Ach

Ich glaube es wird mir schon fehlen, wenn ich mal nicht mehr hier wohne.

3+

Holz und Software

Unsere neue Terrasse wächst und gedeiht. Nachdem gestern all das nicht mehr zu rettende Altholz zerstückelt und in Container geladen wurde, standen heute morgen schon die ersten neuen Balken.

Und als ich den Zimmerleuten vorhin Kaffee brachte und mit ihnen ein bißchen über ihre Arbeit plauderte, tat es mir einmal mehr leid, dass ich keinen "richtigen" handwerklichen Beruf erlernt habe.

Ich schreibe "richtig" in Anführungszeichen, weil gute und fundierte Softwareentwicklung ebenfalls eine handwerkliche Tätigkeit ist (auch wenn diese Einsicht leider noch lange nicht bei allen Menschen angekommen ist...), und tatsächlich bin ich im Großen und Ganzen auch sehr zufrieden damit, dass ich mir durch das Entwickeln von Software die Ausübung meiner Berufung leisten kann.

(Noch schöner wäre natürlich, wenn ich von der Ausübung meiner Berufung leben könnte... aber das wird wohl nichts mehr.)

Dennoch – manchmal wünschte ich mir, etwas gelernt zu haben, womit ein direktes, offline stattfindendes und unmittelbar physisch erfassbares Ergebnis erzielt wird... mit dem ich auch noch etwas anfangen könnte, wenn es um das nackte Überleben ginge und alle Interwebs dieser Welt abgeschaltet wären.

Ganz davon abgesehen muss man sich als Softwareentwickler hin und wieder mit Ansichten und Hindernissen herumschlagen, die in einem anderen handwerklichen Beruf nur schwer denkbar wären, zum Beispiel:

  • Es ist nicht üblich, einen Zimmerer erst mal wochenlang in Vorleistung gehen zu lassen und ihm währenddessen immer wieder die Erteilung des Auftrags in Aussicht zu stellen... nur um ihm dann irgendwann zu sagen: "Hey, danke für das Gerüst und die Skizzen für die Pläne und das ganze Hin- und Herfahren, wir lassen den Rest jetzt von so einer Klitsche in Sibirien machen. Die verlangen weniger als ein Viertel Deiner Angebotssumme. Tschüss dann, Du brauchst Dich nicht mehr melden"
  • Kein Kunde würde auf die Idee kommen, einem Zimmerer vorzuschreiben, mit welchem Werkzeug er zu arbeiten hat...
  • ...oder wie er mit diesem Werkzeug zu arbeiten hat.
  • Niemand würde sagen: "Was? Der Dachstuhl kostet mich 25000 Euro? Aber ich war neulich im Obi, ich hab da Bretter gesehen, die kosten gerade mal einen Euro, wie kann das denn sein?!"
  • Keinem Zimmermeister gegenüber würde jemals der folgende (oder ein ähnlicher) Satz fallen: "Hey, hör mal, irgendwelche komischen Freaks haben ein neues Werkzeug erfunden, das musst Du jetzt unbedingt auch verwenden. Es funktioniert weder besser noch einfacher als Dein altes Werkzeug, es löst keinerlei Probleme, und alle, die damit arbeiten (müssen) finden es kompliziert und/oder blödsinnig. Niemand bekommt seine Aufträge damit rechtzeitig fertig, und eigentlich hat auch nie jemand nach einem solchen Werkzeug gefragt... aber trotzdem: Lass uns damit arbeiten, weil, das machen jetzt alle, aus irgendwelchen Gründen™"
  • Wenn ein Zimmermeister und seine Gesellen irrsinnig viele Überstunden schieben müssen, weil dem Kunden plötzlich einfällt, dass ausser dem Dachstuhl noch drei Balkone, zwei Terrassen und eine hölzerne Wendeltreppe in einer Zeit fertig werden müssen, in der andere Betriebe nicht mal einen Tisch gebaut kriegen, dann wird ihm – nachdem er schließlich das Unmögliche möglich gemacht hat – nach erfolgter Abnahme üblicherweise nicht gesagt: "Tja, danke für alles, großartige Arbeit, wir geben auch schon vor all unseren Freunden mächtig damit an... aber, hihi, bezahlen tun wir Dich nicht. Hähä, im ursprünglichen Angebot stand ja nur ein Dachstuhl. Selbst schuld, wenn Du in der gleichen Zeit viel mehr machst. Was sagst Du? Wir wollten das unbedingt so haben und hatten die ganze Zeit den Daumen drauf? Ja klar! Merkst Du was? Richtig – schön blöd, einfach so für uns zu arbeiten. Was? Es ist Weihnachten und Du hast mit dem Geld gerechnet? Uns doch egal, und jetzt verpiss' Dich!"

