React Native

Früher oder später ergibt sich im Leben eines jeden Softwareentwicklers die Herausforderung, seinem Chef oder Scrum Master oder Product Owner oder Putzfrau (oder wer auch immer gerade darüber bestimmen darf, wie der Softwareentwickler zu arbeiten hat) ganz genau erklären zu müssen, warum man gerne so entwickeln würde, wie die Architektur der betreffenden Plattform dies vorsieht, und nicht vollkommen anders und verquer und vom Rücken durch die Brust ins Auge.

Das kann ein wahrer Kampf gegen Windmühlen sein, insbesondere wenn dem Chef/ScrumMaster/ProductOwner/Putzfrau vorher mal wieder versprochen wurde, er würde „die Hälfte an Kosten“ einsparen und es müsste für „alle Plattformen“ nur „einmal programmiert werden“, oder ähnliche Märchen mehr.

Ich hab Monate nach einer guten Lösung gesucht und heute auf Twitter endlich eine gefunden.

So kapiert es hoffentlich wirklich jeder:

Mission beinahe erfüllt

Mein guter Kumpel, das neugierige Alien aus der fernen Galaxie, sitzt immer noch auf seinem geheimen Beobachtungsposten im Siebengebirge, und ist weiterhin damit beschäftigt, alles über die Menschheit zu lernen.

Ein wenig traurig ist mein Alien inzwischen schon… weil es weiß, dass es diese Welt nun schon bald wieder verlassen werden muss. Aber es versteht die Menschheit jetzt viel besser. Es versteht, dass diese Spezies ganz einfach untergehen möchte. Und selbst wenn es einen Mund zum Reden hätte, oder Hände, um seine Warnungen aufzuschreiben, so würde die Menschheit ihm doch keine Beachtung schenken, auch das versteht es.

Das Einzige, was ihm noch immer nicht klar ist: Warum die Menschen weiterhin eifrig Kinder in eine Welt setzen, die sie ihnen mit großem Eifer zur Hölle machen… und wie sie dabei weiterhin behaupten können, diese Kinder über alles zu lieben.

Aber es ist zuversichtlich, dass es die Antwort darauf in den wenigen verbleibenden Jahren auch noch finden wird.

Die Elbimo-Pferde – ein Märchen von Consulting, Softwareentwicklung, Scrum und autarken Teams

Es war einmal ein Mann, der war Direktor in einem prächtigen, bunten Zoo mit großen, schönen Gehegen voller wundersamer exotischer Tiere.

Oder, besser gesagt – die Besucher hielten den Zoo für prächtig. Doch wie es in Zoos nur allzu oft der Fall ist, gab es hinter den Kulissen etliche Streitereien. Einige der Zoo-Angestellten konnten einander nicht leiden, und darüberhinaus waren unter ihnen nicht wenige, die gerne Zoodirektor an Stelle des Zoodirektors gewesen wären.

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Onward

Ok, liebe Leute, ich möchte gerne kurz darüber schreiben, wie das hier weiter gehen wird.

Meine Gesundheit & ich:

Vor anderthalb Wochen wurde meine Schilddrüse entfernt. Die ersten Tage danach war ich ziemlich wackelig auf den Beinen, inzwischen geht es mir bedeutend besser. Ein kleines Ding namens Parathormon macht mir noch Schwierigkeiten… aber insgesamt geht es mir – wenn auch noch nicht körperlich, dann auf jeden Fall seelisch – wesentlich besser als vor der Operation.

SchildDRÜSE, nicht SchildKRÖTE…

Was ziemlich erstaunlich ist, denn eigentlich funktionierte meine Schilddrüse zumindest von den Hormonen her ziemlich gut.

Ich kann mir das nur so erklären, dass mich die Sache doch viel mehr belastet hat, als ich vor mir selbst zugeben wollte. Oder, dass besagtes Organ vielleicht doch noch ein bisschen mehr mit mir getan hat, als rein theoretisch ermittelt werden konnte. Ja, klingt sehr esoterisch, ich weiß. Wer das nicht mag, darf die letzte Vermutung gerne einfach ignorieren.

Na ja, und ausserdem gab es kurz vor meiner Operation – wieder einmal – so ein kleines Erlebnis, bei dem mir ein Mensch, zu dem ich jahrelang mehr als fair, gerecht und freundlich gewesen war, einen Tritt ins Gesicht verpasste.

Wer mich kennt, der weiss, dass mir solche Dinge sehr lange sehr nahe gehen, und dass ich mir in solchen Fällen unendlich viele Gedanken darüber machen kann, was zum Henker eigentlich falsch läuft mit mir und der Welt. Überraschenderweise dieses Mal nicht. Dieses Mal dachte ich mir einfach nur: Du hast ganz andere Probleme. Ignorier‘ den Shit und sei für Dich selbst da, das ist viel wichtiger… was mir erstaunlich gut gelungen ist.

Für andere Menschen ist das vielleicht selbstverständlich… aber für mich ist das eine ganz erstaunliche Erfahrung.

Und wer weiß… vielleicht brauchte ich ja genau das. Vielleicht brauchte ich es einfach mal, dass mir jemand nochmal kurz vor meiner OP einen reinwürgt… damit mir endlich mal aufgeht, wie krass viel mehr ich für mich selbst da sein sollte.

