Das Mädchen am Telefon (10/10)

<- zu Teil 9

X.

„Hier Kelling, Kriminalpolizei Trier“, erklang es aus der Hörmuschel, „so… wir waren jetzt vor Ort…“, begann er, betont ruhig und sachlich.

„Und?“ fragte ich, und ich konnte deutlich mein Herzklopfen spüren.

„Ich kann Ihnen nicht alles berichten… nur so viel: Frau Ebert hat eine umfassende Aussage gemacht. Sie hat angegeben, die ganze Geschichte von Nicole von vorne bis hinten erfunden zu haben… vom Anruf mit verstellter Stimme von der vermeintlichen Autobahnbrücke bis zu den Geschichten vom Messerangriff und vom Selbstmord von Nicoles Mutter… es war, wie gesagt… alles erfunden, inklusive Nicole selbst.“

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Also stotterte ich nur unbeholfen irgendwas ins Telefon.

„Ich kann Sie nur darum bitten, nicht allzu wütend zu sein. Ich weiß, das ist sehr schwer, aber Frau Ebert ist eine sehr bedauernswerte und psychisch kranke Frau, die vermutlich irgendwann in ihrer Kindheit vergewaltigt wurde und die Erfahrung nie verarbeitet hat“, erklärte er weiter. „So wie sich das momentan darstellt – und natürlich können wir auch da nicht sicher sein – hat sie Nicole erfunden, um diese Krise mit Hilfe Ihrer Freundin nochmal zu durchleben… um Trost und Hilfe zu finden, die sie damals nicht bekommen hat…“

„…und um Helena und mich durch die Hölle gehen zu lassen“, sagte ich schließlich.

„Ja“, sagte Herr Kelling. „Letzten Endes läuft es darauf hinaus. Ich verteidige auch nicht, was sie getan hat. Es war schrecklich und unfair Ihnen gegenüber. Aber ich denke, es ist jetzt vorbei.“

„Und wie geht es jetzt weiter?“

„Wir werden uns demnächst bei Ihrer Freundin melden und ihr berichten, was sich ereignet hat. Frau Ebert wird sich für unsere Einsätze und die Funkortung verantworten müssen, sie wird Ihre Freundin nicht länger belästigen, und sie wird die Hilfe eines ausgebildeten Psychotherapeuten in Anspruch nehmen“, antwortete Herr Kelling.

Ich dankte ihm aus tiefstem Herzen, ich konnte gar nicht mehr aufhören, ihm zu danken… und ich verspüre auch heute noch, beinahe zwanzig Jahre später, wo ich diese Zeilen schreibe, eine tiefe Dankbarkeit. Denn ich kann mir nicht ausmalen, in welcher Katastrophe es geendet hätte, hätte Herr Kelling seine Befugnisse nicht großzügig ausgelegt und somit verhindert, dass Martina weiter ihr Unwesen treiben konnte.

Kaum hatte ich aufgelegt, schon läutete wieder das Telefon. Helena war dran.

„WAS HAST DU GETAN?!“ brüllte sie mir ins Ohr.

„Ich…“, begann ich.

„Martina hat gerade angerufen!“, unterbrach Helena aufgebracht. „Sie war fix und fertig, ich hab sie kaum verstanden weil sie die ganze Zeit geweint hat… sie hat gesagt, sie dürfe nie wieder mit mir reden… sie wolle sich nur noch entschuldigen, und alles würde gut werden, und dann hat sie aufgelegt… HAST DU ETWAS DAMIT ZU TUN?!“

„Unter anderem auch ich… ja“, antwortete ich ganz ruhig.

„Was soll das heißen, unter anderem auch Du?! Du hattest kein Recht, Dich da einzumischen! Wenn ich rauskriege, dass irgendjemand wegen Dir zu Schaden gekommen ist, wirst Du deines Lebens nicht mehr froh!“

Jetzt musste ich tatsächlich lachen. Nicht etwa aus einem Überlegenheitsgefühl oder irgendeiner Art von Schadenfreude heraus… in Wirklichkeit tat mir es mir um Helena, um mich und um all unsere vertane Zeit fürchterlich leid. Doch Helenas Sorge, dass ausgerechnet durch das heldenhafte Eingreifen von Herrn Kelling „jemand zu Schaden“ gekommen sei, und ihre Drohung, ich würde „meines Lebens nicht mehr froh“ werden… beides war so abgrundtief absurd und an der Wirklichkeit vorbei, dass ich nicht anders konnte als zu lachen.