Wirklich.

Alles schon erlebt in den letzten 15 Jahren.

Wer weiß, wenn es ein nächstes Leben gibt... vielleicht schaue ich mir dann Holz einmal näher an...

5+

The day after

Heute sieht's ein bisschen anders aus als gestern noch.

Und hier sieht man auch sehr schön im Detail, warum man da nicht mehr unbedingt in gepflegter Gesellschaft sein warmes/kühles Getränk zu sich nehmen und in den Sonnenuntergang schauen wollte...:

Kennen Sie diesen wunderbaren Geruch von modrigem Holz?
...er ist überall 😉

6+

Greta Thunberg

Kann sich jemand an Emma González erinnern?

An diese unbeschreiblich bewundernswerte und mutige junge Frau?

An ihre bewegende Rede bei den Anti-Waffen-Protesten in Washington?

Ich glaube, viele von uns dachten und/oder hofften damals (es ist übrigens nicht mal ein Jahr her) inständig, es sei endlich so weit, dass die Vernunft eine Stimme gefunden hatte, die in die Welt getragen wird.

Dass sich etwas ändert.

Ich weiß noch genau, wie ich ihr Gesicht sah... und die Gesichter all ihrer Freunde und Unterstützer, die hofften, sie würden etwas bewegen, sie würden eine bessere Welt schaffen.

Ich weiß noch genau, wie traurig mich das machte und wie ich nicht mehr hinschauen konnte, weil ich ganz genau wusste, wie es sich für diese jungen Menschn anfühlen würde, wenn sich ihre Träume in Luft auflösen. Wenn ihr Land und ihr Präsident und ihre Waffenlobby einfach so weiter machen wie immer.

Und genau so ist es jetzt mit Greta Thunberg.

Insbesondere Menschen in meinem Alter schöpfen neue Hoffnung... denken, es würde sich endlich was tun, Menschen würden umdenken. Setzen ihre Hoffnung in die Jugend.

Und ich sehe dieses junge Gesicht, und die Gesichter ihrer Unterstützer... und fühle wieder das selbe wie damals, als Emma González sechs Minuten lang still an diesem Podest in Washington verharrte... so lange, wie der Amoklauf an ihrer Schule gedauert hatte.

Es wird nichts passieren.

Ausser: das Gleiche wie immer. Ein paar tausend oder zigtausend Leute werden irgendwelche Online-Partitionen unterschreiben und denken, sie hätten damit etwas "getan"; es werden Wellen an Emotionen und Solidaritätsbekundungen durch diese traurige Scheinwelt von Twitter & Co. gehen, und dann wird das alles wieder abebben und dann werden wieder andere Dinge vermeintlich wichtig sein. Vielleicht eine neue Castingshow oder ein neuer Terroranschlag oder irgendeine neue Ausscheidung von Trump oder sonstigen Kotzmenschen.

Vorher allerdings werden Hasser und sonstige Kotzmenschen nochmal ordentlich hassen und sonstige Kotzmenschendinge tun (für Beispiele muss man nur auf Twitter nach Greta Thunberg suchen; ich verlinke diese Plattform hier nicht mehr). Und diejenigen Menschen, die schon in der Schule immer gern weggeschaut haben (oder nochmal reingetreten haben wenn jemand am Boden lag, oder ganz allgemein durch das Fehlen jeglicher Empathie aufgefallen waren), werden sich wichtig und fachmännisch vor die Fernsehkameras stellen und besorgt fordern, dass die Kinder lieber was lernen sollen statt zu demonstrieren; und ein Großteil unserer Bevölkerung wird genau diese von unseren Steuergeldern bezahlten Menschen wieder in die nächste Regierung wählen, weil weder Greta Thunberg noch diese Worte noch sonstwas sie jemals zum Nachdenken bewegen wird.

