Kurze Frage

Namen sind Schall und Rauch. Oder?

Dieses monatelange Hin-und-Her zwischen krank und nicht richtig gesund macht mich allmählich ein bißchen cranky. Deshalb weiß ich in letzter Zeit auch oft nicht, ob ich mich zurecht über irgendwas echauffiere, oder ob ich es nur deshalb mache, weil ich ganz allgemein mies drauf bin.

Daher, ganz ernst gemeinte Frage an meine geschätzten Leser:

Wenn mir ein Mensch, den ich seit 12 Jahren kenne, und mit dem ich lange Jahre eng befreundet war, etwas schreibt und mich darin mit Stefan statt Stephan anspricht... ist es dann ok, wenn ich leicht angekäst bin? Oder messe ich diesem Umstand zu viel Bedeutung zu?

(zur Erklärung für Menschen, die Schwierigkeiten haben, sich da reinzudenken: Stephan ist mein Name. Stefan ist es nicht. Wenn jemand "Stefan" schreibt und mich meint, dann ist das für mich genau das gleiche, wie wenn jemand "Katrin" schreibt und eigentlich "Katja" meint. Oder wenn "Thorben" plötzlich "Thomas" genannt wird).

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15 Antworten auf „Kurze Frage“

  1. Am Anfang bin ich immer nicht so kleinlich, wenn man sich meinen Namen nicht merkt oder ihn falsch schreibt. Ich habe auch ein mieses Namensgedächtnis. Aber nach 12 Jahren und einer engen Freundschaft, zumindest am Anfang, wäre ich auch etwas angekäst. Im Zweifel hätte er Dich auch einfach Herr K. nennen können.

  2. Ich kann gut verstehen, dass einen das sehr ärgern kann. Ich würde mich auch fragen „ist dem Menschen das vielleicht schnurz egal, ob er mich korrekt anspricht, weil ich für ihn unwichtig bin?“

    Auf der anderen Seite gibt es einige Faktoren, die man mit ein beziehen kann, wo mir als Außenstehender aber natürlich die Infos fehlen.

    Da ich glaube, verstanden zu haben, dass Du eine Selbstreflexion in dieser Richtung haben möchtest, lass mich mal Advocatus Diaboli spielen.

    – Habt ihr die letzte Zeit oft geschrieben, oder eher geredet?
    Ich habe oft Probleme, mir eine Schreibweise mit phonetisch gleichen/ähnlichen Varianten zu merken, wenn ich mit jemandem kaum schreibe aber viel rede. Mein Gehirn hat da keine ausreichende Festigung zwischen dem Gesprochenen und dem Geschriebenen

    – Hat derjenige Freunde/Kollegen mit dem phonetisch gleichen Namen aber falscher Schreibweise, mit denen er öfter in Schriftkontakt ist?
    Mein Gehirn festigt da meist die Verbindung zu der Schreibweise, die es am häufigsten benutzt und meine Finger haben ab einer gewissen Schwelle ein sehr anhängliches Muskelgedächtnis.

    – Hat derjenige (vielleicht leichte oder gut kontrollierte und daher selten sichtbare) Rechtschreibschwächen wie Legasthenie?
    Meine Freunde mit Legasthenie haben meist das Problem, Dinge zu schreiben, die anders geschrieben werden als sie gesprochen werden. Das Gehirn kann keine ausreichende Lernverbindung zwischen Laut und anders ausgesprochenen Buchstaben machen. Sie würden also selten/nie einen Stefan „Stephan“ nennen, aber extrem leicht umgekehrt.

    1. Sehr gute Gedanken. Vielen Dank dafür! Tatsächlich haben wir jetzt schon seit lange Zeit weder geschrieben noch geredet; wie im verlinkten Artikel beschrieben ist die Sache etwas „komplizierter“… ich glaube, Astrid ist da was auf der Spur, wenn sie das eigentliche Problem dort verortet. Kann aber tatsächlich sein, dass inzwischen ein paar Stefans mehr um ihn herumrennen…

  3. Auf der einen Seite kann ich verstehen, dass die falsche Ansprache dich nervt. Letztendlich ist das aber nur das I-Tüpfelchen. Der Ärger und das verletzt sein kommt doch wo ganz anders her, die richtige Ansprache würde das jetzt auch nicht retten.
    Wenn du jetzt anhand der Ansprache deine Beziehung zu diesem Menschen bewertest, ist das der falsche Ansatz. Das diese gerade anscheinend nicht wie gewünscht verläuft, hast du ja auch so schon festgestellt.

    1. Jo. Ich glaube, das ist zumindest etwas, was meine Reaktion verstärkt. Ich bin allgemein nicht so wahnsinnig begeistert, wenn es Leute es nach Jahren nicht hinkriegen, mich richtig zu schreiben… aber meistens sind diese Leute mir trotzdem irgendwie egal. Aber in diesem besonderen Fall sticht es besonders…

  4. Daniel hat die meisten Argumente ja schon aufgeschrieben. Ich glaube, dass Rechtschreibung und auch die Schreibweise von Namen für viele Menschen nicht so eine hohe Bedeutung hat. Ich würde mir daher den Rest des Texts anschauen und überlegen, ob ich mich bei richtiger Schreibweise des Namens auch darüber ärgern würde. Wenn nicht, würde ich über die falsche Schreibweise hinwegsehen.

    1. Guter Punkt… Wobei ich zu meiner Entschuldigung vorbringen muss: Ich gehöre noch zu dieser aussterbenden Spezies, die ihre Bildung zu einer Zeit erfuhren, als es das Internet noch nicht gab und die Kommentarspalten der sozialen Medien den Menschen noch nicht täglich suggerierten, daßs es grad iv/34vollkommn scheißüegal ist qwie man sich artizirkuliert so vong Rechtschreibung her einself!!1 😉

      1. Eine Postkarte. Ich muss gestehen, das spricht mMn. doch ziemlich für ihn.

        Das hat prinzipbedingt schon einen ziemlich hohen Basisaufwand, der in der heutigen Messenger Zeit in meinen Augen an Bedeutung gewonnen hat. Das ist kein „Ich muss mal eingestaubte Kontakte abklappern, ich jag schnell ne WhatsApp durch, wie hieß der gleich wieder, ich glaub Stefan oder so“, sondern da hat sich jemand mit Beschaffung von Karte und Briefmarke, dem Schreiben an sich und dem Gang zum Briefkasten eine Entschleunigung geleistet, den ich mir seit Jahren nicht mehr leiste, und den sich für mich nur meine engsten Freunde leisten.

        Damit würde ich ein „Der ist mir nicht sonderlich wichtig“ praktisch völlig ausschließen.

  5. Angepisst sein als erste Reaktion finde ich OK. Aber wenn Ihr so lange befreundet seid, dann kann man doch auch rückfragen… hey alles OK bei Dir? Warum bist Du neuerdings so verpeilt, dass Du meinen Namen falsch schreibst?

    Meinen ersten Vornamen schreiben übrigens seit 38 Jahren die etwa die Hälfte aller Leute falsch. (Bloggend bin ich nun mit dem zweiten unterwegs.) Irgendwann habe ich aufgehört, mich darüber aufzuregen.

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