Es waren jetzt ein halbes Jahr lang Menschen zu Schaden gekommen, und „meines Lebens nicht mehr froh“ war eine durchaus passable Umschreibung meiner Realität die letzten sechs Monate über.

„Also? Erklärst Du mir jetzt, was passiert ist?“ fragte Helena aufgebracht.

„Nein“, antwortete ich.

„Nein?!“ schrie es verzerrt aus dem Hörer.

„Nein. Die Kripo Trier wird Dir erklären, was passiert ist. Und wenn Du es dann irgendwann kapiert hast, dann können wir uns gerne wieder treffen und darüber reden. Aber bis dahin halte ich es für geschickt, wenn wir das jetzt hier beenden“, erklärte ich.

„Oh nein, so leicht kommst Du mir nicht davon…“, sagte Helena.

„Doch“, sagte ich und legte auf.

Danach allerdings nahm ich noch mal den Hörer ab und rief unsere gemeinsame Freundin Nadine an. Ich erzählte ihr, was geschehen war.

„Oh ein Glück, dass es endlich vorbei ist“, seufzte sie schließlich, als ich meine Erzählung beendet hatte.

„Ja… aber ich glaube, es wird noch dauern, bis Helena versteht, was passiert ist… deshalb rufe ich an. Magst Du vielleicht hinfahren? Sie braucht jetzt jemanden, sie ist ganz allein.“

„Wäre das nicht eigentlich eine Aufgabe für Dich? Ich meine, so, als ihr Freund…“ fragte Nadine.

„Nein, wirklich nicht. Und ich weiß auch wirklich nicht, ob ich noch ihr Freund bin“, antwortete ich.

„Ich verstehe…“, sagte Nadine nachdenklich, „Das tut mir sehr leid…“, fügte sie schließlich hinzu.

„Es braucht Dir nicht leid tun, es ist in Ordnung.“

Nachwort

Einige Tage später war Helena so weit, dass sie mit mir reden wollte. Ich habe nicht mehr viel Erinnerungen an das Gespräch… und auch nicht an irgendwelche folgende Gespräche über Martina. Ich weiss nicht mal mehr, ob jemals das Wort „Danke“ fiel. Oder „Entschuldigung“. Oder sonst was in der Richtung. Ich weiß nur noch, dass sie glaubte, im Telefonkontakt mit mir sei Martina irgendwie „anders“ gewesen als bei ihr, und nur deshalb hätte ich die Täuschung bemerkt. Ich ließ ihr diesen Glauben. Ich vermute, ein Teil von ihr wünschte sich noch lange, dass die Geschichten doch wahr gewesen wären. Aber das ist pure, amateurpsychologische Spekulation.

Es klingt sehr böse, aber in gewisser Weise war die ganze Erfahrung heilsam für mich, denn mir wurde deutlich vor Augen geführt, was ich all die Zeit über nicht hatte sehen wollte: Dass ich in dieser Beziehung, salopp ausgedrückt, nicht den einzigen Dachschaden hatte… wenn überhaupt. Meine eigene Therapie brach ich in Einvernehmen mit meiner Therapeutin schließlich ab – ich hatte eingesehen, dass es letzten Endes nichts an mir gab, was ich unbedingt hätte behandeln müssen. Es war nichts kaputt, nichts gestört. Manche Dinge verletzen mich halt mehr als andere, und das ist vollständig normal.

Wir gaben der Beziehung noch eine Chance, insgesamt sogar noch mal über ein Jahr lang – dieses Mal auf Helenas Wunsch hin unter Zuhilfenahme einer Paartherapie. Aber es wurde uns im Laufe dieser Zeit vollends klar, dass wir einfach nicht zueinander passten, und dass auch der leidenschaftlichste Sex nicht alleiniger Grundstein einer funktionierenden Beziehung sein konnte.