Wirklich ändern werden diese Kinder nur dieses: Sie werden dafür sorgen, dass sich ein paar von uns noch mehr schämen, bevor wir schließlich alle untergehen.

Wie immer weit ihrer Zeit voraus und kriminell unterbewertet – Chumbawamba


5+

Terrassentschüssn

Zu hauptsächlich dokumentarischen Zwecken... ein letzter Blick auf unsere baufällige Terrasse, bevor sie morgen abgebaut und die nächsten Wochen durch etwas Neues ersetzt wird. Das dürfte eine interessante Zeit für das Rudel werden...

"Was? Mein Ausguck kommt weg? Wie soll ich dann meiner Aufgabe nachkommen, Besucher, Eichhörnchen und Rehe zu erschrecken?"

Keine Angst, Buba. Wir finden eine Lösung.

6+

Apropos Arzt...

Wenn ich's mir raussuchen kann, dann hätte ich gerne, dass ich fürderhin mit "Eure Durchlaucht Fürst von und zu K-Burg, der Ungehörte, Vater von Bienen, Erschaffer von Musik, Zähmer von Candor,  Wiedereinfänger von Buba" aufgerufen werde.

Ob das wohl möglich ist?



4+

Vintage Lens Love

Eine der schöneren Eigenarten der A7(RII) ist, dass man ohne große Probleme alte Linsen darauf adaptiert bekommt... auch solche, die ein bißchen außergewöhnlich sind.

Obwohl die Gesundheit mir immer noch zu schaffen macht (und ich mich deshalb derzeit wieder nicht über einen Kilometer von der K-Burg weg bewege), musste ich gestern wenigstens mal kurz ein altes Schneider Kreuznach Radionar 45mm/f2.8 ausprobieren... Buba hat sich netterweise als Modell zur Verfügung gestellt.

lens porn, anyone?

Die beiden Bilder von Buba sind unbearbeitet, quasi "ootb", und obwohl die Ergebnisse natürlich in Sachen Schärfe und Kontrast mit modernen Optiken nicht mithalten können, finde ich sie sehr ansprechend. Ich freue mich schon sehr darauf, mit dem alten Schätzchen etwas mehr anstellen zu können, wenn es mir dann endlich mal wieder dementsprechend geht.

Stattdessen gehe ich jetzt erst mal wieder zum Arzt... :-/

Buba und ihre liebe Kauwurzel...

7+

Leinenpflicht und Lärmwürste...

Also eins vorneweg, und es dürfte den meisten Lesern dieses Blogs inzwischen auch schon aufgefallen sein: Ich mag Hunde.

Nicht nur meine Hunde, auch fremde Hunde.

Ich mag ganz viele Hunde, und es gibt bis jetzt auch tatsächlich keine Hunde – vom Rehpinscher bis zum Bullmastiff – mit denen ich überhaupt nicht klar gekommen wäre.

Auch die zwei Boxer und der Rhodesian Ridgeback, die in letzter Zeit immer mal wieder ohne Leine und unvermittelt durchs Unterholz preschen und meinen (angeleinten) Schäferhund-Mix stellen und besteigen/dominieren und endlos unter Stress setzen, würde ich im Prinzip vermutlich auch mögen.

Das sind sicher sehr nette Tiere. Und auch die Besitzer, die dann meistens irgendwo am fernen Horizont erscheinen und sich erfolglos im Rückruf versuchen, sind sicher prinzipiell auch nette Menschen.

Aber es gibt nun mal aus guten Gründen (beispielsweise: Schutz des Wildes) eine Leinenpflicht im Siebengebirge, und ich befolge sie konsequent. Und die andere Seite befolgt sie konsequent nicht, seit Monaten, und das führt immer wieder zu ziemlich großem Missvergnügen auf Candors und meiner Seite.

Und irgendwie ist das auch – so kleinkariert und typisch deutsch es dem Leser auch eventuell erscheinen mag – eines der zentralen Probleme der Menschheit:

Es gibt immer wieder Menschen, die aus irgend einem Grund glauben, die Regeln gelten für alle anderen, nur für sie nicht; ob dies nun allgemeine Regeln des Anstands oder per Gesetz und Vorschrift festgelegte Regeln sind.

