Change Of Plans

Ok, ich feiere morgen also doch (noch?) keinen Abschied von meiner Schilddrüse.

Stattdessen neue Untersuchung. Es gibt da noch ein paar Sachen, die wir ausgelassen haben.

Ach ja, das Leben wird nicht langweilig.

Trotzdem an dieser Stelle danke für eure guten Wünsche...!

7+

Pixelfed: Das Fediverse ruft (vielleicht)

Mit Pixelfed existiert im Fediverse seit einiger Zeit schon ein quelloffener Instagram-Klon, der niemandem gehört, auf dem keine Werbung stattfindet, und auf dem keine Influenzer influenzen.

Dank dieser Eigenschaften klingt Pixelfed tatsächlich nach einem Schritt in die richtige Richtung, um das zu retten, was vom bunten und kreativen Web im Jahr 2019 noch übrig ist (oder vielleicht sogar das, was die letzten Jahre verloren gegangen ist, wieder zu beleben).

Und nach einer prima Alternative zu Instagram klingt es eh allemal.

Die Kehrseite? Natürlich ist auf Pixelfed (noch) nicht besonders viel los.

Ähnlich wie bei den föderierten Alternativen zu Twitter (Mastodon) und Facebook (Diaspora) wird sich bei Pixelfed erst noch zeigen müssen, ob aus der Nische heraus eine lebendige und kreative Community entstehen kann.

Einen Vorteil hat Pixelfed natürlich im Gegensatz zu Mastodon oder Diaspora: Die Plattform kümmert sich um ein spezifisches Thema, nämlich Bilder. Damit ist zumindest grob schon vorgegeben, warum und von wem die Plattform besucht wird.

Ich habe mich ja letztes Jahr ein paar Wochen lang auf Mastodon versucht, und ich wollte ehrlich, dass es funktioniert... allein schon aus weltanschaulichen Gründen. Aber als Musiker auf Mastodon stattzufinden ist tatsächlich noch deprimierender, als es auf Twitter zu tun. Was natürlich mit der Art und der Menge und den Interessen des Publikums zu tun hat. Ich meine, es gibt garantiert einige Linux-affine Open-Source-Verfechter, die "Thanksgiver" lieben würden – wenn man sie nur irgendwie dazu bewegen könnte, die ersten zehn Minuten einfach mal in Ruhe anzuhören. Aber Mastodon ist dazu noch weniger der Ort als Twitter.

Mit Fotos ist es da schon einfacher. Fotos erschließen sich (vermeintlich) sofort, und es ist mit keinem großen Aufwand verbunden, sie auf Pixelfed zu posten. Also werde ich die Plattform, die noch in den Kinderschuhen steckt, einfach mal ein bisschen ausprobieren... am besten auch mit ein paar alten Sachen, für die ich schon jede Menge Feedback bekommen habe, so dass es nicht ärgerlich ist, wenn das im Fediverse erstmal nicht funktioniert.

Vielleicht sieht man sich ja dort? Beispielsweise die Instanz pixelfed.de nimmt momentan noch Registrierungen entgegen... meine Wenigkeit ist hier zu finden (und einige andere alte Bekannte auch ;-))

6+

Artikel 13

Irgendeine Anzahl zwischen zwei und vier Menschen wird sich vielleicht darüber wundern, warum ausgerechnet ich – der sich immer so schnell über alles mögliche aufregen kann, was dieses Internetz angeht – nichts zu Artikel 13 von sich gibt.

Denn die Artikel-13-Debatte, und hier insbesondere einige ganz spezielle Protagonisten, ist etwas, worüber man sich mit meinem Background (Musiker, Internet-mit-auf-die-Beine-Helfer) so richtig enorm aufregen könnte...

Die Antwort ist: Ich hätte nicht gedacht, dass der Punkt in meinem Leben jemals eintreten würde, aber jetzt ist es so weit – ich habe einfach keine Lust mehr, und es gibt Wichtigeres.