Das Ende war dann eher unspektakulär… Helena warf mir irgendwann zum wiederholen Mal (auf ihre im Umgang mit mir häufig anzutreffende, direkte und undiplomatische Art und Weise) vor, dass ich mein Leben nicht im Griff hatte und mich um die falschen Dinge kümmerte – ich begann damals wieder damit, Musik zu machen –, und ich beschloss, dass ich mir derlei Dinge in dieser Form nicht mehr anhören wollte und meine Zeit ganz allgemein lieber mit Menschen verbrachte, die noch irgendetwas außer meiner Sexualität an mir gut fanden. Es gab noch nicht mal Streit, es ging vollkommen leidenschaftslos auseinander.

Ich befürchte, es ist mir bei der Niederschrift dieser Geschichte nicht immer gelungen, mich positiv oder wenigstens neutral über Helena zu äußern, obwohl ich mir das fest vorgenommen hatte.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle nochmal ausdrücklich feststellen: Helena war in der Zeit, in der wir uns kannten, ein großartiger Mensch. Sie war friedliebend, politisch engagiert, kreativ, hoch intelligent und neugierig. Die Leidenschaft, mit der sie sich jederzeit und bedingungslos für ihre Überzeugungen und das Wohlergehen anderer Menschen einsetzte, konnte nur schwer übertroffen werden. Ich bin mir sicher, es wurde eine großartige Therapeutin aus ihr. Und selbst wenn es heute meine Überzeugung ist, dass wir nie ein Paar hätten sein dürfen und dass die hier beschriebenen Vorkommnisse zu der krassesten Scheiße gehören, die ich je erlebt habe, so habe ich doch für mein weiteres Leben ungemein nützliche Lehren aus meiner damaligen Beziehung zu Helena gezogen.

Damals, als die Wunden noch frisch waren, wünschte ich Martina Ebert die Pest an den Hals. Ich wünschte ihr, dass sie hundertfach bezahlen würde für unseren verlorenen Sommer und für das Leid und all den Schmerz und die Unsicherheit, die sie Helena und mir zugefügt hatte.

Wenn ich heute an sie denke, dann denke ich an einen verletzten und einsamen Menschen, der hilflos und allein am Telefon sitzt und für eine junge Frau am anderen Ende der Republik Abend für Abend ein trauriges und kaputtes Live-Hörspiel zum besten gibt, immer und immer wieder, mal mit echter und mal mit verstellter Stimme.

Und ich kann nicht anders, als Mitleid für diesen Menschen zu empfinden, und ihm zu wünschen, dass er Hilfe gefunden hat.

Bad Honnef, Dezember 2018

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Das Mädchen am Telefon (9/10)

<- zu Teil 8

IX.

Auf der Heimfahrt machte ich mich erstmals ganz realistisch mit dem Gedanken vertraut, keine Beziehung mehr mit Helena zu haben, und der Gedanke fühlte sich – vollkommen überraschend für mich – lange nicht so schlimm an, wie ich befürchtet hatte. All die letzten Monate über hatte ich gedacht, ein Scheitern der Beziehung wäre das Allerschlimmste, was mir passieren konnte, und mein Leben würde damit seinen Sinn verlieren und ähnliches mehr.

Tatsächlich aber war die Aussicht, dem Psycho-Horror endgültig zu entschwinden, befreiend und verheißungsvoll… und zum ersten Mal seit vielen Wochen schlief ich ruhig und tief.

Am nächsten Tag, es war ein Freitag, saß ich schließlich irgendwann an meinem Schreibtisch… ich dachte, meine Gedanken zu Papier zu bringen würde mir eventuell helfen, das Geschehene zu verarbeiten und besser zu verstehen. Ich kritzelte ein paar Stichworte auf einen Zettel, schmiss den Zettel weg, fing von vorne an, ein paar mal… bis schließlich das Telefon läutete.

