10 Millionen Jahre wird es dauern, so der aktuelle Konsens unter Wissenschaftlern, bis sich die Erde von den durch uns verursachten Schäden wieder erholt hat.

Wobei es natürlich eine Definitionsfrage ist, was „Erholen“ bedeutet. All die Arten, die wir gerade ausrotten, bringt natürlich niemand zurück, ebenso nicht die Errungenschaften in Kunst, Kultur und Wissenschaft, die zusammen mit uns untergehen werden.

Dass wir bis dahin untergehen werden, darf getrost als gesichert angesehen werden. Selbst die optimistischsten Rechenmodelle gehen davon aus, dass die Menschheit in 7 Millionen Jahren nicht mehr existieren wird. Realistischere Modelle sagen es als zu 19% wahrscheinlich voraus, dass wir als Spezies das Jahr 2100 nicht mehr erleben werden.

Betrachte ich die aktuellen Geschehnisse in der Welt, so tendiere ich auf jeden Fall zur zweiten Denkschule.

Ich muss an dieser Stelle nicht wiederholen, was alles falsch läuft; das seht ihr auch ohne mich jeden Tag in den Nachrichten. Ich will hier auch nicht predigen oder missionieren; die Skeptiker unter euch dürfen selbstverständlich gerne skeptisch sein – am Ende ist es allerdings vollkommen egal ob ihr das seid oder nicht, die empirischen Fakten scheren sich nicht um eure Skepsis.

Fakt ist auch, dass es eure Kinder ganz wesentlich schlechter haben werden als ihr. Und dass eure Enkel und Urenkel nochmal beschissener dran sein werden. Dies betrifft leider in gleichem Maße sowohl die SUV-Fahrer und ihre Kinder (die sich „Fuck You, Greta“-Aufkleber auf ihre Zwiebacksägen und sonstigen Vehikel kleben und damit im Naturschutzgebiet herumrasen), als auch die Fridays-For-Future- und Extinction-Rebellion-Leute.

Das ist natürlich alles sehr tragisch, aber kaum noch zu ändern.

Deshalb denke ich persönlich, es wäre an der Zeit, sich zu überlegen, wie wir am geschicktesten eine Nachricht hinterlassen, die 10 Millionen Jahre überdauert.

Dass wir aussterben, das ist sicher. Und gerade sieht alles danach aus, als ob wir dies relativ zeitnah und aus eigenem Verschulden tun werden. Aber das heißt natürlich nicht, dass es nie wieder intelligentes Leben* auf diesem Planeten geben wird. In 10 Millionen Jahren kann eine ganze Menge passieren.

Wäre es da nicht sinnvoll, denen, die nach uns kommen, eine möglichst universell verständliche Beschreibung unseres Versagens zu hinterlassen, damit sie nicht die gleichen Fehler noch einmal machen? Ihnen die ganze Geschichte zu erzählen, wie wir bis zum Schluss Vernunft und Wissenschaft ignoriert haben? Wie unsere Empathie verkümmerte und wir uns von Gier, Populismus, Machthunger und fragiler Männlichkeit in den Abgrund treiben ließen?

Wäre eine Warnung davor nicht eine wirklich nette und, ja, menschliche letzte Geste von uns?

Ich finde, wir sollten damit eher heute als morgen anfangen.


* damit meine ich natürlich, intelligentes Leben nach unserer momentanen Definition. Gut möglich, dass intelligentes Leben eigentlich etwas ganz anderes ist.