Insgesamt und unter dem Strich kann ich auf jeden Fall feststellen, dass es mir viel besser geht. Von Antriebslosigkeit und Demotivation spüre ich nichts mehr. Kann natürlich sein, dass das alles wieder kommt, aber im Moment fühlt es sich nicht so an. Knock on wood.

Ich kann mir sogar die riesigen Kisten mit all den unverkauften Exemplaren von „Thanksgiver“ anschauen, ohne dabei mies drauf zu kommen… denn wenn ich nicht an die anderen Menschen denke (s.o.), dann muss ich sagen: Es ist das schönste letzte Geschenk, was ich meiner Mutter machen konnte… und es ist insgesamt ganz einfach das Schönste was ich machen konnte. Wer es nicht hören will, der ist selbst schuld.

Gut, ich habe eine Menge Geld verloren, aber was soll’s. Andere Menschen verlieren sehr viel Mehr Geld für sehr viel unsinnigere Dinge.

Kraft für Herrn K ist die Devise!

Musik im Allgemeinen…

Daraus folgt unmittelbar, ich möchte sehr gerne wieder Musik machen. Und ich werde auch sehr gerne wieder Musik machen.

Es folgt aber auch daraus, dass ich sie erst mal für mich und mein direktes Umfeld machen werde.

Wenn ich irgendwann mal wieder etwas Vorzeigbares habe, dann werde ich zu gegebener Zeit gerne auf die eine oder andere Art damit an die Öffentlichkeit treten… aber nicht vorher.

(Treuen Wegbegleitern und Freunden schicke ich natürlich trotzdem einen Link, wenn ich etwas Neues habe, zu dem ich gerne ehrliches Feedback möchte… ihr wisst, wer ihr seid ;-))

Ich weiss noch nicht, wo mich die Reise hinführen wird, und wie sich das dann anhören wird. Vom deutschen Singer/Songwriter-Outfit mit minimaler Low-Fi-Produktion über instrumentale Sachen zwischen Ambient und Jazz bis zum Neo-Prog-Pop/Wave-Projekt ist gerade alles drin, und ich bin gespannt, wo es mich hintreiben wird.

X marks the spot

…und Botany Bay im Besonderen

Thanksgiver“ war als letztes Album von Botany Bay konzipiert, produziert und aufgenommen, und das wird es auch bleiben.

Ursprünglich hatte ich noch eine kleine Chance gesehen, das Projekt irgendwie ein ganz kleines bißchen am Leben zu erhalten… aber Tatsache ist, dass Steffi und ich nun schon seit langer Zeit wieder getrennte Wege gehen, und dass ich mir ein besseres letztes Kapitel nicht wünschen kann – egal ob es die Leute kaufen oder nicht.

Nicht von ungefähr geht der Spruch: „Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist“, und nicht „man soll aufhören, wenn es kommerziell am erfolgreichsten ist“.

Die Webseite, Bandcamp-Page und alles wird natürlich online bleiben, und mp3 & Vinyl lassen sich weiterhin erwerben – im letzteren Fall, solange der Vorrat reicht.

Blogging

Im Moment lasse ich drüben bei 7gebirge.de wieder meine Co-Blogger-Karriere zusammen mit Frau K. aufleben, und soweit lässt sich das ganz gut an. Wer also Dinge von mir lesen und sehen möchte, der ist da drüben ganz gut beraten.

Meine Co-Bloggerin, nebst Co-Bloggerinnen-Hund

Was ich mit diesem Platz hier mache… tja, das weiss ich noch nicht. Aus den oben erwähnten Gründen möchte ich nicht mehr Musik veröffentlichen, ehe ich vollkommen zufrieden damit bin und in meinem tiefsten Inneren spüre, dass es mir egal sein kann, wie die Welt darauf reagiert.

Es ist einfach so. Musik mit dem Ansinnen zu veröffentlichen, Begeisterung und Dankeswellen auszulösen, hat sich als überhaupt nicht nachhaltig erwiesen.

Und ich möchte auch nicht wieder in Versuchung kommen, lang und breit über Musik zu schreiben, statt einfach welche zu machen. Musik fällt also erstmal flach.

Fotos veröffentliche ich auch schon auf 7gebirge und auf flickr und auf pixelfed… noch eine Quelle an Bildern von Stephan braucht die Welt wirklich nicht.

Über Programmieren zu schreiben liegt mir irgendwie auch nicht so… und wer unbedingt wissen möchte, mit welchen esoterischen Retro-Computing-Eskapaden – fernab von allem gerade angesagten Quatsch – ich meine Freizeit verbringe, der kann ja einfach meinen github-Account durchwühlen 😉

Im Moment fällt mir also nur ein, den Platz hier so zu lassen, wie er ist… und wenn ich eine neue Idee habe, dann geht es hier irgendwie weiter… oder natürlich, falls einer meiner geschätzten Leser eine Idee hat. Die Kommentarfunktion bleibt an 😉

Es bleibt mir somit nur, mich für die vielen lieben Wünsche zu bedanken, und für die Anteilnahme wenn es nicht so lief wie es hätte laufen sollen…

In diesem Sinne: Keep breathing!