Meine Band und ich (wenn wir ganz ehrlich sein wollen: Hauptsächlich ich), wir haben schon vor Jahren immer und immer wieder vor den alten Männern mit Kugelschreibern gewarnt. Wir sind auf Demos gegangen, haben uns an Podiumsdiskussionen beteiligt, wurden politisch aktiv obwohl wir das eigentlich nie wollten... ich habe – damals, auf dem alten Blog – viel darüber geschrieben und noch mehr in die Wege geleitet... ich habe meinen Teil getan.

Jetzt bin ich seit Monaten nicht mehr richtig gesund, am Dienstag kriege ich die komplette Schilddrüse rausgeschnitten, die Suche nach einem neuen Zuhause war immer noch nicht von Erfolg gekrönt... irgendwie gibt es Wichtigeres in meinem Leben als schon wieder gegen alte Männer mit Kugelschreibern zu kämpfen.

Meine Kämpfe waren nie lange erfolgreich, es waren Kämpfe gegen Windmühlen, Dank gab es auch nur in sehr begrenztem Umfang, und alle paar Jahre stehen wir wieder am selben Punkt. Jetzt dürfen von mir aus gerne die jungen Leute ran, die Influenzer und Youtuber und wie das alles heutzutage heißt. Und wer weiß, vielleicht sollten wir die alten Männer mit Kugelschreibern das Internet auch einfach vollends kaputt machen lassen, dann ist endlich Ruhe im Karton.

Vielleicht seh ich das in ein paar Wochen, wenn es mir hoffentlich irgendwann mal wieder besser geht, auch alles ganz anders. Aber jetzt muss ich ein bisschen für mich da sein, und ich darf mich nicht mehr über die Ungerechtigkeit und Dummheit der Menschheit aufregen... ich will nicht so enden wie mein Vater.

Nur, damit ihr wisst, was los ist.

6+

Mark Hollis †

Jetzt sitze ich also hier, höre "Spirit Of Eden" und weine.

Frau K. ist mit Candor raus, Buba schläft noch, die Sonne ist noch nicht richtig aufgegangen, der Baustellenlärm an Rhöndorfs traurigen Neubauten hat noch nicht begonnen... und die Welt draußen vor der K-Burg ist in dunkles und entsättigtes Grün, Blau und Braun getaucht – still und regungslos bewacht von den dunklen Ästen der Bäume, welche zwischen der Sicht rheinabwärts und mir stehen.

Mark Hollis hätte das vermutlich für ein gutes Ambiente gehalten, um "Spirit Of Eden" zu genießen. Ruhig, ohne Ablenkung... mit viel Stille, um die Stille besser hören zu können.

Mark Hollis ist tot, und ich kann es nicht glauben, dass er weg ist.

Du darfst nicht weg sein, denke ich mir.

Du darfst nicht weg sein, ich wollte doch noch etwas von Dir hören!

Obwohl ich den Menschen nie getroffen habe, ist es tatsächlich für mich, als ob noch ein Familienmitglied gestorben wäre... denn Hollis' einzigartige, wunderbare, wunderschöne Musik hat mich beinahe mein ganzes bisheriges Leben begleitet.

Ich kann mich an den sonnigen Herbsttag im Oktober 1988 erinnern, als ich in einem Plattenladen in Karlsruhe stand, und beim Wühlen im Regal über "Spirit Of Eden" stolperte. Ich hatte keine Ahnung, welche Musik sich dahinter verbergen würde, doch ich mochte das Cover... und so kaufte ich "Spirit Of Eden", damals schon auf 10 Mark herabgesetzt, weil es niemand hören wollte – eine Tatsache, die sich erst änderte, als Talk Talk sehr viele Jahre später von wichtigen Musikschreiberlingen als die "Erfinder des Postrock" erkannt wurden.

Wobei das natürlich Quatsch ist.

"Spirit Of Eden" ist kein Postrock. "Spirit Of Eden" ist "Spirit Of Eden".

Als ich dann die ersten Takte von "The Rainbow" (dem Opener des Albums) hörte, da passierte etwas mit mir, das ich auch heute noch nicht erklären kann. Was ich da hörte, das war so unglaublich anders als alles, was ich zuvor gehört hatte... und von einer majestätischen und gleichzeitig fragilen Schönheit, die ich so noch nicht erlebt hatte, und die mich veränderte.

