Die bisher noch guten Menschen von Rhöndorf

Eigentlich wohnen Frau K. und ich seit 8 Jahren durchaus gern in der kleinen Burg im Wald bei Rhöndorf, haben uns sehr gut eingelebt und viele schöne Freundschaften im Ort geschlossen… aber leider haben sich in diesen 8 Jahren eben auch viele Dinge verändert.

Zum einen haben wir uns verändert, zum anderen hat sich Rhöndorf  verändert, und überdies gilt in unserer kleinen Farm der Tiere hier oben inzwischen (frei nach George Orwell) das Gesetz, dass zwar alle Tiere gleich sind, manche aber gleicher.

Im April, als alle drei Probleme in aller Deutlichkeit offenbar wurden, begannen Frau K. und ich, die Konsequenzen zu ziehen und uns ernsthaft nach einem neuen Zuhause umzuschauen.

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Nachdem wir ein bisschen Einblick in die Materie bekommen hatten, definierten wir schon bald ein paar Grundsätze für uns, von denen zwei auch eine moralische Dimension haben, und zwar:

  1. Wir würden bei keiner Zwangsversteigerung mitmachen. Zwangsversteigerungen entstehen oft, weil Privatpersonen überraschend in finanzielle Schieflagen geraten sind, und wir wollten uns nicht am Unglück anderer bereichern, und
  2. Wir würden nichts kaufen, was schon vermietet ist, um den Mietern dann wegen Eigenbedarf zu kündigen. Weil’s einfach ne Sauerei ist.

Das war am Anfang vom Sommer.

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Inzwischen ist der Sommer um, und ich kann mit Fug und Recht sagen, es war ein selten beschissener Sommer, für uns beide.

Ok, ja, ich weiß Jammern auf hohem Niveau; wir sind gesund, wir haben Arbeit, ich hab ein tolles Album rausgebracht, etc. pp.; trotzdem kann ich es nicht ändern, Depression ist Depression, und ich hatte die letzten Wochen eine echt gute. Und ich kann leider nicht jeden Monat für fünfstellige Beträge ein Album rausbringen, damit ich mich mal einen Abend lang gut fühle.

Von der ganzen Kilometerfresserei, den ganzen unnützen Besichtigungen und dem ganzen Stress abgesehen: Zwei Mal standen wir vor unserem Traumzuhause und fingen an, uns die Zukunft in den schönsten Farben auszumalen; zwei Mal dachten wir uns: Ja, das ist es, hier wollen wir den Rest unseres Lebens verbringen. Und zwei Mal lösten sich unsere Träume einfach so in Luft auf.

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  • Einmal, weil wir einfach die Spielregeln noch nicht kannten (niemals alle Karten auf den Tisch legen! Nicht wahrheitsgemäß berichten, dass Dir noch ein Dokument fehlt, das sicher demnächst ankommt. Das Dokument kommt dann tatsächlich an, aber die Immobilie ist dann auch weg, und zwar einen Tag, bevor das Dokument ankommt), und
  • einmal, weil die zuständige Maklerin es nicht für nötig hielt, uns zu darauf hinzuweisen, dass ein neuer Interessent hinzu gekommen ist und ein Angebot abgegeben hat, verbunden mit der Frage ob wir denn auch eines abgeben wollen. Wie es eigentlich üblich ist. Nein, während wir auf den fest vereinbarten Termin mit unserem Gutachter warteten, wurde das Ding kurzerhand verkauft. Danke für die maßlose Enttäuschung, das Entsetzen und den depressiven Schub (wer auch auf Häusersuche ist und erfahren möchte, mit wem man auf keinen Fall Geschäfte machen sollte -> E-Mail an mich reicht).

Wenn man zu diesen Enttäuschungen noch die Tatsache hinzuzählt, dass unsere Entscheidung, hier wegzuziehen, zu mindestens 40% darin begründet ist, dass es hier Menschen gibt, die uns nun mal nicht dieselbe Rücksichtnahme und Toleranz entgegenbringen wie wir ihnen, dann frage ich mich allmählich ernsthaft, warum wir eigentlich auf Teufel komm raus so nett zu unseren Mitmenschen sind.

