Inhale

Hier ist ein kleines Geheimnis: Ich habe mir all unsere Alben nur äußerst selten nochmal angehört, nachdem sie veröffentlicht waren. Auch früher schon nicht.

Schon allein deshalb ist es seltsam für mich, nach über 12 Jahren wieder über ein Lied zu stolpern, das ich so gut wie vergessen hatte. Aber speziell dieses Lied hier hat mich gestern ziemlich aus den Socken gehauen.

Zugegeben, selbst wenn ich noch Musik produzieren würde – ich würde so etwas in dieser Form sicherlich nicht mehr machen; es sind die leisen Töne, die viel wichtiger sind, und die Pausen dazwischen. Aber trotzdem hat mich das Wiederhören tiefer berührt als ich dachte… denn irgendwie war das mein Leben.

Wie anders das alles war.

Wie jung wir waren!

Und wie wir uns absolut sicher waren, wir könnten alles erreichen!

Konnten wir dann doch nicht, wie die schätzungsweise zwei bis vier Herzchen unter diesem Beitrag mal wieder schön demonstrieren werden.

Aber: es war eine wahnsinnige, wahnsinnige, wahnsinnige Zeit, und kurz sah es tatsächlich so aus wie in „Inhale“ besungen. Und gerade denke ich sehr gerne daran zurück und möchte sagen: Vielen Dank an alle, die uns damals begleitet haben.

(Ja, sogar an die, die heute nicht mehr wissen wer ich bin.)

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0424

Am Freitag hatte ich das Glück, bei der Geburt dieses wundervollen Wesens dabei zu sein. Das Bild hier ist keine 24 Stunden später entstanden. Es ist immer wieder beeindruckend, wie schnell sich Ponies und Pferde entwickeln.

Tausend Dank an Lars und die Minishettys vom Pfingsthof 🙂

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Softwareentwicklung im Wandel der Zeiten

1975

Tim hat Langeweile.

Deshalb setzt sich Tim hin und entwickelt einen FORTRAN-Interpreter in M6800-Maschinensprache. Weil er sich keinen Rechner mit M6800-Prozessor leisten kann, schreibt er den Code mit Bleistift und Radiergummi auf fünfzehn Seiten Karopapier und simuliert den Programmablauf, indem er den Code im Kopf durchgeht und den Zustand von Stack und Prozessorregister nebenbei notiert. 

Zwei Jahre später baut sich Tim seinen eigenen 6502-basierten Computer, schreibt seinen Code (wieder mit Papier und Bleistift) auf die neue Architektur um, gibt ihn in Hexcode in seinen Rechner ein. Er funktioniert sofort.

Heute erforscht Tim Wildpferde in Zentralasien. Computer gibt es in seinem Leben nicht mehr, seine Post empfängt er mit Brieftauben. Wenn man ihn fragt, dann sagt er, dass das Internet niemals hätte erfunden werden dürfen.

1988

Sven, Angela und Nils verbringen Tage damit, auf ihrem Amiga 500 einen Kopierschutz von dem Computerspiel zu entfernen, das sie sich zusammen gekauft haben. Als sie es schließlich geschafft haben, kennt ihr Stolz keine Grenzen. Sie schreiben ein Cracktro für das Spiel, in dem sie eine Laufschrift mit 4096 Farben über den Bildschirm laufen lassen, während darüber eine fraktale Landschaft mit immerhin 1fps überflogen wird. Den Quellcode dazu schreibt Angela in C. Später fällt ihr dann auf, wie sie die Laufzeit der Landschaftsgenerierung durch geschickte Optimierung und Verwendung von Lookup-Tables von quadratisch nach linear wandeln kann. Die Landschaft läuft jetzt mit 15fps, auf einem Amiga 500 mit 2MB Speicher.

Angela ist heute Geschäftsführerin einer Consulting-Agentur für nachhaltige IT. Die Geschäfte laufen schlecht bis sehr schlecht, aber der Weg ist das Ziel.

1998

Franz und Helge haben Wirtschaftsinformatik studiert und wissen jetzt ehrlich gesagt nicht, was sie damit anfangen sollen.

Sie holen also noch Tom mit ins Boot, weil der wenigstens programmieren kann, und sie fangen an, irgendwas mit PHP, sqllite und Web zu machen, weil das anscheinend irgendwie das nächste große Ding sein soll.

Obwohl niemand eine Ahnung davon hat was er tut, schafft es Tom schließlich nach mehreren Wochenend-Schichten und durchgemachten Nächten, eine per Web-Formular erweiterbare und abfragbare Datenbank mit Kochrezepten ins Netz zu stellen.

Franz und Helge werden in der Folge Multimillionäre. Franz verscherbelt die Firma nach 10 Jahren schließlich an einen großen Verlag und tut fortan im Unterschichtenfernsehen und in der Blöd-Zeitung so, als wäre das ganze Internet auf seinem Mist gewachsen.  

Von Tom redet schon lange niemand mehr. Hä, Tom, wer soll das sein?

2015

Philip entwickelt seit fünfzehn Jahren native Mac- und iOS-Apps in Objective-C und Swift. Für ein neues Projekt besteht das Management nun aber darauf, dass Philip mit einem Crossplatform-Framework arbeitet und in C# entwickelt, denn irgendein sehr teurer Consultant hat dem Management erzählt, dass man Apps heutzutage unbedingt so machen muss und dann ganz dolle viel Geld spart weil man die App ja dann gleich ohne zusätzlichen Aufwand für alle gängigen Plattformen hat (und Windows Phone wird ganz sicher voll der Hit!)

Philip braucht für die Entwicklung der App fünf mal so lange wie er für die native Entwicklung gebraucht hätte, und sie ist voll mit seltsamen Fehlern, weil das Framework nie das tut was es soll. Die App läuft nicht richtig, fühlt sich nicht richtig an und bekommt jede Menge negatives Feedback in den App Stores.

Philips Entwicklungsabteilung wird kurze Zeit später dicht gemacht, denn irgend ein sehr teurer Consultant hat dem Management erzählt, dass App-Entwicklung in Deutschland „qualitativ und preislich nicht mehr mit Anbietern aus dem ehemaligen Ostblock mithalten kann“… aus welchen Gründen auch immer.

2021

Zunächst tanzt Ben in der wöchentlichen Retro seinen Namen vor. Andi, der Scrum-Master, hat zur Feier des Tages seine Djembe mitgebracht und trommelt ein bisschen dazu. Es ist wichtig, den eigenen Rhythmus zu fühlen. Es gibt höflichen Applaus.

Dann möchte Simona gerne über Komfortzonen und Post-It-Farben diskutieren. Magdalena fühlt sich nicht ernst genommen weil André die Blocker gerne in dunkelorange (statt des von ihr präferierten mauve) markiert haben möchte und Kai irgendwann mal irgendwas blödes über sie gesagt hat oder vielleicht auch nicht. Ausgelöst durch die nunmehr grottenschlechte Stimmung im Team bekommt Tommy einen Heulkrampf und wird vom Agile-Coach notgetröstet. Später haben sich dann alle lieb und essen Kekse. 

Tommy wird zwei Monate später zum CTO befördert, weil die github-Statistik ganz eindeutig zeigt dass er am meisten Codeschnipsel aus stackoverflow in das Repository eingecheckt hat. Er ist nun der Kopf einer 20 Mann starken Truppe, die eine progressive Web App zum Anzeigen von Haushaltstips pflegt und weiterentwickelt.

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