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Das Mädchen am Telefon (8/10)

<- Zu Teil 7

VIII.

Viele weitere Wochen waren ins Land gezogen.

Wochen, in denen Helenas Besessenheit mit Martina und Nicole noch viel stärker gworden war… sehr viel stärker als vor unserer Reise nach Bayern.

Dabei war es nach dem alten Muster weitergegangen, nur noch tausendmal intensiver: Sobald Helena den Versuch unternahm, wieder etwas Freiraum für ihr eigenes Leben zu gewinnen, so ereignete sich an einem der nächsten Tage bei Martina und/oder Nicole die nächste große Katastrophen-Geschichte – wobei diese Geschichten wilder und wilder wurden, bis zu einem Punkt, an dem ihrem einer Mischung aus Daily Soap, „Tatort“ und Nachmittags-Talk entsprungen zu scheinenden Inhalt kein einigermaßen vernünftiger Mensch Glauben schenken konnte.

Außer Helena.

Eine dieser Geschichten war diese: 

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Das Mädchen am Telefon (Teil 7/10)

<- zu Teil 6

VII.

„Ach Du Schande!“ entfuhr es meiner Therapeutin, und sie bedeckte vor Schreck ihr Gesicht mit den Händen.

Derlei emotionale Ausbrüche waren zumindest von Therapeutenseite in unseren Sitzungen eher ungewöhnlich.

Es waren seit Bayern mehrere Wochen vergangen, und meine Therapie hatte wegen Urlaub ebenfalls mehrere Wochen pausiert.

Die erste Sitzung nach dem Urlaub meiner Therapeutin verbrachte ich damit, sie auf den neuesten Stand zu bringen, ihr zu berichten, was inzwischen so geschehen war.

Und geschehen war dieses: Martina hatte sich wieder bei Helena gemeldet. Nicht einmal, sondern sehr oft. Nach und nach war Martina – mit Helenas fernmündlicher Beratung und Unterstützung – dahinter gekommen, dass bei Nicole und ihrer Mutter so einiges nicht stimmte, und irgendwann kam die Offenbarung von Nicole:

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Das Mädchen am Telefon (Teil 6/10)

<- Zu Teil 5

VI.

„Es war so echt, Du kannst Dir nicht vorstellen, wie echt es war“, sagte Helena unvermittelt, löste ihren Blick von den Reflektionen im Wasser unter uns und schaute umher, als ob es irgendetwas gäbe, woran sie sich hätte festhalten können, irgend einen Schalter, den sie hätte umlegen können, ein Seil, an dem sie hätte ziehen können, damit die ganze Geschichte wieder einen Sinn ergab.

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Das Mädchen am Telefon (Teil 5/10)

< zu Teil 4

V.

An einem heißen Samstag im Spätsommer machten wir uns also in Helenas altem VW Polo auf die Reise nach Bayern – ausgerüstet mit Karten, Proviant und einem schicken Nokia-Handy, das sich Helena extra zu diesem Anlass gekauft hatte (man erinnere sich, es war um die Jahrtausendwende, und bis dahin hatte niemand von uns beiden ein Mobiltelefon besessen).

Wir wechselten uns beim Fahren ab, gingen noch mal genau durch, was unsere Optionen waren und wie wir uns verhalten würden.

Klar war, Helena würde Nicole an einem noch zu vereinbarenden Treffpunkt abholen, und sie würde erstmal allein den Kontakt herstellen, damit Nicole nicht etwa aus Angst einen Rückzieher machen würde.

Ich hatte ein mulmiges Gefühl bei der Sache. Meine Therapeutin hatte mir dringend dazu geraten, mich auf keinen Fall ebenfalls in diese Geschichte mit reinziehen zu lassen, und dennoch hatte ich genau das getan.

„Danke, dass Du bei mir bist“, sagte Helena irgendwann während der Fahrt noch mal zu mir. „Ich würde das allein nicht durchstehen“. Sie schaute mir in die Augen, und da war kein Hintergedanke, kein Analysieren, kein Beobachten meiner Reaktion, keine Angst, etwas falsches zu sagen, kein auf der Lauer liegen.