"Oh yeah, the world's turned upside down", intoniert Mark Hollis auf "The Rainbow", nachdem – und das ist nur der Anfang! – Trompete, Violine, Hammond-Orgel, selbstgebaute Musikinstrumente und etliche andere Klangerzeuger in langsamen und mäandernden Bewegungen den Track über drei Minuten lang vorsichtig und behutsam aufgebaut haben... und ahnte vermutlich nicht, wievieler Menschen Welt er mit dieser Musik tatsächlich auf den Kopf stellen würde.

Ein drei Minuten langes Intro, das – wenn überhaupt – eher in Musique Concrete, Jazz und Klassik als in Popmusik verortet werden kann, das war im Jahre 1988 natürlich kommerzieller Selbstmord, ebenso wie alles, was danach auf "Spirit Of Eden" passiert: Die hauchdünnen, zarten Arrangements von "The Rainbow", irgendwo zwischen Blues und Debussy, zerteilt von einem alles zerreißenden Mundharmonika-Solo. Die verzweifelte Schönheit von "Eden". Die brodelnde Stille von "Desire", die sich in einem triumphalen Crescendo entlädt und dann als fernes Echo von allem was da gerade noch gewesen war nur vier lange gehaltene Klavierakkorde in die Stille entlässt... und diese Beschreibungen kratzen nur an der Oberfläche.

Für die Plattenfirma damals ein ganz klarer Fall: Unverkäuflich, nichts singletaugliches dabei... nichts, was man dem MTV-Publikum irgendwie andrehen könnte. EMI waren von dem Werk so angepisst, dass man sich vor Gericht wieder sah – hatte die Band doch erst das Budget überzogen, dann mehrere Deadlines platzen lassen und schließlich ein Ergebnis abgeliefert, das sich nicht verkaufen ließ.

Doch auf kommerziellen Erfolg kam es Mark Hollis und Talk Talk damals schon lange nicht mehr an. Hollis war getrieben von dem Wunsch, konsequent seine Vision von Musik verwirklichen, egal ob die Welt und die Plattenbosse sie mögen würde oder nicht.

Und weil ich Talk Talk entdeckte, lange bevor der restlichen Welt endlich ein Licht aufgegangen war, kam es mir lange Zeit auch so vor, als wäre ich damit allein auf der Welt – als hätte nur ich diese geheimnisvolle und unergründliche Entdeckung gemacht, als sei sie ein wertvoller Schatz, den zu hüten und zu ehren meine Aufgabe war.

Ich weiß noch genau, wie ich die Platte wieder und wieder abspielte... ich war sechzehn Jahre alt, ich konnte noch gar nicht fassen, was ich da hörte. Und wenn ich ehrlich sein soll, kann ich das heute noch nicht. Ich weiß nur, dieser Tag resoniert bis heute in meinem eigenen musikalischen Schaffen.

Meine Mutter war damals sehr krank und verbrachte tagelang im Bett. Damals war es mir nicht richtig klar, beziehungsweise ich verdrängte es so gut es ging; aber es muss wohl einer ihrer ersten wirklich schlimmen Abstürze mit Alkohol gewesen sein, mit denen sie sich 27 Jahre später aus dieser Welt trinken sollte.

Im Gegensatz zu meinem Vater (der mich – so möchte ich inzwischen gerne glauben – vor seinem eigenen Schicksal beschützen wollte, indem er mich nie zum Künstlerdasein ermutigte) war meine Mutter sehr interessiert an meiner Musik... sie unterstützte mich wo immer sie konnte, zeigte mir die Dinge, die sie mochte (meine frühe Liebe für Bach und Jethro Tull habe ich von meiner Mutter) und ermutigte mich immer wieder.

Es ist, als ob es gestern gewesen wäre, dass ich mit meinem kleinen Ghettoblaster und einem auf Tape überspielten "Spirit Of Eden" zu ihr ins Schlafzimmer wanderte. Sie hatte drei Tage lang geschlafen und es ging ihr noch immer sehr mies. Ich weiß noch, wie ich mich neben ihr Bett kniete und den Ghettoblaster anschloss.

Sie schaute mich fragend an.

