Ein Wochenende mit der X-Pro2

Am Wochenende hatte ich endlich mal Zeit, meine neue Kamera, eine Fujifilm X-Pro2, einem etwas intensiveren Test zu unterziehen.

Meinen ursprünglichen Plan, meine Komfortzone (haha) zu verlassen und die entlegenen Ausläufer des Siebengebirges zu erkunden, musste ich leider zurückstellen – denn zum einen wurde ich erstmals in meinem Leben von einer Allergie heimgesucht und bekam zeitweise kaum Luft, und zweitens wurde das Siebengebirge von Heerscharen von Wanderern heimgesucht, was meinem Bedürfnis nach Ruhe und Abgeschiedenheit nicht gerade entgegen kam.

Also beschränkte ich meine fotografischen Aktivitäten zumindest vorläufig auf die eigenen vier Wände, respektive den eigenen Garten, respektive die nähere Umgebung der K-Burg.

Zwei Erkenntnisse habe ich dabei mitgenommen.

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Der Unterstand
X-Pro2, Fujinon XF 35mm f1.4 @ f8.0, Classic Chrome

Erstens, es gibt hier immer wieder neue Dinge zu entdecken.

Wie zum Beispiel die Textur dieses ausgeblichenen Holzbalkens, in Kombination mit dem Grün des jungen Efeus, das sich hier einen Weg aus der Dunkelheit des alten Unterstands im Garten ins helle Frühlingssonnenlicht bahnt.

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Buba wacht
X-Pro2, Carl Zeiss Super-Dynarex 135mm, f4.0, Velvia

Zweitens, ich mag die X-Pro2 wirklich sehr, und das nicht nur, weil sie neu ist.

Die Bedienung fühlt sich sehr natürlich, sehr camera-like an, alles ist intuitiv genau dort, wo man es als Mensch, der seit 30 Jahren mit Kameras hantiert, erwartet. Kein AppStore, kein SoftSkinPortrait, kein Auto-HDR, kein Babyportrait-Im-Sonnenuntergang-Modus, keine komplizierte Bedienung über Menüs und Untermenüs… man merkt deutlich, dass Fujifilm bei der Kameraentwicklung Fotografen mit ins Boot holt.

Und das ist gut so.

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Die letzte ihrer Art
X-Pro2, Carl Zeiss Super-Dynarex 135mm f4.0, Velvia

Tatsächlich kommen alle Bilder in diesem Artikel quasi direkt aus der Kamera. Sie wurden nur verkleinert und mit einem Wasserzeichen versehen, ansonsten fand keine nachträgliche Bildbearbeitung statt.

Sehr entgegen kamen mir dabei die integrierten Filmsimulationen, die bei der X-Pro2 sehr viel mehr darstellen als nur ein nettes Gimmick.

Fujifilm hat eine lange und traditionsreiche Vergangenheit als Filmhersteller, und das ist deutlich zu merken. „Velvia“ beispielsweise steht eben nicht nur für „mehr Kontrast und mehr Sättigung“, und „Acros“ ist weit entfernt von „alles schwarzweiss und ein bisschen Kontrast in die Tonkurve“.

Vorausgesetzt man hat eine ungefähre Vorstellung davon, wie die Einstellung das Ergebnis beeinflusst, kann man diese Filmsimulationen tatsächlich verwenden, um sich damit viel nachträgliche Bildbearbeitung zu sparen.

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Buche + Bokeh
X-Pro2, Carl Zeiss Super-Dynarex 135mm, f4.0, Velvia
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Lieblingsaussicht
X-Pro2, Carl Zeiss Super-Dynarex 135mm f4.0 @ f8, Velvia
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Abend in den Weinbergen
X-Pro2, Sigma 24mm F2.8 AF Super Wide II @ f4.0, Velvia

Insbesondere Acros hat mich beeindruckt. Ich habe keine Ahnung, welche Soße Fujifilm da genau in die Bilder rührt, aber es kommt meiner Vorstellung von Schwarzweiß-Fotografie schon ziemlich nahe:

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Tulpe
X-Pro2 + Fujinon XF 27mm f2.8, Acros+R
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Rhababerkuchen machen
X-Pro2 + Fujinon 27mm f2.8, Acros+R
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Frau K.
X-Pro2 + Minolta AF85mm f1.4G, Acros+R
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Buba wacht (II)
X-Pro2, Sigma 24mm F2.8 AF Super Wide II @ f2.8, Acros+R

Aber genug der technischen Fachsimpelei. Dies soll kein Kamera-Testbericht werden*, und es ist auch wirklich nicht so, dass ich mit diesem Artikel jedem Fotograf den Kauf einer X-Pro2 ans Herz legen möchte. Ich habe nur die Erkenntnis gewonnen, dass sie bislang sehr gut zu mir und zu meiner Art zu fotografieren passt. Ha, wer weiss, vielleicht grabe ich auch irgendwann doch nochmal die Menschenfotografie aus.

Zurück zum Wochenende: Es war, von meiner neu entdeckten Allergie und den Heerscharen im Wald hinter unserem Haus mal abgesehen, wirklich eine sehr schöne Zeit. Hier noch ein paar Impressionen:

Zu guter Letzt besuchte uns auch noch die Nachbarskatze… ein wahrhaft betörend schönes Wesen mit dem Namen Fritzi, das ich schon letztes Jahr in mein Herz geschlossen habe (tatsächlich tauchte sie zu meinem letzjährigen Geburtstag zum ersten Mal bei uns auf)… sehr zu Bubas zeitweisem Unmut.

Tja, und da das hier schließlich immer noch das Internet ist, möchte ich euch als Abschluss dieses Artikels ein paar Bilder von Fritzi nicht vorenthalten (allesamt mit dem Fujinon XF18mm f2.0; wie sich herausstellt, ein ideales Objektiv für Fritzi, denn sie hat die Eigenheit, auf die Kamera zuzurennen, um sich sodann nur wenige Zentimeter davon entfernt in Szene zu setzen):


* von denen gibt es schon genug im Netz… auf der anderen Seite bin ich a immer noch am Herauskriegen, was ich in diesem Blog eigentlich schreiben möchte, und für welches Publikum. Wer sich also einen erweiterten X-Pro2-Erfahrungsbericht wünscht, der darf mir das gerne in den Kommentaren kund tun, eventuell könnte ich zu sowas Lust bekommen…

Dog Cam

Als Ausgleich zu gestern: Ein Buba-Bild ohne Text über Softwareentwicklung darunter. So eine schnöde Instrumentalisierung hat sie nämlich nicht verdient 🙂

Das hier war heute morgen auf unsere Terrasse, als das frühe Sonnenlicht den herrlichen Tag heute schon ankündigte. Aufgenommen mit meiner X-Pro2 und einem Takumar 135mm f2.5, das ich von meinem Vater geerbt habe, und das ca. so alt sein dürfte wie ich selbst; JPG out of the box, nicht bearbeitet, nicht beschnitten, nicht begarnixt.

Von Komfortzonen

Es ist an der Zeit, hier mal ein paar Takte über Softwareentwicklung zu reden.

Oder vielmehr: Über Entwicklung und Fortschritt im Allgemeinen, denn selbstverständlich lässt sich das, was sich Softwareentwickler den lieben langen Tag anhören dürfen, auch mühelos auf andere Berufe übertragen.

Beispielsweise finde ich, so ein Gas-Wasser-Installateur sollte ruhig mal was neues ausprobieren und seine Komfortzone verlassen. Insbesondere einer, der seinen Job schon sehr lange Zeit sehr gut macht. Es geht nämlich immer noch besser, der Prozess hört nie auf.

Das Sicherheits-Druckventil in der Heizung einfach mal weglassen. Den Mut haben, alte Zöpfe abzuschneiden.

Oder, noch besser, das Ding durch den allerneuesten heissen Scheiss aus den USA ersetzen, vom dem niemand so richtig weiss, ob und wie er funktioniert, den aber irgendwelche eigens dafür gezüchteten Evangelisten auf Konferenzen ganz toll finden.

(und überhaupt, pfffff, Sicherheitsventil, das ist so funktional, so von gestern. Heutzutage macht man sowas reaktiv. Sieht zwar erstmal viel komplizierter aus, mit dem dadurch bedingten Grossbrand nebst zugehörigem Feuerwehr- und Notarzteinsatz… aber wenn der Groschen erstmal gefallen ist, dann ist es die wahre Lehre)

Und da nicht aufhören. Überkommene Arbeitsweisen aktiv hinterfragen und offensiv angehen.