Sie klang beinahe wieder wie früher, und es war zwischen uns beinahe wieder wie früher. Wir unternahmen zusammen etwas, mit einem gemeinsamen Ziel… ohne dass vermeintliche unerforschte Wunden aus der Kindheit oder sonstiger pathologisierter Psychoquatsch zwischen uns stand.

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Das Mädchen am Telefon (Teil 3/10)

< zu Teil 2

III.

Zum Glück blieb das Telefon still. Aber unser Wochenende war im Eimer, und obwohl ich das größte Verständnis für Helenas Situation hatte, wurden die Dinge zwischen uns nicht einfacher. Durch Helenas Mühe mit ihrer Diplomarbeit hatten wir die Wochen zuvor schon äußerst wenig Zeit füreinander gehabt, und jetzt war da nochmal etwas Neues, was uns noch mehr Zeit wegnahm.

Wobei ich damals schon lange gelernt hatte, mein Bedauern bezüglich derartiger Umstände schön für mich zu behalten – die Gründe dafür werden wir im Laufe der Geschichte noch erfahren.

Wie schon erwähnt war ich, ob nun begründet oder nicht, damals selbst in Psychotherapie, und am Montag hatte ich meinen regelmäßigen Termin. Diese Termine gestalteten sich so, dass ich zu Beginn darüber redete, was mich die letzte Woche bewegt und beeinflusst hatte, und so erzählte ich von Nicole und vom vertanen Wochenende.

Zu meiner großen Überraschung hatte diese Erzählung meine Therapeutin sehr hellhörig gemacht, und sie reagierte anders als sonst: „Also, das hat jetzt mit unseren Sitzungen nichts zu tun“, sagte sie, „aber das klingt gar nicht gut. Hat Ihre Partnerin denn keine Supervision?“

„Nicht dass ich wüsste“, antwortete ich.

Supervision bedeutete, einfach ausgedrückt, dass Therapierende sich regelmäßig selbst coachen ließen, um mit den an sie gestellten Anforderungen besser klar zu kommen und die professionelle Distanz zu wahren. Regelmäßige Supervision war bei so gut wie jeder Art von Psychotherapie immens wichtig.

Nun hatte Helena natürlich Vorgesetzte beim Kinder- und Jugendtelefon, aber die hatte sie nicht informiert.

„Ich halte das für sehr gefährlich“, sagte meine Therapeutin, „solche Dinge können sehr unangenehm werden.“

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Das Mädchen am Telefon (Teil 2/10)

< zu Teil 1

II.

Helena tat alles, was in ihrer Macht stand.

Sie ging auf Nicole ein, redete beruhigend und ablenkend mit ihr lange über alles Mögliche und ließ sich schließlich und allmählich die Geschichte – oder zumindest einen Teil der Geschichte – erzählen, welche Nicole auf diese Brücke getrieben hatte.

Nicoles Mutter hatte vor einem Jahr neu geheiratet. Vor einem halben Jahr hatte dann Nicoles Stiefvater damit begonnen, das 12jährige Mädchen regelmäßig zu vergewaltigen.

Heute Abend schließlich hatte Nicole all ihren Mut zusammengenommen und

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Das Mädchen am Telefon (Teil 1/10)

[…] Doch es gibt Leidenschaften, deren Wahl nicht vom Menschen abhängt. Mit ihnen ist er schon auf die Welt gekommen, sie wurden mit ihm zusammen geboren, und ihm ist nicht die Kraft gegeben, sich von ihnen zu befreien. Sie folgen höheren Gewalten, und es ist in ihnen etwas ewig Rufendes, das das ganze Leben über nicht verstummt.

Nikolai Gogol, „Die toten Seelen“

I.

Eine kleine Vorbemerkung: Ich trage die im Folgenden beschriebenen Ereignisse nun schon seit beinahe 20 Jahren mit mir herum. Als ich mich neulich wieder ihrer erinnerte, da bemerkte ich, dass diese Erinnerung allmählich zu verblassen beginnt – was auf der einen Seite gut ist, auf der anderen Seite aber auch wieder nicht. Denn was mir damals widerfuhr, das war so unfassbar, dass ich mir fest vorgenommen hatte, irgendwann einmal davon zu berichten… damit es nicht verloren geht, und damit es anderen Menschen vielleicht eine Warnung sein kann.