Ich sagte, "ich habe neue Musik gefunden. Ich glaube das wird Dir gefallen", und drückte auf "Play".

Und dann saßen wir da zusammen und lauschten, und irgendwann lächelte meine Mutter, zum ersten Mal seit Tagen, und sie sagte:

"Oh Gott, ist das schön".

Ruhe in Frieden, Mark Hollis.

Ich hätte so gerne noch so viel mehr von Dir gehört.

8+

Blog Out Of Order

Während Buba die zurückkehrenden Kraniche beobachtet, liege ich leider mal wieder auf der Schnauze.

Laut meiner Ärztin habe ich eine ganz besonders leckere Art von Bakterien eingefangen, von denen man richtig lange was hat. Man ist damit zwar nicht eine Woche lang vollständig kaputt (wie man es bei einer "richtigen" Grippe wäre)... aber dafür ist man wochen- bis monatelang nicht richtig fit und immer mal wieder so richtig fix und alle.

Und nachdem das jetzt schon zwei Monate lang so geht, nun also: Antibiotika schlucken, viel Ruhe und nicht anstrengen.

Also nicht wundern, wenn ich hier etwas weniger schreibe.... ich hole das dann nach, wenn ich irgendwann mal wieder gesund bin.

6+

Ein Lied von Råb und Pah

Beim Klagefall wurde vor einiger Zeit von einem schönen Lieblingsplatz berichtet... abgerundet mit der Frage, ob der geneigte Leser auch einen Lieblingsplatz habe.

Damals dachte ich mir spontan "Mensch, ja. Darüber musst Du bloggen, wenn Du mal wieder dort bist".

Nun, gestern war es nach vielen Monaten wieder einmal so weit.

Die Flucht aus Rhöndorf führt am Siegfriedfelsen vorbei. Über den Rest des Weges wollen wir allerdings den Mantel des Schweigens hüllen.

Råb

An einem traumhaften Wochenende wie diesem, wenn wochenlanges düsteres, kaltes und matschiges Wetter endlich endet und die Sonne überhaupt nicht mehr zu scheinen aufhören möchte, sind Rhöndorf und das Siebengebirge wahrlich nicht die geeigneten Orte für Menschen, die gesteigerten Wert auf Abgeschiedenheit und Ruhe legen. Denn an solchen Tagen fallen wahre Heerscharen an Touristen in unser kleines Naturschutzgebiet ein – wer wollte es ihnen auch verdenken, wenn das Wetter so schön ist.

Leider hat sich in den letzten Jahren unter Deutschlands hippen Stadtbewohnern ein neuer Trend mit der schönen Bezeichnung råb durchgesetzt.

Ähnlich wie hygge kommt råb aus Dänemark, und grob gesagt geht es bei råb darum, mit möglichst vielen Menschen zusammen (vorzugsweise Nachwuchs und sonstige Familie) laut schreiend und brüllend ("SCHAU MAL DA! EIN REH!!!" / "NEE DAS IST KEIN REH, DAS IST EIN BUSCH!!!" / "WO MÜSSEN WIR JETZT LANG?! WAAAS?!!! ICH VERSTEH DICH NICHT!!!!") und mit den Armen fuchtelnd durch den Wald zu laufen und ehemals ruhigen Plätzen auf diese Art und Weise jeglichen Zauber zu nehmen.

Die Königsdisziplin beim råb ist es, an einem fremden und ruhigen Ort wohnhafte Menschen durch spontane Äußerungen wie "OH SCHAU MAL YVONNE, DA ISSES ABER SCHÖN!!!", "OH JA, OB DA WOHL JEMAND WOHNT?!", "HAHA, WIE DIE WOHL DAS BIER HOCHBRINGEN?!", "STELL DICH MAL DA HIN, ICH WILL EIN FOTO MACHEN!!!" und "JUSTIN! JESSICA! KEVIN! WO SEID IHR?!!! WOLLT IHR MIT AUF INSTAGRAM?!!!" dazu zu bringen, spontan ihre sieben Sachen zu packen und kopfüber die Flucht zu ergreifen.