Nochmal Deine Stimme

Ich hab‘ bei irgendwas mitgemacht
Hab‘ irgendwas unterschrieben
Vielleicht sogar aus Versehen
Meine Seele verkauft
Nacht um Nacht bin ich wach geblieben
Nacht um Nacht bin ich wach geblieben.

Ich hab‘ bei irgendwas mitgemacht
Musste auf alles Heilige schwören
Online, im Darknet, in der Cloud, mit Fake News, all das um nochmal
Um nochmal Deine Stimme zu hören
Um nochmal Deine Stimme zu hören

Nochmal Deine Stimme
Nochmal Deine Stimme

Ich bin gegen Stürme angerannt
Gegen Windmühlen gekämpft und gewonnen
Ich schau in den Spiegel und sehe immer mehr Dich als mich
So viel hat es mir genommen
So viel hat es mir genommen

Ich hab‘ bei irgendwas mitgemacht
Nie wollte ich etwas zerstören
Marodiere und brandschatze, grabe und sprenge, all das um nochmal
Um nochmal Deine Stimme zu hören
Um nochmal Deine Stimme zu hören

Nochmal Deine Stimme
Nochmal Deine Stimme
Nochmal Deine Stimme
Nochmal Deine Stimme

Und Du sagst

Ich bin jetzt ruhig
Ich bin jetzt still

Ich bin jetzt ruhig
Ich bin jetzt still

Ich bin jetzt ruhig
Ich bin jetzt still

Ich bin jetzt ruhig

Die Weisheiten des Mr. Big, oder: Wie wir einmal beinahe bei Sony Music unterschrieben hätten (Teil 2)

(Teil 1 ist hier)

Die Tage zogen ins Land, und Laura und ich arbeiteten weiter an unserer Live-Präsenz (und zwischendrin, wenn wir keine Lust mehr darauf hatten, an neuen Songs für unser nächstes Album). Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, aber eines Tages flatterte uns eine Email von Mr. Big ins Band-Postfach… er würde sich sehr gerne mit uns treffen, wann und wo es uns denn recht wäre.

Ich wohnte damals noch im schönen Mehlem, nicht weit weg vom Rhein im „Meisengarten“, einer ziemlich schnieken Wohnaussiedlung, die ungefähr überhaupt nicht zu mir passte. Im Sommer war es da sehr nett, man konnte im angrenzenden Park spazieren gehen, man konnte den Promenadenweg am Rhein entlang schlendern, und nach ungefähr zwei Kilometern kam man am Rheinhotel Dreesen an, einer ebenfalls ziemlich schnieken Location plus einem für Bonner Verhältnisse riesigen, bayerisch angehauchtem Biergarten. 

Laura und ich im Meisengarten…

Das schien uns der angemessene Platz zu sein, und so verabredeten wir uns an einem schönen Tag im Mai für den Biergarten. Laura und ich hatten uns vorher zum Proben bei mir in der Wohnung getroffen und Mr. Big die Wahl gelassen, zu unserer Probe oder direkt in den Biergarten zu kommen. Wie sich später herausstellte, hatte er sein Auto bei mir um die Ecke abgestellt, sich dann aber spontan entschieden, uns nicht beim Proben zu stören und lieber schon mal in den Biergarten zu laufen.

Als wir schließlich im Dreesen ankamen, saß also ein unübersehbarer Mr. Big im gut gefüllten Biergarten allein an einem Tisch in der Mitte, ein leeres Weizenglas und die Reste einer Brezel vor ihm.

„Da seid ihr ja, ich hab schon mal angefangen und den Tisch freigehalten…“, sagte er, schüttelte uns die Hände, winkte die Bedienung herbei und bestellte Getränke für uns alle. Er wartete erst gar nicht ab, bis die Bestellung da war, sondern zog einen Notizzettel aus der Jackentasche, legte ihn vor sich auf die Tisch, stützte sich auf die Ellenbogen und schaute uns abwechselnd forschend ins Gesicht.

„Also… zuallererst…“, begann er.  „Ich hab gesehen, ihr seid bei CC oder irgendwie sowas, und nicht bei der GEMA. Was hat es damit auf sich? Ist das so eine alternative Verwertungsgesellschaft oder wie funktioniert das?“

Mr. Big hatte noch nie etwas von CC-Lizenzen gehört, und freie Musik war ihm fremd. Ich versuchte, ihm zu erklären, dass es unsere Strategie mit „Grounded“ gewesen war, darauf zu hoffen, dass Internet-Radios und Podcaster unsere Musik entdecken und spielen würden… und dass sie in der Folge massenhaft kopiert und gebloggt werden und so Bekanntheit und Verbreitung finden würde – nicht zuletzt, weil sich schon bald herausstellte, dass unsere Produktionen wesentlich ausgereifter waren als die unserer Mitbewerber.