Einfach mal ein Lagerfeuer neben der Gasleitung entfachen und gemütlich ne Kippe schmauchen während man schaut ob auch alles schön dicht ist.

Das Klo einfach mal in einem 32°-Winkel installieren und den Kunden dann in die Richtung erziehen, dass das vollkommen schnafte so ist.

Und auch in der Elektrotechnik könnte man sicher so viel anders und besser machen, wenn die Leute endlich mal aus ihrer Komfortzone rauskommen und sich neuen Ideen gegenüber öffnen würden.

Beispielsweise arbeiten zwei mit Handschellen aneinander gefesselte Elektrotechniker sicher sehr viel schneller und effizienter an einem Problem als nur einer allein. Was? Warum wehrt ihr euch denn dagegen? Ihr habt es ja noch gar nicht ausprobiert. Wer sich nicht weiter entwickeln will, der ist irgendwann weg vom Fenster.  Also hopp, hier, Handschelle, Fesseln.

Und dann, beispielsweise so ein Trafo. Muss der unbedingt sein? Wozu ist der überhaupt gut? Da kann man sicher was anderes neues hippes einbauen, oder einen kleineren, oder irgendwas, was nicht so viel kostet und nicht so viel Zeit braucht, oder? Und die LEDs ruhig mal ohne Vorwiderstände betreiben. Dinge anders machen. Traut euch!

(und kommt mir nicht mit ihr habt das so gerlernt oder gar studiert, oder mit physikalischen Gesetzen. Das hier ist die richtige Welt, Baby! Ihr müsst auch mal was anders machen! Und das sage ich bewusst als Fachfremder!)

Mut haben, mal ein paar Paradigmen zu verschieben!

Auch bei der Gärtnerei. Müssen Pflanzen denn wirklich unbedingt in Erde wachsen? Könnte man da nicht mal was neues ausprobieren, z.B. stinkenden synthetischen Nährschleim oder sonst ein Wundermittel, mit dessen Anpreisen sich ein Haufen Leute, die noch nie im Leben einen richtigen Garten gesehen haben, auf eigens dafür eingerichteten Tagungen eine goldene Nase verdienen?

Und dieses Ding, mit dem ihr die Löcher in die Erde gräbt, ihr nennt es „Schaufel“. Voll archaisch. Voll oldthink. Gibt’s da nicht irgendwas anderes? Am besten irgendwas verteiltes, verteilen ist immer gut, am besten was, das für viel Geld von mehreren Leuten tagtäglich gewartet werden muss, damit es halbwegs funktioniert. Ihr werdet sehen, das ist dann Fortschritt.

Traut euch, die Dinge mal mit frischen Augen und einem frischen Blick auf das Wesentliche anzuschauen.

Verlasst eure Komfortzonen. Dann wird nämlich alles besser.

Puh…

Heute fand ich mich also sehr plötzlich und spontan beim Arzt meines Vertrauens wieder, weil ich ebenso plötzlich und spontan nicht mehr richtig Luft holen konnte.

Weia, kein schönes Gefühl… und vor allem eines, das sich sehr schnell mit Angst und Panik vermischt.

Wie sich herausstellt ist alles halb so schlimm, und meine Bronchien sind verengt. Entweder als Konsequenz aus der Nebehöhlenentzündung, die ich die letzten Wochen mit mir rumgeschleppt habe, oder weil ich gegen irgendwas allergisch bin.

Ich habe einen Inhaler mit irgendwelchem schnell wirkenden Zeug drin, einen anderen Inhaler mit irgendwas anderem drin, ein Antiallergikum um sicher zu gehen, und die Versicherung meiner Ärztin, dass mit meiner Lunge und meinem Herz und meinem Kreislauf ansonsten alles in bester Ordnung ist.

Trotzdem, diese Inhaler hier neben mir parat liegen zu haben… weia, das erinnert mich alles so an meinen Vater, der in seinen letzten Monaten vor seinem Schlaganfall nur noch diese Dinger um sich herum angesammelt hatte und ohne sie nicht mehr leben konnte…

Und wieder kann ich mir ein bisschen mehr vorstellen, was er durchmachen musste 🙁

Lieblingsbaum

Ich glaube, ich habe auf diesem Blog noch lange nicht oft genug erwähnt, wie sehr ich die Rotbuche unten im Garten liebe, insbesondere in den Abendstunden.

