        Vielleicht haben wir Künstler es uns auch von vornherein zu bequem gemacht mit der Idee „einfach Uploaden und dann wird das schon“.

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