Er grinste mitleidig und schüttelte den Kopf. „Das ist der größte Bullshit, den ich je gehört habe. Was nichts kostet ist auch nichts wert. Klar ist eure Musik ausgereifter…  weil ihr da nichts verloren habt! Ihr braucht einen vernünftigen Labeldeal, und dann müsst ihr müsst zur GEMA, damit ihr einfach und schnell Kohle kriegt, wenn ihr live spielt oder im Radio gespielt werdet, oder wenn euch jemand remixt. Internetradios sind Scheiße. Internetradios sind gar nichts. Ich hab noch nie Internetradio gehört. Niemand hört Internetradio, ausser ein paar Loser, die nie Cash für eure Musik hinlegen würden. Und glaubt ja nicht, dass sich die Leute bedanken und an euch erinnern, wenn ihr ihnen was schenkt. Und die Profis… haha… die nehmen euch nicht ernst, da kann euer Shit noch so gut produziert sein… Neeeee, das kann gar nicht funktionieren… nee nee…“

Laura und ich schauten ziemlich verdattert drein, als Mr. Bigs letzte „Nee-Nees“ schließlich zu einem veritablen und lautstarken Lachanfall mutierten, welcher die Blicke der umliegenden Biergartengäste auf sich zog.

Tja, was soll ich sagen… im Prinzip hatte er leider recht. Zumindest teilweise. Von an einer Hand abzählbaren löblichen Ausnahmen abgesehen hat die CC-Szene nichts für uns getan. Ausser einmal, als wir kostenlose Wahlwerbung für die Piratenpartei machten (die wurde dann tatsächlich verteilt und besprochen und gebloggt und kopiert und empfohlen wie blöde).

„Ok, lasst uns erstmal anstoßen“, sagte Mr. Big, nachdem er sich wieder beruhigt hatte, und leerte sein inzwischen angekommenes Weizenglas zu drei Vierteln ohne einmal abzusetzen. „Gut, weiter im Text…“, sagte er, schaute auf seinen Notizzettel, „eure Platte!“ (womit er ‚Grounded‘ meinte, das wir vor etwas mehr als einem Jahr veröffentlicht hatten).

Offizielles Bandfoto aus der damaligen Zeit… interessanterweise wurde dieses Bild ganz in der Nähe von eben jenem erwähnten Biergarten aufgenommen – ein deutliches Indiz dafür, dass wir diesen Ort in einer gewissen Regelmäßigkeit zu frequentieren pflegten.

„Ja?“ fragten Laura und ich gespannt.

„Eure Platte ist supergeil, und ihr habt’s drauf ohne Ende, und das Ding ist wirklich richtig professionell aufgenommen und abgemischt, aber ihr habt’s leider gleich am Anfang vollkommen verkackt!“

Ich runzelte die Stirn. „Wie meinst Du das?“

„Das Intro, Mensch!“ rief Mr. Big und gestikulierte aufgeregt, als ob er mir das Einmaleins beibringen müsste. „Das hört sich keine Sau an. Das braucht ewig, bis endlich mal was passiert. Sowas könnt ihr euch erlauben, wenn ihr groß und berühmt seid, aber vorher macht ihr euch alles kaputt damit!“

„Aber es ist so ein schönes Intro… und das Solo…“, begann Laura.

„Scheiß auf das Solo!“, wurde sie von Mr. Big unterbrochen, „niemand hört das Solo! Die haben längst abgeschaltet, wenn das Solo kommt. Die gehen alle auf skip, wenn eure Platte sie nicht vom ersten Moment an fesselt. Ihr müsst in den ersten paar Sekunden alles unterbringen, was euch ausmacht, damit eure Hörer dranbleiben… dürft ihnen keine Gelegenheit geben, was anderes zu hören. Und das habt ihr vollkommen verschissen.“

Tja, was soll ich sagen… im Prinzip hatte er leider recht, auch wenn ich heute trotzdem nichts auf diesen speziellen Ratschlag gebe, vermutlich, weil ich einen ausgeprägten Drang habe, mir selbst in den Fuß zu schießen (man könnte es auch künstlerische Integrität nennen).

Bandcamp (für die notorischen Nicht-Musik-Klicker: Das ist da, wo man unsere Musik hören kann) bringt ein paar nette Analyse-Tools mit, an denen man sehen kann, wann jemand einen Song gehört hat, und wieviel davon, etc. pp. Und bei „Thanksgiver“ (welches noch viel mehr als „Grounded“ ganz bewusst so aufgebaut ist, dass es zehn Minuten braucht, bis man wirklich darin angekommen ist), steigen 92% der Zuhörer nach den ersten acht Sekunden von „Winter/Wolfpack/Serenade“ aus. Die warten nicht mal ab, bis Steffi den ersten Ton gesungen hat. Im heutigen Youtuber-und-Selfie-Knipser-Internet-Fernsehen des Jahres 2019 muss überall und immer gleich sofort was geil befriedigendes passieren, ansonsten wird erbarmungslos weitergezappt. Auch der Punkt geht also an Mr. Big.

„Nächster Punkt… wie sieht’s mit Pressemappe aus? Habt ihr so was…?“ fragte er.

„Wir haben ein PDF, das wir bei Interesse verschicken…“, antwortete ich, „aber von den Zeitschriften und Verlagen kommt so gut wie nie was zurück…“

Mr. Big schüttelte den Kopf. „Wieviel hast Du denn angeschrieben?“ fragte er mich, und er stellte die Frage so, dass ich mir wie ein kleines, doofes Kind vorkam, das von nichts eine Ahnung habe.

„Naja, so vier… fünf…“, antwortete ich.