Bei genauer Betrachtung habe ich es noch gar nicht erwähnt. Also fange ich besser mal damit an…

Alles neu

Der Gott in mir grüsst die Göttinnen und Götter in euch.

Herzlich willkommen zu Schall und Stille.

Schön dass ihr hier seid.

Ein neues Blog also. Das heisst, eigentlich ist es ein altes Blog, das neu gestartet wurde, und das eigentliche alte Blog gibt es auch noch, nur wird es nicht mehr fortgeführt und ausserdem blogge ich auch noch mit meiner Lebensabschnittsgefährtin zusammen, und habe ein Fotoblog und…  – ach, das Leben ist so kompliziert.

Also, so unkompliziert wie möglich soll es hier um mein kreatives Schaffen gehen, und um die Dinge, die ich erlebe, und die mir wichtig sind.

Mehr als einmal in den letzten Tagen hab ich mir natürlich die Frage gestellt, ob es wirklich gelingen kann, all die Sachen unter einen Hut zu bringen (und, in etwas schwachen Momenten, denn ich bin gesundheitlich gerade angeschlagen, ob die Welt das wirklich braucht). Manchmal bin ich mir ja selbst nicht ganz sicher, wer und was ich eigentlich bin, und wo die Reise mich noch hinführen wird.

Zu einer Zeit, da mein musikalisches Ex-Projekt richtig viele Fans hatte und ich den Großteil meiner Zeit und Kraft dazu aufbrachte, meine Produzentenrolle auszufüllen und in die Tasten zu hauen, da dürfte es den meisten aus meinem damaligen Publikum nicht klar und/oder wurscht gewesen sein, dass ich „hauptberuflich“ (ich mag das Wort nicht, aber es gibt m.W. kein deutsches Wort für „den Beruf, den man nun mal ausführen muss, damit man das Geld verdient, das man benötigt, um der eigentlichen Berufung nachgehen zu können“) Softwareentwickler war.

Umgekehrt dürfte den meisten Menschen, die mich ausschließlich in meiner Eigenschaft als Softwareentwickler kennen, nicht bewusst oder vollkommen egal sein, dass ich tatsächlich auch Musiker bin, das keinesfalls als Hobby sondern als meine eigentliche Berufung ansehe, und das eine oder andere Album veröffentlicht habe.

aller guten Dinge sind... äh, viele.
aller guten Dinge sind… äh, viele.

Und als ob das noch alles nicht genug wäre, mache ich auch noch Fotos. Gut, das nicht mehr so ernsthaft und mit Verve, wie es früher einmal der Fall war, aber immer noch so, dass sich auf flickr. & Co. doch so einige Menschen davon angesprochen fühlen… und auch diesen dürfte es ebenso unklar wie einerlei sein, dass ich eigentlich Musiker bin, der sich sein Musik-Machen-Können mit der Entwicklung von Software verdient.

Programmieren in Zeiten der Cholera... äh, ich meine natürlich, auf museumsreifen Computern ohne Memory Protection.
Programmieren in Zeiten der Cholera… äh, ich meine natürlich, auf museumsreifen Computern ohne Memory Protection. In diesem Fall entsteht ein lua-basiertes Roguelike auf einem RISC PC mit ARM 600 Prozessor.

Und um die Sache noch so richtig richtig richtig dolle kompliziert zu machen, gibt es nicht nur die Software, die ich ‚hauptberuflich‘ entwickle, sondern es gibt auch noch die Software, die ich zur Entspannung für mich selbst, meistens auf sehr in die Jahre gekommenen Plattformen entwickle – tatsächlich als Hobby, als nerdiger Ausgleich zu Dailies, Standups, Story-Points, Refinements, Retros, Spikes und all dem sonstigen Zeug, das man heutzutage anscheinend unbedingt veranstalten muss, bevor damit man endlich Software entwickeln darf kann.