Wir wurden jetzt so nachhaltig verarscht und scheiße behandelt, sind beide derart reif für die Insel und keine zwei Millimeter weiter als wir es im April waren… warum nett sein, wenn die Leute nicht nett zu uns sind?

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Vor kurzem gab es dann wieder ein Haus zu kaufen. Ein ziemlich schönes Haus. Für einen Preis, der für uns durchaus im Rahmen des Möglichen lag.

Es war vermietet.

Es wohnte eine Familie mit Kindern drin.

Als wir das erfuhren sagten wir „vielen Dank, aber dann haben wir eher kein Interesse mehr“.

Worauf uns die Maklerin sagte: „Das ist wirklich lieb von Ihnen, und Sie sind gute Menschen… aber anderen Interessenten wird das vollkommen egal sein.“

Und sie behielt recht. Das Haus ist inzwischen verkauft, die Familie muss gehen. Es hätte unseres sein können, aber unsere Moral war ja im Weg. Wir hätten morgens nicht mehr in den Spiegel schauen können, wenn wir die Leute da vertrieben hätten. Dafür suchen wir aber immer noch, und es gibt momentan zwei Dinge vor denen ich wirklich Angst habe:

Erstens, vor der nächsten Enttäuschung (auf einer Skala von 1 bis 10 würde ich die letzte bei 9 einordnen… weiss nicht, was passiert, wenn wir bei 10 sind). Und, zweitens, dass ich irgendwann so weit bin, dass ich sage:

Vermietet? Familie mit Kind? Mir doch egal. Her damit.

P.S.: Alle Bilder im Artikel sind aus einer Gegend, die unser neues Zuhause hätte sein können.

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Thanksgiver

Vor fünf Jahren sah es so aus, als ob alles vorbei wäre.

Steffi war die erste, die ihren Abschied nahm. 2012 waren wir noch mit Feuereifer dabei gewesen, ein neues Album aufzunehmen und uns auf eine Clubtour vorzubereiten, als plötzlich eine Katastrophe nach der anderen über mich hereinbrach. Ich habe an anderen Stellen in diesem Blog schon oft genug darüber geschrieben… Schlaganfall bei meinem Vater, Tod meines Vaters, Pleite meiner Firma, Tod meines Hundes, Pleite der nächsten Firma, Tod meiner Mutter… und ich mittendrin, und weder emotional noch sonstwie dazu in der Lage, damals laufende Musikprojekte weiter voran zu bringen.

Als meine „Band“ bemerkte, dass bei mir plötzlich alles gar nicht mehr so cool, lustig und easy going war wie zuvor, ging sie auf Abstand. Und als ich dann wieder ein ganz kleines bisschen Motivation zusammengekratzt hatte, musste ich feststellen, dass ich keine Band mehr hatte. Wie gesagt, Steffi war die erste gewesen, aber da sie damals den Mut und den Anstand und die Ehrlichkeit hatte, mir ins Gesicht zu sagen, dass musikalisches Vorankommen für sie sehr wichtig war, und sie deshalb fortan solo arbeiten wolle, konnte ich ihr gar nicht mal so sehr böse sein. Bei mir ging es nun mal nicht weiter.

Etwas anderes war es bei Gitarre und Bass, die sich einfach sang- und klanglos verabschiedet und auf Unmutsäußerungen meinerseits leider menschlich ziemlich inkorrekt reagiert hatten. Aber ich schreibe dies hier nicht, um in alten Wunden zu stochern, sondern eher um festzustellen, dass es mit Botany Bay 2013 sehr traurig und unwürdig zu Ende gegangen war. Verlassen und verbittert saß ich vor einem Scherbenhaufen (aus dem später, als ich erneut genug Kraft für einen Schlussstrich geschöpft hatte, wenigstens die naturgemäß wenig beachtete Compilation „In Between Years“ wurde) und leckte meine Wunden.