Wieder lachte Mr. Big laut los. „Dachte ich mir. Du musst aber 100 anschreiben, dann merkt vielleicht einer davon mal auf… so wird das nie was…“

Das war wohl der Moment, an dem ich durch genervtes Aufstöhnen klar machte, dass mir diese Diskussion allmählich in die falsche Richtung ging.

„Was ist das Problem?“ fragte Mr. Big.

Ich hatte damit gerechnet, dass es irgendwann wieder zur Sprache kommen würde. Und weil ich mich mit dem Problem jahrelang und intensiv auseinander gesetzt hatte, kam meine Antwort auch ziemlich deutlich und wie aus der Pistole geschossen:

„Das Problem ist, dass ich Musiker bin, und kein Verkäufer. Gut möglich, dass ich mich eigentlich bei tausend Leuten anbiedern müsste und Klinken putzen und all den Scheiß, aber weder habe ich die Lust dazu, noch die Gabe, ganz im Gegenteil. Jede Ablehnung, jedes Nicht-Reagieren und jede nicht beantwortete Mail führt dazu, dass ich erstmal tagelang keinen Bock habe, überhaupt ein Instrument anzufassen… und weil ich das genau weiß, lasse ich es bleiben…“ erklärte ich.

Musiker. Nicht Verkäufer.

Mr. Big schaute mich eine Weile durchdringend und forschend an. Dann grinste er.

„Dann ist es ja gut, dass wir heute hier zusammen sitzen“, sagte er, machte eine geheimnisvolle Pause und grinste weiter.

„Und zwar?“ fragte Laura schließlich.

„Und zwar folgendes: Also. Erstmal die Tatsache: Ihr seid gut, wirklich richtig gut. Ihr gehört vermutlich zum Besten, was das Rheinland zu bieten hat. Das Problem ist nur, dass das kaum jemand weiß, und dass euer Businessplan einzig und allein daraus besteht, teuer und aufwendig produzierte Musik an eine Handvoll Nerds zu verschenken.

Da gibt’s eine ganz einfache Lösung: Lasst mich für euch arbeiten.

Ich mache die Promo für euch, buche Gigs für euch und bringe euch auf Festivals unter.  Und das Wichtigste: Ich arbeite in Köln unter anderem mit einem Label zusammen, die gehören Sony Music, und die haben sowohl Indie- als auch EDM-Sachen in ihrem Katalog. Der Chef von denen ist ein guter Freund von mir, ich hab ihm ein paar Tracks von euch gezeigt, und der würde euch für euer nächstes Album sofort unter Vertrag nehmen.“

Sowohl Laura und mir blieb die Spucke weg.

„Ist das Dein Ernst?“ fragte Laura schließlich.

„Klar ist das mein Ernst“, antwortete Mr. Big.

„Und was ist der Catch dabei?“ fragte ich. Nachdem mein künstlerisches Schaffen mein ganzes bisheriges Leben hauptsächlich ignoriert und übersehen worden war, erschien mir ein Deal mit einem Musik-Riesen aus heiterem Himmel wie ein sehr deutlicher Fall von „zu gut um wahr zu sein“.

„Naja, der Catch ist, dass ihr mich dafür bezahlt. Ich bekomme Anteile am Gewinn. Und ihr müsst mit diesem CC-Schwachsinn aufhören und euer Zeug so schnell wie möglich bei der GEMA anmelden. Ich übernehme das auch gerne für euch…“

Ich schüttelte den Kopf. „Das geht nicht“, sagte ich, während Laura mich unter dem Tisch schmerzhaft am Schienbein traf. „Wenn wir die Musik einmal CC-lizenziert haben, können wir nicht einfach einen Rückzieher machen. Das ginge nur mit zukünftigem Material“, erklärte ich.

Mr. Big zuckte mit den Schultern. „Dann ist das halt so… dann eben alle zukünftigen Tracks. Euer altes Zeug ist eh nicht richtig live-fähig, ihr braucht schnellere Tracks, mehr tanzbare Sachen, mehr so Sachen wie das mit den Morsezeichen und den Breakbeats“ (er meinte ‚Voices‘ und ‚Inhale‘).

Cover für die Web-Release von „Inhale“, einer unserer neueren und schnelleren Songs…

„Ok, mit zukünftigen Liedern könnte man darüber nachdenken…“, gab ich zu. Eigentlich war ich ziemlich überzeugt gewesen von der CC-Idee, ich konnte aber vor der Realität nicht die Augen verschließen, und die Realität war nun mal, dass unser Plan mit der freien Musikszene nicht aufgegangen war.

„Ja… denkt gerne ein bisschen darüber nach… ich werde euch nicht drängen, und ihr habt ja Zeit. Ich sage nur wie es ist: So wie ihr im Moment arbeitet, werft ihr nur Perlen vor die Säue, und wenn ihr daran nichts ändert, dann werdet ihr das auch in zwanzig Jahren noch tun…“

Tja, was soll ich sagen… und so weiter.

An weitere Details des Abends habe ich nur lückenhafte Erinnerungen… die Plattenvertrag-Enthüllung hatte uns ganz schön aus der Bahn geworfen. Irgendwann tauschten Laura und ich einen Blick aus, und mir wurde klar, es gab da ein Problem, das ich ansprechen musste. 

