Hallo, ich bin Stephan und dies ist mein privates Weblog.

Ich wohne zusammen mit meiner lieben Frau K., zwei großartigen Hunden (Buba K. und Candor K.) und sieben Landschildkröten in einem kleinen Hexenhäuschen im schönen Naturpark Rhein-Westerwald, mache Musik, fotografiere, schreibe Programme… tja, und ab und zu blogge ich über all das.

Dieses Blog und ich

Ich blogge seit über 20 Jahren. Nun ist es mit Blogs aber so ähnlich wie mit der Musik und mit dem Rest vom Internet: Eine zeitlang war alles toll und kreativ, es herrschte Aufbruchstimmung, und viele viele Menschen haben mitgelesen und kommentiert. Dann kamen Mark Zuckerberg & Co., verwandelten das WWW in ihre persönliche Gelddruckmaschine und machten alles kaputt. Inzwischen sind die Leute alle auf Instagram und Facebook und Twitter, gucken Werbung, lassen sich influänzen und finden das noch nicht mal komisch.

Momentan sieht es hier mit durchschnittlich drei Besuchern am Tag ziemlich finster aus. Deshalb gibt dieses Blog gerade (Stand September 2021) mehr oder weniger seine Abschiedsvorstellung – diesen September versuche ich es noch, wenn es dann nicht besser geworden ist, mache ich hier dicht und konzentriere mich auf meine anderen Aktivitäten.

Ihr könntet mir natürlich helfen, das zu verhindern, indem ihr dieses Blog weiter empfehlt. Aber wem erzähle ich das? Den drei Leuten, die das vermutlich eh schon längst gemacht haben. 😉

Musik und ich

Von 1995 bis 1998 spielte ich bei Ubik Paint und produzierte drei Alben und etliche Singles und EPs. Ubik Paint war damals im Karlsruher Raum lange Zeit durchaus ein Begriff… nicht zuletzt weil wir vollständig anders klangen als alles was aus Karlsruhe kam, und uns damit sehr wohl fühlten. So gut wie alles, was wir taten, war improvisiert – insbesondere auch die Konzerte. Es war eine geniale, viel zu kurze Zeit.

Von 1997 bis 2018 war ich Produzent, Keyboarder und hauptsächlicher Songschreiber von Botany Bay. Die Geschichte von Botany Bay ist zu lang und zu facettenreich, um sie hier in ein paar Sätzen abhandeln zu können. Zusammengefasst kann man sagen, dass dieses Projekt sehr lange synonym mit meinem Leben war. Eine zeitlang waren wir vergleichsweise hübsch erfolgreich, alle möglichen Leute fanden uns knorke und wollten unsere besten Freunde sein; dann wurden meine Eltern schwer krank, ich musste meine musikalischen Aktivitäten auf ein Minimum zurückfahren, und nachdem beide gestorben waren und ich die Scherben aufgesammelt hatte, wollte uns niemand mehr hören.

2018 produzierte ich mit „Thanksgiver“ das meiner zwei Jahre zuvor verstorbenen Mutter gewidmete, letzte Album von Botany Bay im Eigenvertrieb, mit einer kleinen Armee von Gastmusikern an Gitarren, Cello, Violine, Jagdhorn, Querflöte, Kontrabass, Oboe, Hammond-Orgel, Klavier und Schlagzeug.

Pferde und ich

„Thanksgiver“ wurde im Oktober 2018 auf Vinyl in einer Auflage von 300 Stück veröffentlicht, insgesamt kostete es mich 14.384€. Es wurden knapp 20 Platten verkauft, zwei Webzines schrieben ein paar Zeilen, null Webradios sendeten was davon, die Piraten (die uns gerne gefeatured hatten, als wir noch kostenlose Wahlwerbung für sie machten) hielten alle die Klappe – und Falk (der Chef von Botany Bays Ex-Plattenlabel) meinte, er würde mal schauen was er tun kann, worauf man nie wieder was von ihm hörte.

Ich war bis zu diesem Zeitpunkt der Überzeugung gewesen, es sei meine Bestimmung in diesem Leben, der Welt schöne Musik zu schenken. Aber gerade als mich die Welt vermittels der Rezeption unseres letzten Albums endgültig eines besseren belehrte und ich in ein ganz tiefes Loch zu fallen begann, tauchten auf eine wundersame Art und Weise Pferde (und alle möglichen anderen Tiere auch, aber hauptsächlich Pferde) in meinem Leben auf – und hinderten mich daran, weiter zu fallen. Erst in Gestalt unseres Pflegepferdes Cosi, und dann in Form unserer ehrenamtlichen Betätigung auf einem Gnadenhof.

Irgendwie haben sie mir auf eine Art und Weise geholfen, die ich nicht in Worte fassen kann. Ich hoffe aber, einige der Bilder auf diesen Seiten geben ein bisschen eine Vorstellung davon.

Ich glaube, ich werde irgendwann einmal wieder Musik machen, für mich selbst und für meine Freunde. Aber alles andere ist vorbei. Die Dankbarkeit eines einzelnen Pflegepferdes gibt mir mehr Erfüllung als jeder Applaus dieser Welt. Ich wünschte, ich hätte das früher schon gewusst, aber es ist nie zu spät.

(oben im Bild: Cosi, das allerliebste, schönste, netteste, liebevollste und verständnisvollste Pferd der Welt. Auf ihm durfte ich reiten lernen, er ist im Januar 2021 von uns gegangen, und ich werde ihn nie vergessen)