Leinenpflicht und Lärmwürste...

Also eins vorneweg, und es dürfte den meisten Lesern dieses Blogs inzwischen auch schon aufgefallen sein: Ich mag Hunde.

Nicht nur meine Hunde, auch fremde Hunde.

Ich mag ganz viele Hunde, und es gibt bis jetzt auch tatsächlich keine Hunde – vom Rehpinscher bis zum Bullmastiff – mit denen ich überhaupt nicht klar gekommen wäre.

Auch die zwei Boxer und der Rhodesian Ridgeback, die in letzter Zeit immer mal wieder ohne Leine und unvermittelt durchs Unterholz preschen und meinen (angeleinten) Schäferhund-Mix stellen und besteigen/dominieren und endlos unter Stress setzen, würde ich im Prinzip vermutlich auch mögen.

Das sind sicher sehr nette Tiere. Und auch die Besitzer, die dann meistens irgendwo am fernen Horizont erscheinen und sich erfolglos im Rückruf versuchen, sind sicher prinzipiell auch nette Menschen.

Aber es gibt nun mal aus guten Gründen (beispielsweise: Schutz des Wildes) eine Leinenpflicht im Siebengebirge, und ich befolge sie konsequent. Und die andere Seite befolgt sie konsequent nicht, seit Monaten, und das führt immer wieder zu ziemlich großem Missvergnügen auf Candors und meiner Seite.

Und irgendwie ist das auch – so kleinkariert und typisch deutsch es dem Leser auch eventuell erscheinen mag – eines der zentralen Probleme der Menschheit:

Es gibt immer wieder Menschen, die aus irgend einem Grund glauben, die Regeln gelten für alle anderen, nur für sie nicht; ob dies nun allgemeine Regeln des Anstands oder per Gesetz und Vorschrift festgelegte Regeln sind.

Eine sogenannte Lärmwurst; das angesagte Accessoire für den gepflegten asozialen Jugendlichen von heute. Foto: Trougnouf, CC-BY-SA

Irgendjemand raucht immer am Bahnsteig. Irgendjemand fährt immer 60 in der 30er-Zone. Irgendjemand lässt immer seine Hunde rennen. Irgendjemand hört immer an öffentlichen Plätzen auf seiner bis zum Anschlag aufgedrehten Lärmwurst irgendeine nervige Drecksmusik.

Irgendjemand ist immer der Ansicht, er sei wichtiger als jemand anders und dürfe sich deshalb irgendwas rausnehmen.

Und irgendjemand anders ist immer der dumme Arsch bei der Sache, und das bin ganz erstaunlich oft ich.

Weiß nicht.

Irgendwie hab ich das allmählich satt.

Neue Kamera

Ich bin ziemlich vorhersagbar. Wenn mich irgendwas unglücklich macht oder irgendwas nicht so läuft wie ich es gerne hätte, dann kompensiere ich das meistens damit, dass ich mir neues fotografisches Equipment zulege.

Eine Sony A7 befand sich vor vier Jahren schon mal in meinem Besitz (außerdem besitze ich eine schöne Sammlung an ganz wunderbarem, altem Minolta-Glas, für das es einen praktischen Adapter gibt; insofern ergibt eine A7 sogar ziemlich viel Sinn für mich). Leider kam ich damals schnell zu der Erkenntnis, dass die Original-A7 als Kamera zwar gut gemeint, aber überhaupt nicht gut gemacht war... und so wechselte sie bald wieder den Besitzer.

A7RII + Minolta 135mm f2.8

Weil ich mir aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen in diversen namhaften Softwareschmieden ziemlich gut vorstellen konnte, was im Hause Sony schief gegangen war, schrieb ich damals eine kleine Abhandlung darüber, und gab Sony –freundlich wie ich bin – ein paar Tips, wie man die Karre wieder aus dem Dreck gezogen bekommt.

Tja... Sony hat das wohl alles gelesen und sich zu Herzen genommen, denn anderthalb Generationen weiter, bei der A7rII, wurden zumindest die allerschlimmsten Probleme endlich gelöst (bis auf den Joystick für die AF-Auswahl, aber ich will nicht kleinlich sein, und nein, ich will auch nicht 1000 Euro mehr für eine A7 III zahlen).

Da kann ich nur sagen: Bitte schön, Sony, gern geschehen. Trotzdem etwas doof, dass ich mir die A7rII jetzt kaufen musste... ihr hättet mir in Anerkennung meiner Dienste selbstverständlich auch gerne eine schenken dürfen.