Laura und ich waren zwar lange und eng befreundet und hatten gemeinsam eine phantastische Reise hinter uns gebracht, aber diese Freundschaft war nicht ohne immer deutlicher zu Tage tretende Probleme und Abgründe – und wir beide hatten eine Ahnung, dass unsere musikalische Partnerschaft an einem dieser Abgründe möglicherweise irgendwann einmal enden würde…

Nicht ohne Abgründe: Laura und ich (hier live in Wiesbaden)

„Was ist, wenn wir uns trennen? Wenn wir die Platte nicht fertig kriegen?“ fragte ich Mr. Big, und Laura nickte zustimmend. Sie hatte das Gleiche gedacht.

Mr. Big leerte sein Weizenglas in einem Zug und schaute mich an. „Dann habe ich eben auf das falsche Pferd gesetzt und verloren. Aber ihr trennt euch nicht, ihr rockt das Ding!“

Wir tauschten einen weiteren Blick aus. Laura nickte. „Klar“, sagte sie. Ich nickte. „Sicher“. Sie nochmal: „Klar“. Ich: „Natürlich rocken wir das Ding“. Mr. Big lachte laut los und bestellte uns noch ein Runde. So viel zu unseren Einwänden.

Es wurde später und später, und es wurde mehr und mehr Wein, Weizen und Pils für Laura, Mr. Big und mich respektive. Schließlich bezahlten wir und wankten zurück zu meiner Wohnung. Angesichts unseres Blutalkohols verwundert es nicht, dass ich mich auch hier nicht mehr an die Details erinnern kann. Ich weiß noch, es war spät abends und eine unglaublich schwüle Sommernacht. Die Glühwürmchen tanzten auf dem Weg zwischen Rhein und angrenzenden Wäldchen und Parks, und Laura und ich waren vollkommen albern, machten schlechte Witze, und mussten uns den ganzen Weg lang gegenseitig festhalten, damit nicht einer von uns kopfüber wahlweise im Rhein oder im Wäldchen landete. 

Ganz im Gegensatz zu Mr. Big, dem die beachtliche Menge Alkohol, die auch er zu sich genommen hatte, überhaupt nicht anzumerken war. Im Gegenteil, er lief relativ stabil neben uns her, beobachtete uns mit einer Mischung aus Amüsement und Neugier und schwieg die meiste Zeit.

Erst als wir vor meiner Wohnungstür standen, redete er wieder.

„Ich mach euch bis die Tage mal ein bisschen Papierkram fertig, dann könnt ihr euch überlegen, ob ihr einsteigen wollt oder nicht… und, hey… das wollte ich euch die ganze Zeit mit auf den Weg geben: Eine andere Band von mir hat in drei Wochen einen Gig im MTC in Köln. Das wird erstklassig, die machen Dark Rock, spielen so in die Richtung Within Temptation und Evanescence, nur auf deutsch und in punkiger; was meint ihr, wollt ihr da die Vorband machen? Das würde euch ne Menge neues Publikum bringen…“

Laura und ich schauten uns an. „Äh… ich weiss nicht ob wir da die richtigen sind…“, sagte ich. „Ich meine… Within Temptation, Evanescence… hast Du unsere Musik mal gehört?“ 

„Ja klar, ihr habt doch auch rockige Sachen. Das Ding mit den Morsezeichen und so. Das spielt ihr, ihr braucht ja nur vier Songs zu spielen das kriegt ihr hin. Die sind ARSCHgeil, die spielen auf Festivals, die bringen ganz viel neue Fans für euch mit…“

„Na ja“, sagte Laura, während dieses Mal ich derjenige war, der die ganze Zeit erfolglos versuchte, sie unbemerkt zu kneifen oder zu treten oder sonstwie am Weiterreden zu hindern, „wenn wir die düsteren Sachen spielen, Voices, Inhale, Moron Island… dann geht das doch, und das passt auch ganz gut, wir spielen in der gleichen Woche im Jakobshof in Aachen, dann sind wir schon eingeübt…“

Dark-Metal-Vorband – warum nicht? Wir waren jung, flexibel und wandlungsfähig…

Ich seufzte und gab meinen Widerstand auf. 

„Na seht ihr wohl…!“ sagte Mr. Big. „Also abgemacht, Freitag in drei Wochen im MTC, ich schick euch nochmal die Einzelheiten!“

Und damit drehte er sich um und lief zielsicher auf seinen Mazda MX-5 zu.

„Du wirst doch wohl nicht Auto fahren wollen?“, fragte ich.

„Ich bin praktisch nüchtern. Kein Problem. Bis demnächst!“ sagte er, stieg ein und brauste in die Nacht davon. 

(Fortsetzung folgt)

(vielleicht)

Die Weisheiten des Mr. Big, oder: Wie wir einmal beinahe bei Sony Music unterschrieben hätten (Teil 1)

Es war das Jahr 2009, und vieles war vollkommen anders, als es heute ist.

Insbesondere, wenn es Botany Bay betrifft.

Ich kann an dieser Stelle nicht ernsthaft behaupten, wir wären jemals ausgesprochen „erfolgreich“ gewesen… aber im direkten Vergleich zu heute war 2009 ein enorm erfolgreiches Jahr.

