Liebe Künstler…

…und LGBTQ-Leute, und Fotografen, und Querdenker, und Manga-Liebhaber, und Musiker, und solche, die das alles zusammen und noch mehr sind… (im folgenden der Einfachheit halber und keineswegs generalisierend abgekürzt als ‚liebe Künstler‘)

Es ist also mal wieder passiert.

Das, was im Netz schon so oft passiert ist:

Der ehemals hippe (und unter Künstlern, LGBTQ-Leuten, etc. sehr beliebte) Micro-Blogging-Dienst Tumblr verbietet „adult content“.

Nicht nur für unter-18-jährige, sondern für alle. Und er bittet, wie schon viele Plattformen vor ihm, um eifriges Petzen und Blockwart-Spielen und markiert währenddessen schon mal fürsorglich alles was seinen mies programmierten ML-Routinen oder seinen nicht weniger mies programmierten Mitarbeitern nicht passt als nicht passend. Farbige Menschen zum Beispiel. Oder Wüstenlandschaften. Oder einen Blumenstrauss.

So weit, so nicht neu.

Auch nicht neu ist euer „Aufschrei“, liebe Künstler. Dass ihr euch hintergangen, bevormundet und „zensiert“ fühlt. Schockiert tauscht ihr euch darüber aus, was man jetzt machen könnte, schreibt Petitionen und ähnlichen Scheiß mehr… und macht euch auf die Suche nach Alternativ-Plattformen.

Es ist keine neue Weisheit, die ich hier loswerden möchte, und sie wurde schon an sehr vielen Stellen nett und sachlich formuliert… aber anscheinend muss mal jemand hingehen und es nicht nett und vollkommen unsachlich formulieren, damit ihr es kapiert.

Also gut, hier kommt es:

Jetzt wacht halt endlich mal auf, verdammte Scheiße!

Tumblr gehört Oath, und das erklärte Ziel von Oath ist es, die Welt mit Werbung zu verpesten bis niemand mehr atmen kann.

Sorry, dass ihr es von mir erfahren müsst, aber: Eure Bilder, Texte und Zeichnungen könnten denen nur mit unmenschlich krass viel Mühe noch mehr scheißegal sein.

Achtung! Vorsicht! Genitalien! Dieses Bild löst Kriege aus und sorgt dafür, dass rechtsextreme Parteien in den Bundestag kommen. Ferner ist es dafür verantwortlich, dass 1% der Menschheit mehr besitzt als die restlichen 99% zusammen. Oh, und auch dass irgendwelche Arschlöcher ihre Rechnungen nicht zahlen und damit ehrliche Menschen an Weihnachten in den Ruin treiben, das ist ganz selbstverständlich die Schuld dieses Bildes.

Tumblr, Instagram, Facebook, Twitter, Google und all der andere Dreck, die gehören euch alle nicht. Es sind keine netten Wohltätigkeitsveranstaltungen, sondern milliardenschwere Firmen, in denen irgendwelche Krawattis monatlich euer Jahresgehalt in den Arsch geschoben kriegen, damit sie neue Wege finden, wie man noch mehr Geld aus euren Daten machen kann.

Es sind keine Staaten und schon gar keine Demokratien, also zensieren sie euch auch nicht. Sie machen einfach das, was sie für richtig halten und gerade noch so dürfen (und in manchen Fällen auch das, was sie nicht dürfen, wie zum Beispiel einem durchgeknallten Faschisten mit totem Hamster auf dem Kopf zum Wahlsieg verhelfen, aber ich schweife ab).

Und sie sind auch nicht das Internet.

Und sie sind auch nicht das World Wide Web.

Sie sind nur zufällig im World Wide Web, weil meine Generation leider nicht bedacht hat, dass genau so was passieren würde, wenn man so ein Netz baut.

Aber hier ist die frohe Kunde zu Weihnachten: Ihr könnt genau so im World Wide Web sein. Mit eurer eigenen Seite, eurem eigenen Blog, nach euren eigenen Regeln.

(ja, ich gebe zu, es ist etwas schwieriger geworden, mit all den Internetausdruckern und alten Männern mit Kugelschreibern, die das Netz irgendwie per Gesetz für die Zwecke ihrer Parteispender formen wollen, aber es ist immer noch machbar)

Also hört doch bitte endlich auf damit, beleidigt nach dem nächsten Millionär zu suchen, der euch dann wieder scheiße behandelt, weil ihm seine Millionen noch nicht reichen… sondern holt euch das Internet zurück. Macht ein Blog auf. Was eigenes. Und holt die Feedreader wieder raus.