Dann mal schauen, was sich in Zukunft hier an vollformatigen Bildern ergeben wird... meinen kleinen Olympus-Kameras bleibe ich natürlich trotzdem auch treu, mein Herz ist groß genug für zwei Kameras.

PS.: Apropos... hey Sony, da ihr hier ja mitliest... wie wäre es in Zukunft mal mit ein paar schönen, kleinen Linsen für das E-Bajonett? Ihr wisst schon, wie ich meine... mit nicht ganz so krass guter Lichtstärke, aber dafür kleiner und leichter und feiner, so ähnlich wie Summicron vs. Summilux? Das wäre bei Gelegenheit echt mal nett, ihr habt jetzt genug viel zu große Linsen im Angebot ...

PPS: Und, herrgottnochmal, Sony, gebt den armen A7II-Usern halt auch eine vernünftige Auto-ISO-Implementierung. So ziemlich jeder andere Kamerahersteller macht sowas per Firmware-Update, nur ihr kriegt das nicht auf die Kette.

A7RII + Minolta 50mm f1.4

Candor K. + Herr K.

Ich mag mich ja normalerweise nicht so auf Bildern. Aber Frau K. hat heute morgen kurz nach dem Aufstehen ein Bild von uns gemacht, mit einem alten, voll manuellen Objektiv und einer Kamera, die sie vorher noch nie in der Hand hatte. Und ich mag es sehr. Hach, die Frau K., die kann es eben... <3

Alles doof

Ausser natürlich Candor (oben im Bild), Frau K. und Buba K. (nicht im Bild) und einige andere ausgewählte Liebmenschen und -tiere.

Aber ansonsten... nun ja, die Herr-K.-Gesundheit ist nicht so, wie sie sollte, seit einiger Zeit schon nicht.

Und nach etlichen Untersuchungen und Rücksprachen habe ich jetzt auch die Gewissheit, dass ich mich demnächst – und zwar besser früher als später – von meiner Schilddrüse verabschieden darf. Nichts Schlimmes, vollkommen harmloser Routineeingriff, wurde mir gesagt.

Aber... nun ja, ich trag' das Ding jetzt seit 46 Jahren mit mir rum, da wird man schnell etwas grüblerisch und sentimental. Mit ein bißchen Glück kann ich aber danach wieder singen, das wäre immerhin mal was.

Ach, Firlefanz, Papperlapapp, ich zeige euch lieber noch ein paar Candor-Bilder. Candor macht nämlich glücklich.

Wilko Johnson

Wilko Johnson ist der Ex-Gitarrist von Dr. Feelgood... eine Band, welche meine älteren Leser vielleicht kennen. Die Gruppe hatte in den 70er Jahren mehrere Hits und war sowohl richtungsweisend als auch wegbereitend für die Entstehung der Punkrock-Szene.

Johnson prägte den frühen Stil der Band mit seiner speziellen, trockenen und doch gleichzeitig nuancierten Gitarren-Spielweise, bei der er Fingerpicking und Strumming geschickt miteinander kombinierte. Er stieg 1977 bei Dr. Feelgood aus und war fortan sowohl solo als auch in etlichen anderen Bands (darunter Ian Dury and the Blockheads, ebenfalls für meine älteren Leser ;-)) unterwegs.

Und auch die jüngeren meiner Leser kennen ihn vielleicht – er gab in der ersten Staffel von Game Of Thrones sein Schauspieldebüt in der Rolle des Ser Illyn Payne.

Ende 2012 erfuhr Johnson, dass er an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war und noch ungefähr neun Monate zu leben hatte. Er entschied sich gegen Chemotherapie und gab kurze Zeit später im BBC Frühstücksfernsehen dieses, wie ich finde, sehr beeindruckende und berührende Interview:

Nun ist mir durchaus bewusst, dass das Internet voll von inspirierenden Stories ist, über Menschen, die sich mit ihrer Krankheit abfinden, dem Ende entgegensehen und das beste aus ihrem Leben machen und Carpe Diem und all die üblichen Gemeinplätze. Und noch schmerzlicher ist mir, durch meine eigene Familiengeschichte, bewusst, dass es nicht so laufen muss... dass Menschen unter Umständen monate- und jahrelang sterben, in Schmerzen und in Verzweiflung, und ohne dem Leben vorher jemals noch irgendetwas Gutes abgewonnen zu haben.

