Labels und Entscheidungen

Labels und Entscheidungen

Ich dachte, ich geb mal wieder ein Update hier.

Weil ich momentan wieder viel Musik mache und zumindest eine Download-EP in den Startlöchern steht, hatte ich ursprünglich die Idee, diese Seiten so umzugestalten, dass man die Musik bei Bedarf leichter findet, und das eigentliche Blog einfach nur eine zusätzliche Kategorie meines künstlerischen Schaffens repräsentiert. Also praktisch ein Hauptmenü mit den Punkten „Musik“, „Fotos“ und „Blog“. Oder irgendwie so.

Zeitgleich wagte ich aber auch wieder erste vorsichtige Schritte in Richtung social media in Form des diesjährigen FAWM und meines reaktivierten Mastodon-Accounts. Und dabei wurde einmal mehr offenbar, dass sich nichts daran geändert hat, dass ich echt ganz miserabel darin bin, mein künstlerisches Schaffen zu „vermarkten“. Ich will einfach nicht die ganze Zeit den Marktschreier in eigener Sache geben, Punkt. Andere Leute können das viel besser, mit viel mehr Raffinesse und viel ausgefeilteren Tricks. Es ist einfach nichts für mich.

Also sah ich letzten Endes vom Blog-Umbau ab und recherchierte stattdessen einfach mal, welche Netlabels es inwischen so gibt, und welche davon zu meiner Musik passen könnten. Drei davon schrieb ich freundlich an und gab einen Link zu einem aktuellen Demotrack mit.

Mit der Erfahrung der letzten Jahre im Hinterkopf knüpfte ich keine allzu großen Erwartungen an die Aktion. Um so überraschter war ich, als sich tatsächlich jedes einzelne davon zurück meldete und Interesse an meiner Musik bekundete. Wenn auch auf leicht unterschiedliche Art und Weise:

  • Label A, ansässig an der Westküste der USA, möchte sehr gerne meine Musik veröffentlichen, ist auch tatsächlich nicht ’nur‘ ein Netlabel sondern beliefert auch Plattenläden, organisiert Tourneen, kümmert sich um Funding, etc, pp. Man ist allerdings der Meinung, ich müsste an der Musik noch einiges ändern, wobei sich dieses „einiges“ von Anpassungen an Dynamik bis hin zu Änderungen in Struktur und Besetzung erstreckt.
  • Label B aus dem schönen England möchte meine Musik so haben wie sie ist. Es handelt sich um ein Netlabel für elektronische Musik, das Radiosendungen und Podcasts beliefert und sehr rührig ist. Wobei ich nicht garantieren kann, dass ich ‚elektronisch‘ bleiben werde, oder dass meine Musik überhaupt elektronische Musik ist. Ich mache momentan halt sehr viel elektronisch, einerseits weil es mich gerade sehr reizt, vermeintlich kalten und gefühllosen Geräten organische und lebendige Klänge zu entlocken, und andererseits weil ich so weit von Thanksgiver weg möchte wie möglich. Aber ob das so bleiben wird, steht in den Sternen…
  • Label C aus Dresden ist vermutlich das kleinste der drei, aber dafür sehr interessiert, sehr divers (auch akustischen Sachen nicht abgeneigt), sehr kontaktfreudig und wahnsinnig freundlich. Mit dem Labelinhaber hatte ich dann gleich mal ein ausführliches Telefongespräch, wo wir uns auf Anhieb hundertprozentig sympathisch waren. Seitdem stehen wir in freundlichem Kontakt und geben uns ab und zu Updates.

Tja, und jetzt habe ich die Wahl, und ich bin mir tatsächlich nicht ganz sicher. Was auch der Grund ist, warum ich dies hier alles schreibe. Eventuell möchte ja jemand seinen Senf dazu in den Kommentaren loswerden.

Ich denke, Label A wäre der aussichtsreichste Kandidat, wenn es in der Hauptsache darum ginge, meinen krankhaften Hörermangel zu beseitigen. Was mir durchaus ein bisschen ein Anliegen ist. Aber ich habe mir jetzt 30 Jahre lang nicht reinreden lassen, wie sich meine Musik anzuhören hat… und möchte auch nicht damit anfangen. Und somit ist A raus.

Bleiben Option B und C, und ich bin tatsächlich hin- und hergerissen.

B hätte einige Vorteile, ist etabliert und hätte eine vergleichsweise große Reichweite – ist aber von der Ausrichtung her etwas beschränkt (wobei ich mir da eventuell zu viele Gedanken mache. Das Problem ist nur, ich bin durch die Erfahrungen mit Botany Bay und deren Ex-Plattenlabel etwas vorbelastet: Die schönste Musik bringt nichts, wenn Dein Label-Boss Dich plötzlich fallen lässt. Als unsere Musik sich weiter entwickelte und immer weniger in die Dark-Wave-Schublade einsortieren liess, wurde die Unterstützung vom Label immer geringer, die unbeantworteten Mails häuften sich, und irgendwie war das alles nicht so schön).

C erscheint mir am sympathischsten, ist aber eine relativ kleine Veranstaltung, die noch am Wachsen und am Sich-Verändern ist. Das Künstler-Portfolio ist eher überschaubar, die Anzahl der Releases auch, aber die Motivation ist hoch, und am Ende des Tages stellt sich eh die Frage, ob Reichweite überhaupt so wichtig ist. Eines ist sicher: Meine persönliche Reichweite zu überbieten wird für keines der Labels ein Problem sein.

Tja, wie heißt es so schön: Wie würden Sie entscheiden?

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3 Antworten zu “Labels und Entscheidungen”

  1. Eine Idee, was die bessere(tm) Entscheidung sein könnte, habe ich leider gar nicht. Ich kann nur die Daumen drücken, dass einer der Wege zu Dir passt und begehbar ist.

  2. Das freut mich zu lesen, sehr. Ich mag in der letzten Zeit den Gedanken, dass es nicht unbedingt die eine richtige Entscheidung gibt. Manchmal gibt es auch mehrere Wege, mit Vor- und Nachteilen, aber alle sind okay. Das nimmt mir ein bisschen den Druck. Ansonsten, wenn die Musik aus dem Bauch kommt, den Bauch entscheiden lassen, schätze ich.