Die Welt hatte gerade begonnen, ernsthaft Notiz von uns zu nehmen. Veröffentlichungen von Tonträgern oder Ankündigungen von Konzerten wurden von etlichen Menschen mit Spannung erwartet. Unsere damals noch existenten Fanpages auf Myspace und Facebook (das war, bevor Mark Zuckerberg damit begann, Künstler zu erpressen) zählten insgesamt um die 500 Mitglieder, und wir hatten einen Vertrag mit einem kleinen Label, das zwar nicht wusste, was es mit uns anfangen sollte, uns aber zumindest die eine oder andere administrative Last von den Schultern nahm. In den Free-Music-Charts belegten wir regelmäßig die ersten Plätze, und sehr zu unserer großen Überraschung kamen mehr und mehr Menschen zu unseren Konzerten. 

Eines unserer allerersten Konzertplakate (unten, nicht oben ;-)), damals noch mit den „Con-Chillos“ als Vorband, die sich bald in „Fronthaus“ umbenennen und fortan mit uns zumindest eine kurze Zeit lang durch dick und dünn gehen sollten.

Von meiner Kunst leben, das konnte ich damals genau so wenig wie heute, deshalb war mein Lebensentwurf auch damals schon, mir mit Softwareentwicklung die Ausübung meiner Berufung zu verdienen.

Nur bedeutete dies damals, mich in einem mittlerweile nicht mehr so bekannten Bonner Unternehmen vierzig Stunden die Woche für ein echt beschissenes Gehalt nach Strich und Faden ausnutzen zu lassen; außerdem führte ich damals noch eine Fernbeziehung mit Frau K., und ich fotografierte Menschen… keine Ahnung, wie ich das alles unter einen Hut brachte.  

Bei erwähntem Unternehmen arbeitete damals eine Frau namens Monika (1), welche mein Musiker-Sein – wie so viele Menschen – vollkommen zu ignorieren pflegte. 

Eines Tages jedoch besuchte mich Laura (2) im Büro, weil wir in einer Woche ein Konzert in Köln spielen und darum am Abend proben wollten. Zufällig befand sich da gerade Monika in meinem Büro, und Laura ließ nicht locker, bis sich Monika an Ort und Stelle das Konzert-Ankündigungs-Video auf unserer Myspace-Fanpage anschaute. 

Wie sich herausstellte, war das genau die richtige Strategie: Die Tatsache, dass wir eine einigermaßen gut besuchte Fanpage und ein Video und eine Latte an enthusiastischen Kommentaren darunter hatten, erweckte erstmals Monikas Interesse an unserer Musik, und bald schon fiel der unvermeidliche Satz: „Hey, ihr seid ja richtig gut. Warum hat mir das vorher niemand gesagt?

Ich geb’s zu. Wir waren leicht zu übersehen und unsere Musik war viel zu leise. Ausserdem hatten wir nicht die richtigen Sachen an. An irgendwas davon muss es liegen.

Die folgenden Wochen entwickelte sich Monika zu unserem interessiertesten Fan, und sie sprudelte nur so vor Ideen, wie wir unsere Musik noch besser an den Mann bringen konnten. „Ich kenn‘ da jemanden mit dem ich damals einen Mark-Owen-Fanclub gegründet habe, und die hat Kontakte […]„, „Ihr braucht unbedingt Merch. Ihr braucht T-Shirts und Sticker[…]„, „Ihr müsst was an eurem Outfit machen. Stephan, Du kannst nicht einfach im löchrigen Joy-Division-T-Shirt auf die Bühne kommen, und Laura, Du musst mehr Haut zeigen[…]“ waren nur ein paar ihrer Einsichten, wie wir uns optimieren könnten.

Natürlich war mir damals schon klar, dass – um es mal nett auszudrücken – Monikas Motivation und Beweggründe, sich für Musik zu begeistern, nicht mit denen von Laura und mir übereinstimmten. Aber auf eine seltsame  Art und Weise versprühte sie dabei eine ansteckende Art von Enthusiasmus, die ich sehr mochte. Und deshalb lehnte ich sie auch nicht ab. 

Unser Konzert fand dann plangemäß eine Woche später in einem kleinen Club in Köln statt, und obwohl es meiner Meinung nach einer unserer schlechteren Gigs war (zwischen Laura und unserem damaligen Live-Gitarristen gab es einige Spannungen, alles sehr Spinal Tap), wurden wir nach dem Konzert an der Bar von einem Menschen aufgesucht, der sich als „Mr. Big“ vorstellte. 

(Ja, auch dieser Name wurde von mir geändert. Bevor sich jemand wundert – sein originales Pseudonym war vergleichbar cringeworthy, es war gar nicht so einfach, einen adäquaten Ersatz auszuwählen…)

Mr. Big war eine formidable Gestalt. Nochmal einen Kopf größer als ich, kahlrasiert, Lederjacke, durchdringender Blick und sehr einnehmend. Er war, so stellte sich schließlich heraus, ein bekannter und erfolgreicher Kölner DJ und Musikproduzent, und unser wirklich nicht so tolles Konzert war offensichtlich das beste gewesen, was er in Köln seit langer Zeit gehört hatte. 