Ich tu euch auch auf meine Blogroll, versprochen.

12+

Das Jahr des Pferdes

Am Samstag gab es endlich ein Wiedersehen mit Cosi.

Ich hatte ja befürchtet, er würde mich nach beinahe zweimonatiger Pause vielleicht nicht mehr erkennen, aber ich hätte keine Angst haben müssen, ich bekam gleich die Hände abgeschleckt und ein wunderschönes Klimpern mit den Wimpern, und Nase-Nase.

Leider gab es dieses Jahr so einige kleine menschliche Enttäuschungen in unserem Umfeld. Aber dafür gab es auch so wunderbare Wesen wie Cosi – der dafür sorgt, dass 2018 in unsere persönliche Geschichte eher als „Jahr des Pferdes“ eingehen wird, und nicht als Jahr der menschlichen Enttäuschungen. Das ist schonmal unglaublich viel wert.

Dafür vielen Dank an Cosi!

Und ein mindestens ebenso großer Dank gebührt natürlich L., seiner ganz enorm großartigen Besitzerin, die sich vollkommen unerschrocken dazu bereit erklärt hat, mir das Reiten beizubringen… 😉

(Beitragsbild oben von Frau K.)

7+

Nur mal so zwischendurch

Aus unser beliebten Serie „Stephan gegen den Kapitalismus“, heute:

Warum Wertpapiere und
Wertpapiergeschäfte
verboten gehören

Ganz einfach und schnell erklärt mittels einer Überschrift in einem ehemals großen Nachrichtenmagazin:

2+

Das Mädchen am Telefon (9/10)

<- zu Teil 8

IX.

Auf der Heimfahrt machte ich mich erstmals ganz realistisch mit dem Gedanken vertraut, keine Beziehung mehr mit Helena zu haben, und der Gedanke fühlte sich – vollkommen überraschend für mich – lange nicht so schlimm an, wie ich befürchtet hatte. All die letzten Monate über hatte ich gedacht, ein Scheitern der Beziehung wäre das Allerschlimmste, was mir passieren konnte, und mein Leben würde damit seinen Sinn verlieren und ähnliches mehr.

Tatsächlich aber war die Aussicht, dem Psycho-Horror endgültig zu entschwinden, befreiend und verheißungsvoll… und zum ersten Mal seit vielen Wochen schlief ich ruhig und tief.

Am nächsten Tag, es war ein Freitag, saß ich schließlich irgendwann an meinem Schreibtisch… ich dachte, meine Gedanken zu Papier zu bringen würde mir eventuell helfen, das Geschehene zu verarbeiten und besser zu verstehen. Ich kritzelte ein paar Stichworte auf einen Zettel, schmiss den Zettel weg, fing von vorne an, ein paar mal… bis schließlich das Telefon läutete. „Das Mädchen am Telefon (9/10)“ weiterlesen

5+

Das Mädchen am Telefon (8/10)

<- Zu Teil 7

VIII.

Viele weitere Wochen waren ins Land gezogen.

Wochen, in denen Helenas Besessenheit mit Martina und Nicole noch viel stärker gworden war… sehr viel stärker als vor unserer Reise nach Bayern.

Dabei war es nach dem alten Muster weitergegangen, nur noch tausendmal intensiver: Sobald Helena den Versuch unternahm, wieder etwas Freiraum für ihr eigenes Leben zu gewinnen, so ereignete sich an einem der nächsten Tage bei Martina und/oder Nicole die nächste große Katastrophen-Geschichte – wobei diese Geschichten wilder und wilder wurden, bis zu einem Punkt, an dem ihrem einer Mischung aus Daily Soap, „Tatort“ und Nachmittags-Talk entsprungen zu scheinenden Inhalt kein einigermaßen vernünftiger Mensch Glauben schenken konnte.

Außer Helena.

Eine dieser Geschichten war diese:  „Das Mädchen am Telefon (8/10)“ weiterlesen

4+

Das Mädchen am Telefon (Teil 7/10)

<- zu Teil 6

VII.

„Ach Du Schande!“ entfuhr es meiner Therapeutin, und sie bedeckte vor Schreck ihr Gesicht mit den Händen.