Trotzdem muss ich sagen, diese Interview mit Wilko Johnson ist etwas Besonderes.

Es ist wahrhaft inspirierend, ihn reden zu hören... wie er vollkommen natürlich und frei raus von seinem Teleskop erzählt, von seiner Abschiedstournee, und davon, wie ihm Katzen und Mülleimer auf der Straße etwas bedeuten.

Noch beeindruckender an der Sache ist, dass Johnson ein Jahr später immer noch am Leben war – und dass erst zu diesem Zeitpunkt entdeckt wurde, dass seine Art von Bauchspeicheldrüsenkrebs operabel ist. In einer elfstündigen Operation wurde ihm daraufhin ein 3kg-Tumor entfernt. In einem Interview – wieder im Frühstücksfernsehen des BBC, dieses Mal zwei Jahre später – redet er über seine Erfahrung:

Tja, was soll ich weiter sagen. Ich weiß, Klischee, aber trotzdem:

Carpe Diem!


P.S: Johnsons Abschiedsalbum, zusammen mit Roger Daltrey von The Who aufgenommen, ist übrigens sehr hörenswert. Es klingt irgendwie nicht wie das Album eines Mannes, der weiss, dass er noch ein paar Monate zu leben hat.

Es klingt wie das Album eines Mannes, der einfach nur Spaß daran hat, Musik zu machen.

Film (a fragment)

Endlich wieder ein Blog, auf dem ich einfach schreiben kann, ohne dass irgendein überzüchtetes WordPress-Plugin aus Versehen ein Helene-Fischer-Konzert auslöst.

Ok, kleiner Insider. Bitte ignorieren.

Was ich eigentlich sagen wollte: Ich bemerke wieder einmal, es fällt mir bedeutend viel schwerer, über Musik zu schreiben oder gar welche zu bloggen, als das bei Fotos oder Software der Fall ist.

Ich weiss echt nicht, woran das liegt. Vielleicht, weil Fotos und Software einfach nicht so wichtig für mich sind, und ich darüber hinaus für meine Fähigkeiten als Programmierer auch noch Anerkennung in Form eines monatlichen Geldbetrags auf meinem Konto erhalte.

Trotzdem: Warum nur muss das mit der Musik so verdammt schwer für mich sein? Ich habe Wochen gebraucht, mich dazu durchzuringen, dieses kleine Fragment hier zu veröffentlichen, das irgendwann letztes Jahr, vollkommen losgelöst von den Thanksgiver-Sessions entstand.

Würde mich jemand beauftragen, Filmmusik zu schreiben, so wäre es übrigens durchaus möglich, dass sie teilweise so klingen würde. Genau wissen kann man es nicht, denn es beauftragt mich leider niemand, Filmmusik zu schreiben.

Aber wer weiß schon, was noch alles passiert in diesem verrückten Leben... 😉

Ladybird Fly Away

Weil der Wolfram D. mich gerade in einem Kommentar zum letzten Post daran erinnert hat... ich hab' ja mal Menschen fotografiert.

Wobei er mich nicht an die Tatsache an sich erinnert hat, eher an die spezielle Technik bei diesem Bild: Die Linse war ein 30 Jahre altes, adaptiertes 55mm Super-Takumar an meiner alten OM-D (die ich nicht hätte verkaufen dürfen, aber das ist wieder eine andere Geschichte...)

Diese alten Linsen haben einfach was. Hach, ich werde ganz nostalgisch. Vielleicht sollte ich doch mal wieder Menschen ablichten. Mit alten Linsen.

Mag zufällig jemand?

Modell: Xīngxíng


Ist das Kunst oder kann das weg?

Ich kann mich noch lebendig daran erinnern, wie all die semi-professionellen FotografenHater kübelweise Spott und Hohn in diverse Internet-Knipser-Foren kippten, als Olympus vor zehn Jahren – immerhin ein ganzes Jahr vor Instagram – mit der E-30 die erste Kamera mit eingebauten "Art Filters" vorstellte*.

Ohne "Art Filters" jetzt eingehend bewerten zu wollen (oder mich gar auf Diskussionen darüber einzulassen, was Kunst ist und was nicht) – so eine unpopuläre Idee scheinen sie nicht gewesen zu sein. Insbesondere, wenn man sich den ganzen fürchterlichen Insta-Kram dieser Welt anschaut.