(Ja, ich gebe zu, die Bezeichnung råb – dänisch für "schreien" – habe ich gerade erfunden. Ich hab gestern gelesen, es gibt jetzt "business hygge", und da dachte ich so bei mir, ich versuche mal, dieses Ausmaß an Bullshit noch zu überbieten)

Lange Rede, kurzer Sinn – Frau K. und ich packten spontan unsere sieben Sachen und flüchteten kopfüber an einen Platz, den nur wenige Menschen kennen. Es gibt dort ein sonniges altes Mäuerchen, eine sonnige alte Treppe, etliche stolze, alte Bäume und sonnige Felsen. Man muss dazu ein bißchen klettern, und man muss Wege begehen, die sich nicht sofort als solche zu erkennen geben und auch nicht ausgeschildert sind... und das mag auch der Grund für eine gewisse Exklusivität des Ortes sein.

Tatsächlich ist es selbst an einem Wochenende wie diesem möglich, im Siebengebirge ganz allein für sich zu sein und eine herrliche Aussicht und absolute Ruhe zu genießen.

Weil wir gerne hätten, dass dies weiterhin der Fall ist, gibt es in diesem Artikel keine Wegbeschreibung und keine GPS-Koordinaten. Nur ein paar Eindrücke von der Umgebung möchte ich der geneigten Leserschaft nicht vorenthalten 😉

Hygge statt Råb!

Pah

Immer, wenn wir an diesem Platz sind, erinnern wir uns an eine Begebenheit, die nun inzwischen zwei Jahre zurück liegt.

Die Eigentümer der Wohnung über uns (welche ihnen als Ferienwohnung dient, und von der ich einen Teil als Studio anmiete), hatten damals auf einer Tagung eine Frau kennengelernt, die in der Nähe einen Job angenommen hatte und nun händeringend ein Dach über dem Kopf suchte.

Weil es sich bei den Eigentümern um extrem nette und selbstlose Menschen handelt, ließen sie ebendiese Frau, die im Folgenden Pah genannt werden soll – die Gründe hierfür werden noch klar werden –, spontan die Mansarde über meinem Studio beziehen.

Wir hatten die letzten Jahre bis dahin größtenteils allein auf der Burg verbracht – doch naiv, wie wir waren, freuten wir uns auf die neue Mitbewohnerin, insbesondere weil sie eine Yoga-Lehrerin war und Frau K. damals Yoga für sich entdeckt hatte.

Leider schleppte unsere neue Mitbewohnerin etliche Issues mit sich herum, die das Zusammenleben auf der Burg in den folgenden Wochen und Monaten zunehmend schwierig gestalten würden.

Zum einen war da die Tatsache, dass sie mit Männern im Allgemeinen und mit mir im Besonderen nicht wirklich gut klar kam. Mit Frau K. und mit Steffi und mit sonstigem weiblichem Besuch konnte sie prima reden, aber mir wurde aus dem Weg gegangen, an mir wurde vorbei geschaut, ich wurde auch schon mal überhört, wenn ich "Guten Morgen" sagte... und eines schönen Tages wurde ich auch vollständig ignoriert, als ich ihr zusammen mit Buba im Wald begegnete.

An einem Platz, wo man sich zuhause wähnt, ist so ein Verhalten nicht so wahnsinnig toll. Aber es wurde schnell klar, dass sie in ihrer Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit einem oder mehreren Menschen mit einem Y-Chromosom gemacht hatte, an die ich sie wohl irgendwie erinnerte (irgendwann erzählte sie auch von einem Menschen, den sie mal kannte, und der 'war genau so wie Du' – eine Aussage, die man immer wieder gerne hört, insbesondere wenn das Gegenüber nicht den allerleisesten Schimmer hat, wie 'man ist').

Also sei's drum, alles nicht so schlimm.