Ich denke, der Zeitpunkt ist jetzt gekommen. Alles, was ich erzähle, ist wahr und hat sich tatsächlich zugetragen. Ich habe lediglich Namen, Orte und Zeiten geändert, um die beteiligten Personen zu schützen.

Einiges, wie zum Beispiel diverse ‚Ereignisse‘ nach unserer Expedition nach Bayern, weiß ich nicht mehr in allen Details. Andere Dinge, wie meine letzten Telefonate mit der Kriminalpolizei und Helenas Reaktion darauf, sind mir heute noch so präsent, als hätten sie sich gestern erst zugetragen.

Das Grauen begann vor 20 Jahren im Büro des Kinder- und Jugendtelefons Bruchsal, mit einem verzweifelten Anruf, anderthalb Minuten vor Dienstschluss, Mittwoch abends.

Ich war damals in einer festen Beziehung mit Helena, ihres Zeichens Psychologiestudentin und angehende Psychotherapeutin, und diese Beziehung hätte eigentlich nicht sein dürfen. Wenn ich sie heute, all die Jahre später, beschreiben soll, so ist „katastrophal“ das erste Wort, das mir einfällt. Und dann vielleicht noch „leidenschaftlich“.

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Mehr

schöne Dinge. Wir brauchen mehr schöne Dinge.

In letzter Zeit laufen so ein paar Sachen falsch in unserem kleinen K-Leben und in Rhöndorf. Leider. Aus diversen Gründen.

Und es gibt einmal mehr den schon bekannten und immer wieder interessanten Effekt zu beobachten, dass sich weniger und weniger Menschen für einen interessieren, je schlechter man drauf ist. 

Und ganz davon abgesehen will ich ja überhaupt nicht schlecht drauf sein. Ist nicht gut. Nicht für die Umwelt, nicht für einen selbst. Und auch nicht für den Geldbeutel, denn ich habe das große Problem, dass ich mir bei wirklich mieser Depri-Laune schon mal eine neue Kamera kaufe. Oder sonst irgendeinen Wahnsinn. So auch diese Woche.

Nachdem ich schon so gute Erfahrungen mit der Sigma DP2Q gemacht habe, musste ihre große Schwester, die sd quattro her. Bis jetzt nur mit adaptieren M42-Schätzchen meines Vaters.

Was eigentlich gar nicht schlecht ist, denn es zwang mich die letzten Tage, noch langsamer und noch überlegter ans Fotografieren ranzugehen, mir Zeit für jedes Bild zu lassen.

Hier gibt’s ein paar Ergebnisse. Ein volles Review wie bei der DP2Q damals werde ich wohl nicht schreiben… es sei denn, mehr als drei Menschen wünschen sich das in den Kommentaren. Dann würde ich das natürlich tun (zwinker, zwinker).

Mein herzlicher Dank geht an alle, die auf diesen Fotos zu sehen sind.  An Candor K. und Buba K., die besten Seelentröster die man sich vorstellen kann. Und an Cosi, unser Pflegepferd, der wirklich ein ganz großartiger Geselle ist.

Und vor allen Dingen an Frau K., dafür, dass sie mich erträgt wenn ich so bin wie ich die letzten Tage war. Und dafür, dass sie auch nach über 10 Jahren nie müde wird mir zu zeigen, wie schön die Welt trotzdem ist.

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Mein Freund, das neugierige Alien

…ist im Löwenburger Tal stationiert, um die Menschheit zu beobachten.

Leider kann es sich nicht bewegen, und so sind seine einzigen Erkenntnisse über die Menschheit diejenigen, die es aus den Gesprächen vorbeilaufender Spaziergänger ziehen kann.

Deshalb wird es wohl auch noch eine Weile bleiben, bis es sich ein Bild von der Gesamtsituation gemacht hat.

 

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