Artsy Ausguck

Und Frau K. hat den Nagel vermutlich auf den Kopf getroffen, als sie neulich sagte, "man macht mit diesen Kameras einfach mehr Scheiß als mit anderen", wobei sie das durchaus positiv meinte.

Scheiß machen ist gut.

Artsy Frau K.

Ich hatte heute zum Beispiel mal wieder meinen Spaß mit dem Grainy-B/W-Filter.

Hätte ich die Bilder selbst so bearbeitet? Nö.

Ist es Kunst weil ein Filter drauf liegt? Natürlich nicht.

Ist es sonst irgendwie Kunst? Keine Ahnung, vermutlich nicht, mir egal.

Artsy Candor K.

Aber: Hätte ich diese Bilder überhaupt erst gemacht, wenn ich nicht im Sucher live gesehen hätte, was daraus wird? Da bin ich mir überhaupt nicht sicher. Und dieser Punkt geht definitiv an die Art-Filter... 😉



* Ein Schicksal, das Olympus interessanterweise ganz allgemein anzuhaften scheint. Man betrachte nur diese über 500 Kommentare lange "Diskussion" darüber, warum die nächste Kamera von Olympus ganz sicher ein großer Flop wird und das Ding garantiert niemand kaufen wird.... ok, ich weiß, dpreview ist eh albern, aber so ein Level an Trolling ist selbst für dpreview außergewöhnlich...

P.S.: Ja, ich weiß, schon der zweite Artikel in Reihe, in dem ich Olympus erwähne. Es ist keine Absicht, ehrlich nicht. Und ich bekomme – im Gegensatz zu gewissen anderen Bloggern – auch kein Geld und keine Ausrüstung dafür. Ich habe nur aus Gründen momentan nichts anderes als die gute, alte E-P3, und ich stelle sehr erstaunt fest, wie viel Spaß sie mir immer noch macht...

Olympus Blue

Hm, irgendwie geht dieses Jahr nicht so gesund los wie ich mir das gewünscht hätte.

Meine Erkältung, die ich eigentlich im Urlaub besiegt zu haben glaubte, ist zur Stirnhöhlenentzündung mutiert und zieht sich halbe Ewigkeiten hin.

Und mit den guten Vorsätzen gestaltet es sich irgendwie auch schwierig. Ich hatte mir eigentlich nicht viele gemacht. Nur zwei Stück. Einerseits wollte ich mir diverse nervige Dinge nicht mehr so zu Herzen nehmen oder mich darüber aufregen. Aber andererseits wollte ich auch nicht mehr jedermann, der darauf Lust verspürt, auf mir herumtrampeln und/oder mich ausnutzen lassen... und wie man merkt, sind das zwei Vorsätze, die unter Umständen ganz schön in Opposition zueinander stehen.

Nun gut, ich kann mich immer noch aufregen. Das musste auch der Vermieter unseres Ferienhauses auf Föhr erfahren, nachdem er den Versuch unternommen hatte, gewisse (vorher schon kaputte) Möbelstücke auf meine Kosten renovieren zu lassen.

Es kam dann nicht dazu, aber versuchen kann man's ja...

Aber möchte positiv bleiben. Heute fühlte ich mich gesund genug, eine längere Fototour auf dem Rodderberg (unserem 'alten Zuhause' vor dem Siebengebirge) zu unternehmen. Das Licht war äußerst fein, und ich musste mal wieder feststellen, zu welch großartigen Wolkenbildchen meine mittlerweile acht Jahre alte kleine Olympus E-P3 fähig ist... ich weiß auch nicht, wie die das machen, aber das Blau, das aus den alten Pen-Kameras rauskommt, ist einfach was ganz Feines...

(Alle Bilder sind mit C1 bearbeitet, aber wirklich nur ganz minimal...)

Blog-Empfehlung: k52.io

Im Jahr 2003 nahm Frau K. ihr erstes Blog online, gehört damit zum Urgestein der deutschen Blogosphäre und war sogar kurz in den deutschen Blogcharts vertreten (bis sie darüber bloggte, dass sie die deutschen Blogcharts bescheuert findet). Aber anders als bei all den Spreeblicks, MC Winkels, Basic Thinkings und Sascha Lobos unserer Welt, wissen davon nur wenige Menschen.

Das ist einerseits schade, denn ihre Fotos, Eingebungen und Geschichten hätten garantiert mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.