Dann war sie der Meinung, wir würden unseren Hund nicht richtig erziehen. Buba war damals noch öfter mal an der Schleppleine... aus dem einfachen Grund weil sie einen sehr starken Jagdtrieb hat und man prima aus unserem Garten entwischen konnte, wenn man einem Eichhörnchen hinterher rennt. Das war für Pah nicht einzusehen. "Ihr dürft den Hund nicht die ganze Zeit anleinen", "der Hund braucht Freiheit", "wenn er euch liebt, wird er auch zu euch zurückkommen" und ähnliches mehr waren die Weisheiten, die man nicht unbedingt braucht, wenn man erfahrener Hundebesitzer ist und einen nicht ganz einfachen Straßenhund adoptiert hat. Aber da wir sehr genau wussten, dass Buba eine sehr glückliche Hündin ist und dass sie uns sehr liebt und dass wir genau das Richtige für sie tun, hörten wir uns die Ratschläge lächelnd an und bedankten uns artig dafür.

Gestatten? Unser vollkommen falsch erzogener Jagdhund-Mix.

Etwas schwierig war auch die Tatsache, dass es bei sich dem Yoga, welches Pah zu praktizieren und unterrichten pflegte, um eine anscheinend extra-esoterische Abart davon handelte, bei der es von essentieller Bedeutung zu sein schien, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, arrythmische Klopfgeräusche zu erzeugen und laut irgendwelche Mantren zu skandieren.

Ein Nebeneffekt all dessen war, dass aus der Mansarde in diesen Zeiten oftmals ein lautes "Pah... pah... pah... pah... pah... pah... pah... pah... Pah... Pah... Pah... PAH... PAH... PAH... PAH!!! PAH!!! PAH!!! PAH!!! PAH!!! PAH!!! PAH!!! PAH!!!! PAH!!!! PAH!!!! PAH!!!!!! PAH!!!!!!" zu vernehmen war, begleitet von lauten Schlägen mit der flachen Hand auf Holz und abgerundet und veredelt mit einem sehr seltsamen, durchdringenden, künstlichen und gequälten Lachen, das sich klanglich irgendwo zwischen Horrorfilm und Porno-Nachvertonung bewegte. "Ahahahahaha... uahahahahaha... haaah.... haaaah... aaahahahaha... ahahahaahaha... aaaaaaaaah.... aaah... hahahahahahaha... aahahahaaha aaaah..."

Tatsächlich weiß ich auch nicht, ob das alles noch etwas mit Yoga zu tun hatte, oder ob es sich um irgend etwas anderes handelte, was ich mir gar nicht näher vorstellen möchte.

Wie dem auch sei: Alles nicht so schlimm.

Wir sind sehr tolerante Menschen, und wir haben auch ein paar Macken. Und so lernten wir, damit zu leben. Und wir nannten sie auch erst Pah, nachdem sie wieder aus unserem Leben verschwunden war.

Es war auch nicht schlimm, dass Pah für ihre Yoga-Kurse darum bat, auf unserem Drucker ein paar Sachen ausdrucken zu dürfen.

Selbstverständlich ließen wir sie das gerne tun, weil wir nette Menschen sind. Irgendwann, nach etlichen zig hundert Seiten Pah-Pah-Pah-Anleitungen, streckte unser Drucker alle Viere von sich und war zu nichts mehr zu gebrauchen, und da war es auch nicht schlimm für uns, dass sie auf diese Neuigkeit mit "Ach, das ist jetzt blöd. Wann kauft ihr denn einen neuen?" reagierte. Sie hatte das sicher irgendwie nett gemeint.

Nein. Richtig schlimm wurde es, als im September Candor bei uns einzog.

Gefährliche Kampfhunde müssen hinter gefährliche-Kampfhunde-Abwehbretter.
Weiß man ja.

Nun ist es durchaus so, dass Candor nach einem halben Jahr in unserer Obhut (und lange, nachdem Pah wieder ausgezogen war) damit begann, ein paar ungewollte Verhaltensweisen an den Tag zu legen – die wir mit fachmännischer Hilfe allerdings schnell wieder in den Griff bekamen.

In dieser Anfangszeit jedoch war Candor der sanfteste und netteste Hund, den man sich vorstellen konnte. Er war zu diesem Zeitpunkt von Tierheim zu Tierheim gereicht worden, hatte eine 700km lange Reise von Bulgarien nach Deutschland hinter sich und wollte einfach nur gefallen und geliebt werden. Er wollte jeden Menschen, dem er begegnete, davon überzeugen, dass er bei ihm eine Heimat und seine Zuneigung verdient hätte.