Derlei emotionale Ausbrüche waren zumindest von Therapeutenseite in unseren Sitzungen eher ungewöhnlich.

Es waren seit Bayern mehrere Wochen vergangen, und meine Therapie hatte wegen Urlaub ebenfalls mehrere Wochen pausiert.

Die erste Sitzung nach dem Urlaub meiner Therapeutin verbrachte ich damit, sie auf den neuesten Stand zu bringen, ihr zu berichten, was inzwischen so geschehen war.

Und geschehen war dieses: Martina hatte sich wieder bei Helena gemeldet. Nicht einmal, sondern sehr oft. Nach und nach war Martina – mit Helenas fernmündlicher Beratung und Unterstützung – dahinter gekommen, dass bei Nicole und ihrer Mutter so einiges nicht stimmte, und irgendwann kam die Offenbarung von Nicole: „Das Mädchen am Telefon (Teil 7/10)“ weiterlesen

4+

Der Herzchen-Report

Ich muss zugeben, das mit den Herzchen war ne ziemlich gute Idee.

Ich meine, ja, klar, ich schreib das hier im Prinzip größtenteils für mich und der Künstler muss sich selbst genug sein und das alles, aber es ist trotzdem sehr schön zu wissen, dass es von ein paar Menschen gelesen wird.

Was ich dabei bisher über mein Publikum gelernt habe:

  • Es sind anscheinend um die 10 Menschen (oder aber: es gibt noch eine geheimnisvolle Dunkelziffer, die das Klicken auf Herzen aus religiösen, weltanschaulichen und/oder politischen Gründen ablehnt)
  • Diese 10 Menschen finden es offensichtlich alle töfte, wenn ich süße Hundebilder poste. Und Landschaft und Natur gehen auch… dann springen zwei ab, aber immerhin.
  • Glorreiche 4-5 lesen noch mit, wenn ich schwierige Psychogeschichten aus meiner Vergangenheit erzähle. Oder vielleicht lesen auch alle 10 mit, aber es können nur 4-5 wirklich ‚gut‘ finden, was mir damals widerfahren ist. Ich verstehe euch, ich finde es auch nicht gut, und meine Hunde gefallen mir auch wesentlich besser. Ich schreib‘ aber trotzdem weiter, weil ich das einfach erzählen muss, sorry.

Man weiss im Internet ja nie, ob jemand was ironisch meint. Oder ob hier in Wirklichkeit der Candor K. schreibt. Deshalb hier noch mal ganz ausdrücklich: Ich bin’s, Stephan, und ich find das wirklich gut mit meinen 10 Lesern.

Mehr Resonanz hatte ich auf Twitter auch nicht… und dieses Blog hier hat den ganz enormen Vorteil, dass es mir gehört, und dass weder Donald Trump noch Frank Thelen noch irgendwelche Bitcoin-Schnullis, Lifestyle-Absahner, Content-Marketing-Nasen oder Nazis Zutritt dazu haben.

In diesem Sinne: Schön, dass ihr hier seid.


p.s.: Hey, Frank, hast Du gemerkt? Du hast es geschafft, Du bist jetzt endlich wirklich berühmt. Nicht nur, dass ich Dich nach all den Jahren endlich in meinem Blog erwähne; nein, Du wurdest auch noch mit Donald Trump in einem Satz genannt. Du kannst nun also getrost aufhören, im Fernsehen stattzufinden und unbescholtene Menschen in Büchereien mit Papp-Aufstellern zu erschrecken. Vielen, vielen, vielen tausend Dank!!!

p.p.s.: Wuff!

12+

Das Mädchen am Telefon (Teil 6/10)

<- Zu Teil 5

VI.

„Es war so echt, Du kannst Dir nicht vorstellen, wie echt es war“, sagte Helena unvermittelt, löste ihren Blick von den Reflektionen im Wasser unter uns und schaute umher, als ob es irgendetwas gäbe, woran sie sich hätte festhalten können, irgend einen Schalter, den sie hätte umlegen können, ein Seil, an dem sie hätte ziehen können, damit die ganze Geschichte wieder einen Sinn ergab. „Das Mädchen am Telefon (Teil 6/10)“ weiterlesen

5+

Aus der Kategorie „zwischendurch was Schönes“: Man sollte die Aussicht fotografieren, solange sie noch da ist… 😉

 

5+