Auf der anderen Seite aber hat sie sich nie verstellt, ist nie der Versuchung erlegen, ihre Online-Journale mit Werbung zu vollzukleistern oder sich gar fürs Bloggen bezahlen zu lassen... und sie würde – selbst wenn sie ein sogenannter A-Blogger wäre – niemals auf die Idee kommen, 800€ zu verlangen, damit sie das neue Album eines Musik-Projektes erwähnt, das Schwierigkeiten damit hat, den Weg zu neuen Hörern zu finden (vollkommen an den Haaren herbeigezogenes Beispiel, ich weiss gar nicht, wie ich darauf komme).

So ist sie einfach nicht, und das ist einer der vielen vielen Gründe warum ich sie liebe.

Sie hat jetzt lange kein eigenes Blog mehr gehabt. Auf 7gebirge.de haben wir zusammen geschrieben, aber erstens geht unsere Zeit im Siebengebirge zu Ende, und zweitens war es an der Zeit, wieder was eigenes zu haben.

Auf k52.io hat Frau K. jetzt wieder ein eigenes, neues Blog. Es ist noch ganz am Anfang, aber mit ein bisschen Motivation wird es wachsen und gedeihen.

Vielleicht mögt ihr sie da ja mal besuchen und ein paar Herzchen oder gar Kommentare hinterlassen, das soll Wunder wirken für die Motivation 🙂

Nette Bea, aber es kippt!

Wir befinden uns in einem kleinen Häuschen in der Nähe des Goting-Kliffs auf der Insel Föhr. Draußen fegen orkanartige Windböen durch die Straßen, wühlen das Meer auf und peitschen Regen und Gischt in die Gesichter all jener Menschen, die – je nach Sichtweise – entweder so verwegen oder so unvorsichtig sind, sich jetzt im Freien aufzuhalten.

Frau K., die Hunde und ich, wir haben unseren Patrouillengang am Kilff glücklicherweise schon vor einiger Zeit hinter uns gebracht, sitzen jetzt sicher und aufgewärmt in unserer Unterkunft und fragen uns, was wir mit dem Rest vom Tag am geschicktesten anfangen können.

Da fällt mir spontan ein, dass ich ja noch ein Inkognito-Konto bei der Fotocommunity – Deutschlands größter und ältester und galeriewyrdigster Hobbyknipser-Plattform – unterhalte, welches ich mir vor langer Zeit neben meinem eigentlichen Konto extra für Fotos von unserer Lieblingsinsel im hohen Norden angelegt hatte ("Oluf Braren" ist der Name eines nordfriesischen Landschaftsmalers, der auf Föhr geboren wurde, wirkte und starb, ohne dass die Welt zu Lebzeiten groß Notiz von ihm nahm; er schien mir als Pseudonym damals irgendwie passend, vermutlich hatte ich gerade mal wieder Musik veröffentlicht oder so...)

Ich krame also ein bißchen auf meiner Festplatte und finde tatsächlich meine Zugangsdaten für eben jenes Konto wieder. Ich melde mich an und werde sogleich gewahr, wie viel und gleichzeitig wie wenig sich seit 2012 bei der Fotocommunity gändert hat.

Vor sieben Jahren nämlich – und damit wirklich rein zufällig zu jenem Zeitpunkt, als meine Aktivitäten auf der "FC" endgültig zum Erliegen kamen – wurde die einst stolze Plattform vom Weka-Verlag geschluckt, und es geschah, was anscheinend immer geschehen muss, wenn ein großer Verlag eine Online-Plattform kauft: Die Plattform wird als Werbeträger mißverstanden, jedes verfügbare Stück Screen Real Estate wird in der Folgezeit penetrant mit animierter Bannerwerbung und "Fireplaces" (so heißt im Werbefuzzi-Neusprech jene aufdringliche Unverschämtheit, die sich einmal als Rahmen um den eigentlichen Content legt) zugemüllt, und wenn man wirklich ganz enormes Pech hat, dann grinst einem auf irgendeiner dieser Anzeigen aus dem Bodensatz des Werbe-Backfills auch noch Frank Thelen entgegen.

Wenn die Werbung auf Deiner Plattform mehr Platz einnimmt als der eigentliche Content, dann weisst Du, dass Du besser jemand gefragt hättest, der sich damit auskennt.