Doch Pah war von Anfang an felsenfest überzeugt davon, dass es sich bei Candor um einen überaus gefährlichen und aggressiven Kampfhund handelt, der eingesperrt werden muss.

Nun kann ich verstehen, wenn jemand Angst vor Hunden hat. Ich habe selbst Angst vor der einen oder anderen Sache. Und ich bin dann auch garantiert der erste, der sich bemüht, eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden... und normalerweise klappt das auch.

Womit ich aber überhaupt nicht umgehen kann: Wenn jemand mit erhobenem Zeigefinger auf mich zustürmt, mir sagt ich "müsse" meine Hunde "wegsperren", und "sollte irgendwas passieren, dann zeig' ich Dich an, das schwör' ich Dir!" (Originalzitat).

Unglücklicherweise tat Pah in der Folgezeit alles menschenmögliche, um die Situation noch weiter eskalieren zu lassen. Fortan schlich sie ums Haus, lugte vorsichtig um die Ecke, und warf beim Anblick unserer (friedlich auf der Terrasse ruhenden) Hunde auch schon mal die Hände in die Luft, rief laut "HUCH!" und rannte davon... was Candor übrigens nicht die Bohne interessierte, Buba mit ihren Jagdhund-Instinkten aber komplett durchdrehen ließ.

Es hätte Lösungen für diese Probleme gegeben, sogar einige. Pah hätte unter unserer Aufsicht Candor vorsichtig kennen lernen können. Wir hätten sie zur Hundeschule mitnehmen können. Sie hätte an praktischen Beispielen erlernen können, dass Buba niemandem nachstellen möchte, der nicht plötzlich und unvermittelt wie ein aufgescheuchtes Reh davonrennt. Oder sie hätte zunächst mal einfach einen (durchaus vorhandenen) anderen Weg zum Hauseingang gehen können, der nicht direkt an unserer Terrasse vorbei führt.

Aber normale Kommunikation war nicht mehr möglich, und als ich es wagte, unser Kommunikationsproblem einmal anzusprechen, wurde mir – in tatsächlich aggressivem Tonfall – erklärt, dass ich der einzige wäre, der hier irgend ein Problem hätte und dass ich daran gefälligst mal arbeiten solle.

Gestatten? Unser vollkommen aggressiver Kampfhund.

Und da der Klügere immer so lange nachgibt bis er der Dumme ist, kam es dann im September 2017 so, wie es kommen musste: Unsere Hunde wurden des lieben Friedens willen hinter einem Bretterverschlag auf unserer Terrasse eingepfercht, ich lieferte mir noch ein paar vollkommen absurde Diskussionen mit Pah (während Candor auf meiner Seite vom Bretterverschlag ganz ruhig da lag und schnarchte), und Frau K. und ich überlegten uns zum allerersten Mal in unseren mittlerweile 8 Jahren im Siebengebirge, warum wir uns diese Scheiße auch nur einen Tag länger antun sollten... und ob es nicht an der Zeit wäre, uns ein eigenes Haus mit Garten zu kaufen, wo wir tun und lassen könnten was wir wollten, und wo Gestalten wie Pah keinen Zutritt hatten.

Etwas später, es war ein goldener und warmer Tag im Oktober, saßen wir wieder mit unseren gefährlichen Hunden auf der Terrasse und aus der Mansarde über uns schallte es wieder "Pah... pah... pah... PAH... PAH!! PAH!!! PAH!!! PAH!!!" und es wurde auf Holz geschlagen und horrorpornogelacht, und das alles ging mir so richtig enorm auf den Piss, als Frau K. sagte: "Komm, wir gehen an unseren geheimen Platz".

Glücklicherweise damals mit der Kamera festgehalten:
Einer der schönsten Tage im Jahre 2017.

Und genau das taten wir. Wir schnappten uns die Hunde, einen Rucksack mit ein paar Flaschen Bier, verließen unseren Bretterverschlag und verbrachten an eben jenem geheimem Platz unterhalb des Drachenfels einen unserer allerschönsten Tage des Jahres 2017 im Siebengebirge.