Eine sogenannte Lärmwurst; das angesagte Accessoire für den gepflegten asozialen Jugendlichen von heute. Foto: Trougnouf, CC-BY-SA

Irgendjemand raucht immer am Bahnsteig. Irgendjemand fährt immer 60 in der 30er-Zone. Irgendjemand lässt immer seine Hunde rennen. Irgendjemand hört immer an öffentlichen Plätzen auf seiner bis zum Anschlag aufgedrehten Lärmwurst irgendeine nervige Drecksmusik.

Irgendjemand ist immer der Ansicht, er sei wichtiger als jemand anders und dürfe sich deshalb irgendwas rausnehmen.

Und irgendjemand anders ist immer der dumme Arsch bei der Sache, und das bin ganz erstaunlich oft ich.

Weiß nicht.

Irgendwie hab ich das allmählich satt.

6+

Neue Kamera

Ich bin ziemlich vorhersagbar. Wenn mich irgendwas unglücklich macht oder irgendwas nicht so läuft wie ich es gerne hätte, dann kompensiere ich das meistens damit, dass ich mir neues fotografisches Equipment zulege.

Eine Sony A7 befand sich vor vier Jahren schon mal in meinem Besitz (außerdem besitze ich eine schöne Sammlung an ganz wunderbarem, altem Minolta-Glas, für das es einen praktischen Adapter gibt; insofern ergibt eine A7 sogar ziemlich viel Sinn für mich). Leider kam ich damals schnell zu der Erkenntnis, dass die Original-A7 als Kamera zwar gut gemeint, aber überhaupt nicht gut gemacht war... und so wechselte sie bald wieder den Besitzer.

A7RII + Minolta 135mm f2.8

Weil ich mir aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen in diversen namhaften Softwareschmieden ziemlich gut vorstellen konnte, was im Hause Sony schief gegangen war, schrieb ich damals eine kleine Abhandlung darüber, und gab Sony –freundlich wie ich bin – ein paar Tips, wie man die Karre wieder aus dem Dreck gezogen bekommt.

Tja... Sony hat das wohl alles gelesen und sich zu Herzen genommen, denn anderthalb Generationen weiter, bei der A7rII, wurden zumindest die allerschlimmsten Probleme endlich gelöst (bis auf den Joystick für die AF-Auswahl, aber ich will nicht kleinlich sein, und nein, ich will auch nicht 1000 Euro mehr für eine A7 III zahlen).

Da kann ich nur sagen: Bitte schön, Sony, gern geschehen. Trotzdem etwas doof, dass ich mir die A7rII jetzt kaufen musste... ihr hättet mir in Anerkennung meiner Dienste selbstverständlich auch gerne eine schenken dürfen.

Dann mal schauen, was sich in Zukunft hier an vollformatigen Bildern ergeben wird... meinen kleinen Olympus-Kameras bleibe ich natürlich trotzdem auch treu, mein Herz ist groß genug für zwei Kameras.

PS.: Apropos... hey Sony, da ihr hier ja mitliest... wie wäre es in Zukunft mal mit ein paar schönen, kleinen Linsen für das E-Bajonett? Ihr wisst schon, wie ich meine... mit nicht ganz so krass guter Lichtstärke, aber dafür kleiner und leichter und feiner, so ähnlich wie Summicron vs. Summilux? Das wäre bei Gelegenheit echt mal nett, ihr habt jetzt genug viel zu große Linsen im Angebot ...

PPS: Und, herrgottnochmal, Sony, gebt den armen A7II-Usern halt auch eine vernünftige Auto-ISO-Implementierung. So ziemlich jeder andere Kamerahersteller macht sowas per Firmware-Update, nur ihr kriegt das nicht auf die Kette.

A7RII + Minolta 50mm f1.4

7+

Candor K. + Herr K.

Ich mag mich ja normalerweise nicht so auf Bildern. Aber Frau K. hat heute morgen kurz nach dem Aufstehen ein Bild von uns gemacht, mit einem alten, voll manuellen Objektiv und einer Kamera, die sie vorher noch nie in der Hand hatte. Und ich mag es sehr. Hach, die Frau K., die kann es eben... <3

10+

Alles doof

Ausser natürlich Candor (oben im Bild), Frau K. und Buba K. (nicht im Bild) und einige andere ausgewählte Liebmenschen und -tiere.