Nun steht die FC mit diesem Schicksal nicht allein da, und man kann ihr auch nicht wirklich einen Vorwurf daraus machen... ich war selbst einmal bei einer ganz ähnlichen Plattform angestellt, der es nach dem Aufkauf durch einen großen Verlag ganz genau so erging... und ich weiß aus eigener leidlicher Erfahrung, wie anstrengend und hoffnungslos sich der Kampf gegen Windmühlen gestaltet, wenn man selbst in dem System gefangen ist.

Ich könnte jetzt also weiter ätzen und kritisieren und nerven... und weiter darüber dozieren, wie es die Zeit mit der FC nicht gut gemeint hat, wie die falschen Dinge geändert und die ganz enorm hoffnungslos falschen Dinge beibehalten wurden.

Aber Tatsache ist, dass ich der Fotocommunity, in der ich mich vor 15 Jahren (!) zum ersten Mal anmeldete, irrsinnig viel zu verdanken habe.

Es wären zwei bis drei sehr lange Geschichten, und es würde jeglichen Rahmen sprengen, sie hier in aller Ausführlichkeit zu erzählen (tatsächlich habe ich im ersten Entwurf dieses Artikels den Versuch unternommen... das war vorgestern, und dann wurde mir klar, dass ich die nächsten zwei Wochen lang schreiben würde, und ich habe es wieder bleiben lassen). Zusammengefasst ist es folgerndermaßen:

Ich habe über die FC Menschen und Sichtweisen kennen gelernt, die meinen Horizont erweitert haben. Frau K. und ich, wir zählten auf dieser Plattform lange zu den bekannteren Gesichtern, und es war spannend und inspirierend.

Ich wäre ohne die Fotocommunity nie ins Rheinland gezogen, und ich hätte nie im Imaging-Business gearbeitet. Und dies nicht etwa über Umwege oder Inspiration, sondern tatsächlich, weil die FC und ihre Mitarbeiter selbst und direkt einen großen Anteil daran hatten.

Und, was noch unendlich viel schwerer wiegt: Ich hätte ohne die Fotocommunity nie Frau K. kennengelernt.

Mein Leben wäre ohne diese Plattform ein völlig anderes. Ich würde jetzt nicht auf der Insel sitzen, Bubas Bauch kraulen und auf eine wunderbare und aufregende Zeit zurückblicken.

Ich wäre ein anderer Mensch mit einem anderen Leben.

Natürlich gibt es Gründe, warum Frau K. und ich inzwischen nicht mehr in der Fotocommunity aktiv sind.

Einer der Kommentatoren für mein Inkognito-Konto wünscht mir "viel Spass beim Bewerten und Bewerten lassen", und da haben wir es auch schon: Wir verspüren einfach überhaupt keine Lust, unseren künstlerischen Output irgendwie bewerten zu lassen, und schon gar nicht von gewissen Gestalten, die nicht das geringste davon verstehen.

Es gab, so kann ich mich dunkel erinnern, noch diverse andere Gründe... die Art und Weise, wie damals mit J. umgesprungen wurde (einem wirklich sehr genialen Aktfotografen und Künstler, für den Modell zu stehen auch Frau K. und ich die Ehre hatten, und der rausgeekelt wurde, weil gewisse Menschen seine Bilder als bedrohlich und gewaltverherrlichend empfanden), der doppelmoralische Umgang mit Männer-Aktfotografie (zumindest damals... ich weiß nicht wie es heute ist), und nicht zuletzt die vollkommen alberne "Galerie" und das Voting ... aber das ist alles Geschichte, ich rege mich über derlei Dinge schon lange nicht mehr auf, und die Welt dreht sich weiter.

Und trotzdem sitze ich jetzt auf meiner stürmischen Insel und entsinne mich sehr deutlich und mit einem ordentlichen Stück Melancholie daran, wie ich meine ersten zögerlichen Schritte auf der Fotocommunity tat... wie sich das alles entwickelte, wie diese Plattform unglaublich wichtig für mich wurde, und wie sie dann viele Jahre später in der Bedeutungslosigkeit versank.

Vielleicht lade ich doch mal wieder ein paar Bilder dort hoch. Und vielleicht lasse ich mir auch gerne mal wieder was von der "Bea" erzählen, oder dass der Horizont kippt, die Schärfe fehlt, die Regel zum goldenen Schnitt verletzt wurde und das Bild – contra! – nicht galeriewyrdig ist.

Der alten Zeiten wegen.