Ich kann mir gar nicht erklären, warum es so schön war. Weil wir unsere Ruhe hatten? Weil Pah nicht da war? Weil dies unser Platz war, den uns niemand wegnehmen konnte? Keine Ahnung. Aber seitdem ist dieses Plätzchen unauslöschlich mit der Flucht vor Pah verbunden... und mit der Erinnerung daran, dass wir viel zu oft Dinge mit uns machen lassen, die einfach nicht richtig sind.

Herbst 2017

Pah zog wenige Wochen später aus (nicht wegen uns oder unseren Hunden, sondern aus anderen Gründen), und das Leben auf dem Berg normalisierte sich wieder.

Doch das bis dahin schöne und sichere Gefühl, dass wir hier wirklich zuhause waren, hatte eine gehörige Delle abbekommen... und wir sollten nur allzu bald erneut daran erinnert werden, wie unangenehm es ist, wenn Menschen in der direkten Umgebung keinerlei Empathie zeigen und sich für etwas Wichtigeres halten.

Doch diese Geschichte wird irgendwann anders erzählt werden.

Viele Dinge wachsen wieder nach, manche aber nicht.

6+

Thanksgiver

Oha, ein weiteres kleines, aber feines Review zu Thanksgiver ist in den Weiten des Interwebs aufgetaucht...

https://www.ox-fanzine.de/web/rev/115423/reviews.207.html

Das ist doch der ideale Zeitpunkt, sich das Album noch mal (oder gar: erstmals) in Ruhe anzuhören, findet ihr nicht auch? 🙂

Und wo wir schon dabei sind: Bei Yannick kann man inzwischen nachlesen, wie das Design von Platte und Webseite zustande gekommen ist...

11+

Zwiebelherz

Apropos Herzchen:

Gleich mehrere Jahre Wartezeit haben seit gestern ein Ende: Steffi hat endlich ihr langersehntes, erstes Soloalbum veröffentlicht – und zwar ganz stilecht, am Valentinstag.

Dabei herausgekommen sind zehn bewegende deutsche Songs über Herzensangelegenheiten verschiedenster Couleur. Das Ganze ist richtig gut geworden – "Zwiebelherz" bewegt sich, professionell produziert und handwerklich solide eingespielt, auf den Koordinaten Deutschpop und Singer/Songwriter mit einer Prise Schlager... und zwei alte Bekannte aus dem letzten Botany-Bay-Album werdet ihr dort auch wieder treffen (nein, mich nicht, meine Wenigkeit wurde nicht gefragt ;-)).

Fans von Steffis Stimme sei das Werk hiermit wärmstens ans Herz gelegt.

"Zwiebelherz" gibt es zum Streaming und/oder Kauf bei allen üblichen Künstler-Abzockern, pardon, Streaming/Musik-Portalen, und ich glaube, eine physische CD mit schönem Artwork wird es dereinst auch geben, weiß aber nichts genaues.

Ich denke, ich werde hier keine ausgewachsene Rezension darüber schreiben. Wenn man so lange und intensiv zusammen Musik gemacht hat wie Steffi und ich, dann möchte man dem anderen sehr gerne Luft zum Atmen geben; ich wünsche Steffi von Herzen alles erdenklich Gute für "Zwiebelherz", und ich wünsche ihr auf ihrem weiteren Weg all den Erfolg und all das Feedback und all die Aufmerksamkeit, welche sie schon seit vielen, vielen Jahren mehr als redlich verdient hat.


4+

Die Weisheiten des Mr. Big

Mir ist gerade auf dem morgendlichen Hundespaziergang die Idee gekommen, dass ich ja mal aufschreiben könnte, wie wir vor 10 Jahren kurz davor waren, einen Plattenvertrag bei Sony Music zu unterschreiben, nachdem wir einen großen Kölner Musikproduzenten und DJ kennengelernt und unser erstes Groupie gewonnen hatten.

Würde aber was länger werden. Deshalb möchte ich vorher gerne mal sehen, ob überhaupt Interesse besteht.

Daher: Herzchen == Interesse; > 10 Herzchen == Stephan schreibt.

17+