"Und ich? Mich hast Du ganz vergessen! Ich will auch verblogdingst werden! Und wenn nicht, dann will ich wenigstens Hasen. Oder Mäuse. Oder ein Reh!"
„Und ich? Mich hast Du ganz vergessen! Ich will auch verblogdingst werden! Und wenn nicht, dann will ich wenigstens Hasen. Oder Mäuse. Oder ein Reh!“

Ach je, und die Buba natürlich. Die gibt es ja auch noch. Und Frau K., ohne die das alles vollständig wertlos und albern wäre (und mit welcher ich, wie schon erwähnt, auch noch ein gemeinsames Blog habe). Und sieben griechische und maurische Landschildkröten, und die Tatsache, dass ich mir ab und zu auch gerne Geschichten ausdenke und sie niederschreibe…

Und jetzt also ein Blog, wo ich das alles behandeln möchte.

Kann das klappen?

Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht. Ich werd einfach mal schauen, was passiert, und wozu ich so Lust habe. Auf jeden Fall habe ich einiges vor, sowohl musikalisch als auch softwaretechnisch, von dem ich in naher Zukunft hier zu berichten gedenke… und Fotos mache ich eh die ganze Zeit.

Tja, dann schauen wir mal.

Auf jeden Fall, und in diesem Sinne: Willkommen.

 

Alte Jagdgründe

Es ist schon ein seltsam einsames Gefühl.

Jetzt, nachdem meine Eltern beide tot sind, die alten Jagdgründe wieder zu besuchen, allein, ohne Begleitung von Frau K.

Die Plätze meiner Jugend. Plätze an denen man mit Freunden war, die inzwischen alle ebenfalls weit weg gezogen sind. Plätze, von denen es klar war, man würde immer hier sein. Man würde immer hier am Ufer sitzen und picknicken. Man würde immer weiter hinten im Baggersee schwimmen. Man würde immer hier Musik machen…

Die Menschen hier zu sehen, mir unbekannte Menschen, die Gesichter. Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Einzelne und Paare, jeder für sich eine Geschichte. Jeder für sich ein Teil einer Geschichte davon was hätte sein können.

Was hätte sein können, wenn ich hier geblieben wäre.
Was hätte sein können, wenn ich andere Entscheidungen getroffen hätte.
Was hätte sein können, wenn meine Eltern andere Entscheidungen getroffen hätte.

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Ich beklage mich nicht. Ich habe grösstenteils ein sehr schönes Leben, ich trauere dem hier nicht hinterher.

Und trotzdem fühlt es sich eben seltsam und einsam an, dieses andere Leben, das hätte sein können, verbunden mit dem Leben meiner Eltern, das sie sich so anders vorgestellt hatten und das so traurig enden musste.

Wird Zeit, dass ich wieder nach Hause komme. Nur noch heute, und morgen ziehen dann sechs neue Schildkrötenmitbewohner auf der K-Burg ein. Ich freue mich darauf.

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Der Alpha-Blues (oder: Erfahrung vs. unbedingt krassen neuen Shit machen müssen)

Ich war die letzten Tage ja hauptsächlich mit meiner alten Sony Alpha 850 unterwegs, und da ist mir eines mal wieder aufgefallen:

All die nervigen kleinen Probleme, mit denen die Sony A7 geplagt ist und die zumindest mich immer wieder verzweifeln liessen*, die hatte Sony nur wenige Jahre zuvor noch allesamt perfekt im Griff:

  • Die Alpha 850 startet sofort und ohne spürbare Verzögerung, egal ob eine neue Karte oder Batterie eingelegt wurde,
  • Alle Knöpfe und Räder sind deutlich spürbar und haben einen definitiven „Klick“, wenn man sie bedient… und man betätigt auch kein fiddeliges Rädchen aus Versehen und leitet damit unbeabsichtigt ein Helene-Fischer-Konzert ein
  • Der AF-Punkt lässt sich unmittelbar und direkt mit dem Joystick bewegen.
  • Der Fotograf hat selbstverständlich die Wahl zwischen RAW und CRAW
  • Alle wichtigen Funktionen (Belichtungsmodus, AF/AEL, Spotmessung, manueller Fokus) sind mit praktischen „analogen“ Bedienelementen direkt mit dem rechten Daumen erreichbar,
  • mehr noch, sie sind haptisch so gestaltet, dass man nach wenigen Griffen zuverlässig weiss, wo man ist, und dies auch nie wieder vergisst,
  • Die Menüs sind nüchtern und übersichtlich gestaltet, es gibt keinen „automatischen Ausschnitt wählen“ oder „App Store“(!!) oder „Soft Skin Portrait“(!!!) oder sonstigen Scheißdreck, der das Hauptmenü vollmüllt und in einer professionellen Kamera nix zu suchen hat,
  • Die Belichtungsautomatik generiert vernünftige Zeit/Blenden-Kombinationen. Kein „Blende 4, 1/60s“-Wahnsinn bei Objektiven, die eigentlich zu viel mehr in der Lage sind,
  • Das AF-Hilfslicht ist so positioniert, dass es nicht von großen Händen am Griff verdeckt werden kann,
  • Das Betriebssystem ist schnell und ausgereift. Man hat niemals das Gefühl, auf etwas warten zu müssen,
  • Keine seltsamen „Vorschau kann nicht angezeigt werden“ Meldungen weil (so vermutet man in einschägigen Foren, aber man weiss es nicht sicher und der Konzern schweigt natürlich) die Speicherkarte zu langsam ist,
  • Keine minutenlangen „Die Datenbank muss repariert werden“-Meldungen, wenn man den Frevel begangen hat, die Speicherkarte in einer anderen Kamera gehabt zu haben,
  • und, und, und, und…

Das alles drängt natürlich die Frage auf, was zwischen der 850 und der 7er-Serie eigentlich katastrophales im Hause Sony passiert ist.

Das ganze Know-How war schon mal da. Die 850 ist der lebendige Beweis dafür, dass die praktischen Bedürfnisse von Fotografen bei Sony einst sehr ernst genommen wurden.

Wie konnte es passieren, dass all das verloren ging?

Nun ist die Alpha 850 ja noch sehr verwandt mit den Dynax-Kameras von Minolta (deren Kamerasparte Sony sich einverleibt hatte). Ich möchte daher an dieser Stelle die Hypothese** aufstellen, dass man sich der alten Minolta-Leute, sei es nun Management oder Engineering, nach und nach entledigte, weil man es irgendwie ’selbst schaffen wollte‘.

Dass plötzlich statt erfahrener und alteingesessener Ingenieure und Manager ein junges, hippes Team die Leitung übernahm, das alles besser machen und der Welt etwas beweisen wollte.

Und tatsächlich sind die A7-Kameras technisch ganz weit vorn. Wenn es also ausschließlich darum ging, zu beweisen, wer den Längsten hat (bzw. den neuesten und geilsten Sensor verbauen kann), dann hat das alles prima geklappt.

Ansonsten aber nicht. Die Seele, die damals mit Minolta eingekauft wurde, finde ich in der A7 nirgends. Tatsächlich finde ich überhaupt keine Art von Seele darin.

Daher wäre mein dringender Rat an Sony:

  1. Verdonnert die neuen Leute dazu, ein Jahr lang mit ihren eigenen Kameras fotografieren zu müssen. Ohne Gnade.
  2. Währenddessen, holt euch die alten Minolta-Leute zurück. Dann entschuldigt euch artig bei ihnen und erhöht ihr Gehalt. Und zwar ordentlich.
  3. Vertragt euch. Trinkt ein Bier zusammen. Oder von mir aus auch mehrere.
  4. Und dann baut bitte zusammen endlich wieder eine Alpha-Kamera, die es wert ist, diesen alten und stolzen Namen zu tragen.

Ich kauf‘ sie auch, versprochen.


* natürlich ist das alles nur meine Meinung. Ich kenne Leute, die mit der A7 prima glücklich sind und wunderbare Fotos damit machen, und das ist auch vollkommen ok so. Für mich war die Kamera halt nichts, u.a. aus den dargelegten Gründen.

** tatsächlich kenne ich solche Sachen ja auch aus meiner professionellen Laufbahn, sogar von beiden Seiten. Irgendwo neu anzufangen und alles anders und neu und hip machen zu wollen ist mir genau so geläufig wie irgendwo zu kündigen und zuschauen zu müssen, wie die Nachfolger einen ganz enormen Haufen Grütze bauen…