Aber ansonsten... nun ja, die Herr-K.-Gesundheit ist nicht so, wie sie sollte, seit einiger Zeit schon nicht.

Und nach etlichen Untersuchungen und Rücksprachen habe ich jetzt auch die Gewissheit, dass ich mich demnächst – und zwar besser früher als später – von meiner Schilddrüse verabschieden darf. Nichts Schlimmes, vollkommen harmloser Routineeingriff, wurde mir gesagt.

Aber... nun ja, ich trag' das Ding jetzt seit 46 Jahren mit mir rum, da wird man schnell etwas grüblerisch und sentimental. Mit ein bißchen Glück kann ich aber danach wieder singen, das wäre immerhin mal was.

Ach, Firlefanz, Papperlapapp, ich zeige euch lieber noch ein paar Candor-Bilder. Candor macht nämlich glücklich.

7+

Wilko Johnson

Wilko Johnson ist der Ex-Gitarrist von Dr. Feelgood... eine Band, welche meine älteren Leser vielleicht kennen. Die Gruppe hatte in den 70er Jahren mehrere Hits und war sowohl richtungsweisend als auch wegbereitend für die Entstehung der Punkrock-Szene.

Johnson prägte den frühen Stil der Band mit seiner speziellen, trockenen und doch gleichzeitig nuancierten Gitarren-Spielweise, bei der er Fingerpicking und Strumming geschickt miteinander kombinierte. Er stieg 1977 bei Dr. Feelgood aus und war fortan sowohl solo als auch in etlichen anderen Bands (darunter Ian Dury and the Blockheads, ebenfalls für meine älteren Leser ;-)) unterwegs.

Und auch die jüngeren meiner Leser kennen ihn vielleicht – er gab in der ersten Staffel von Game Of Thrones sein Schauspieldebüt in der Rolle des Ser Illyn Payne.

Ende 2012 erfuhr Johnson, dass er an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war und noch ungefähr neun Monate zu leben hatte. Er entschied sich gegen Chemotherapie und gab kurze Zeit später im BBC Frühstücksfernsehen dieses, wie ich finde, sehr beeindruckende und berührende Interview:

Nun ist mir durchaus bewusst, dass das Internet voll von inspirierenden Stories ist, über Menschen, die sich mit ihrer Krankheit abfinden, dem Ende entgegensehen und das beste aus ihrem Leben machen und Carpe Diem und all die üblichen Gemeinplätze. Und noch schmerzlicher ist mir, durch meine eigene Familiengeschichte, bewusst, dass es nicht so laufen muss... dass Menschen unter Umständen monate- und jahrelang sterben, in Schmerzen und in Verzweiflung, und ohne dem Leben vorher jemals noch irgendetwas Gutes abgewonnen zu haben.

Trotzdem muss ich sagen, diese Interview mit Wilko Johnson ist etwas Besonderes.

Es ist wahrhaft inspirierend, ihn reden zu hören... wie er vollkommen natürlich und frei raus von seinem Teleskop erzählt, von seiner Abschiedstournee, und davon, wie ihm Katzen und Mülleimer auf der Straße etwas bedeuten.

Noch beeindruckender an der Sache ist, dass Johnson ein Jahr später immer noch am Leben war – und dass erst zu diesem Zeitpunkt entdeckt wurde, dass seine Art von Bauchspeicheldrüsenkrebs operabel ist. In einer elfstündigen Operation wurde ihm daraufhin ein 3kg-Tumor entfernt. In einem Interview – wieder im Frühstücksfernsehen des BBC, dieses Mal zwei Jahre später – redet er über seine Erfahrung:

Tja, was soll ich weiter sagen. Ich weiß, Klischee, aber trotzdem:

Carpe Diem!


P.S: Johnsons Abschiedsalbum, zusammen mit Roger Daltrey von The Who aufgenommen, ist übrigens sehr hörenswert. Es klingt irgendwie nicht wie das Album eines Mannes, der weiss, dass er noch ein paar Monate zu leben hat.

Es klingt wie das Album eines Mannes, der einfach nur Spaß daran hat, Musik zu machen.

6+