„Wie sieht’s denn aus, habt ihr ein Label? Einen recording deal?“ fragte er, nachdem er uns Getränke unserer Wahl ausgegeben hatte.

„Wir haben ein Label“, antwortete ich wahrheitsgemäß, „allerdings wissen die nicht, was sie mit uns anfangen sollen, und das Goth-Geschrammel, das die sonst im Angebot haben verkauft sich tausendmal besser als unsere CDs“

„Ok, und eure Demos, wer produziert die?“ fragt er mit Blick auf den Karton „Grounded„- und „Postcard„-CDs, die wir zum Verkaufen mitgenommen hatten.

„Unsere Alben„, sagte ich und betonte das letzte Wort, so dass überhaupt kein Zweifel bestand, worum es sich handelte, „produziere ich selbst.“

Mr. Big nickte verständnisvoll. „Und Management? Habt ihr das?“ fragte er. 

Wir verneinten.

Natürlich hätte ich antworten sollen: „Wir haben zwar kein Management, aber dafür haben wir einen Kirchenchor“. Die besten Antworten fallen einem immer erst 10 Jahre später ein… (Das Bild zeigt Laura und mich [links] und den Kirchenchor ‚Chornelimünster‘ bei den Aufnahmen einer Chorpassage für ‚Stupid Summer Dreams‘)

Mit einem Ruck stand er auf. „Ok, passt auf…“. Er packte je eine von unseren CDs und legte uns 50 Euro hin. „Behaltet den Rest. Ich nehme an, da steht eure Kontaktadresse drin?“

Etwas perplex nickten wir. „Gut, ich habe leider wenig Zeit… aber ich melde mich bei euch. Ich denke, ich kann ziemlich viel für euch tun“. Und damit verließ er eiligen Schrittes die Location. Ich ging davon aus, dass wir ihn nie wieder sehen würden. Ich lag falsch.

(Fortsetzung folgt)


(1) Alle Namen, ausser die der Bandmitglieder selbst, wurden von mir geändert

(2) Für die notorischen Nicht-Musik-Klicker: Laura war von 2004 bis 2009 meine musikalische Partnerin. Erst „nur“ Sängerin bei Botany Bay, unterstützte sie mich nach Veröffentlichung unseres Albums „Grounded“ mehr und mehr bei der Produktion und im Songwriting und überzeugte mich davon, dass wir auf die Bühne müssen. Ausserdem spielte sie im Studio und live Klavier und Synthesizer.

Pixelfed: Das Fediverse ruft (vielleicht)

Mit Pixelfed existiert im Fediverse seit einiger Zeit schon ein quelloffener Instagram-Klon, der niemandem gehört, auf dem keine Werbung stattfindet, und auf dem keine Influenzer influenzen.

Dank dieser Eigenschaften klingt Pixelfed tatsächlich nach einem Schritt in die richtige Richtung, um das zu retten, was vom bunten und kreativen Web im Jahr 2019 noch übrig ist (oder vielleicht sogar das, was die letzten Jahre verloren gegangen ist, wieder zu beleben).

Und nach einer prima Alternative zu Instagram klingt es eh allemal.

Die Kehrseite? Natürlich ist auf Pixelfed (noch) nicht besonders viel los.

Ähnlich wie bei den föderierten Alternativen zu Twitter (Mastodon) und Facebook (Diaspora) wird sich bei Pixelfed erst noch zeigen müssen, ob aus der Nische heraus eine lebendige und kreative Community entstehen kann.

Einen Vorteil hat Pixelfed natürlich im Gegensatz zu Mastodon oder Diaspora: Die Plattform kümmert sich um ein spezifisches Thema, nämlich Bilder. Damit ist zumindest grob schon vorgegeben, warum und von wem die Plattform besucht wird.

Ich habe mich ja letztes Jahr ein paar Wochen lang auf Mastodon versucht, und ich wollte ehrlich, dass es funktioniert… allein schon aus weltanschaulichen Gründen. Aber als Musiker auf Mastodon stattzufinden ist tatsächlich noch deprimierender, als es auf Twitter zu tun. Was natürlich mit der Art und der Menge und den Interessen des Publikums zu tun hat. Ich meine, es gibt garantiert einige Linux-affine Open-Source-Verfechter, die „Thanksgiver“ lieben würden – wenn man sie nur irgendwie dazu bewegen könnte, die ersten zehn Minuten einfach mal in Ruhe anzuhören. Aber Mastodon ist dazu noch weniger der Ort als Twitter.

Mit Fotos ist es da schon einfacher. Fotos erschließen sich (vermeintlich) sofort, und es ist mit keinem großen Aufwand verbunden, sie auf Pixelfed zu posten. Also werde ich die Plattform, die noch in den Kinderschuhen steckt, einfach mal ein bisschen ausprobieren… am besten auch mit ein paar alten Sachen, für die ich schon jede Menge Feedback bekommen habe, so dass es nicht ärgerlich ist, wenn das im Fediverse erstmal nicht funktioniert.

Vielleicht sieht man sich ja dort? Beispielsweise die Instanz pixelfed.de nimmt momentan noch Registrierungen entgegen… meine Wenigkeit ist hier zu finden (und einige andere alte Bekannte auch ;-))