Drei Jahre später, im Sommer 2016 traf ich Steffi wieder. Sie war in der Nähe und hatte spontan angefragt, ob ich Lust auf einen Besuch hätte. Die hatte ich, was mich selbst überraschte, und so trafen wir uns bei mir auf der K-Burg.

Es war ein langer, lauer Sommerabend. Wir kochten zusammen Spaghetti mit Sardellen, Kapern und frischen Tomaten, tranken leckeren Rotwein, und erzählten einander, wie uns das Leben in der Zwischenzeit mitgespielt hatte. Schnell wurde uns beiden klar, dass unser beider Leben sich keinesfalls so entwickelt hatte, wie wir das gerne gehabt hätten. Steffi hatte ihr eigenen Abgründe entdeckt und durchschritten, genau so wie ich die meinen.

Einige Gläser Rotwein später saß ich dann plötzlich am Klavier und klimperte vor mich hin, und Steffi stand neben mir und kritzelte einen Text vor sich hin und fing an zu singen, und es war beinahe alles wie früher. Es ging sogar so weit, dass ich das Notebook rausholte, die Drum-Machine anwarf und wir ein kleines Demo aufnahmen. Ebenfalls wie früher.

Und dabei beließen wir es dann. Irgendwie war es sehr schön gewesen, aber weiter in die Zukunft mochte niemand von uns denken. Wir blieben danach in freundschaftlichem Kontakt, aber Musik wurde keine weitere produziert.

Irgendwann Ende Februar 2017 wachte ich eines Morgens auf und dachte, wie so oft, an Botany Bay. Dachte daran, wie unwürdig es geendet hatte, und wie sehr mich dieser Umstand ärgerte. Und dann kam mir eine Idee. Eine Idee, die gleichermaßen einfach wie gewagt war, so dass ich erstmal einen Tag lang darüber brüten musste. Doch am Abend war ich so weit.

Ich rief also Steffi an und sagte (ungefähr, aus der Erinnerung): „Pass auf. Ich find’s schade, wie Botany Bay zu Ende gegangen ist. Ich finde, das hat das Projekt nicht verdient. Ich würde es gerne schön und in Würde abschließen. Ich möchte gerne mit Dir eine letzte, schöne Platte machen. Für uns. Nicht für den Erfolg oder den Durchbruch oder damit uns irgendwelche Leute mögen, sondern für uns. Ne richtige Platte zum Anfassen. Für uns.“

Am anderen Ende herrschte zwei Sekunden Stille, und dann die sehr resolute Antwort: „Ja, unbedingt. Lass uns das machen. Ich bin dabei. Wann fangen wir an?

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(…und an dieser Stelle wird es höchste Zeit, dass ich ein ganz offizielles, großes, dickes, fettes und kursives DANKE an Steffi sage. Es ist nicht leicht, über den eigenen Schatten zu springen, und Du hast es gleich mehrmals für mich gemacht. Alles, was nicht so cool war, ist vergeben und vergessen.)

Wir waren uns von Anfang an darüber klar, dass wir die Aufnahme unseres neuen Albums vor der Welt geheim halten würden. Einsicht in unser Tun auf diversen „sozialen“ Netzwerken hatte weder Steffi noch mir in der Vergangenheit gut getan.

Die erste Session fand am 8.3.2017 im neu eingerichteten Aufnahmestudio im Obergeschoss der K-Burg statt. Doch die tatsächliche Geburtsstunde von „Thanksgiver“ kam erst einen Monat später, am 7.4.2017. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir drei durchaus schöne Demos aufgenommen… doch dann war mir die Idee zu einem Lied gekommen, das ich „Howl“ nannte, das später in veränderter Form und unter anderem Namen seinen Weg auf die Platte finden sollte, und das alles über den Haufen warf.

Ich kann es nicht erklären (und wenn ich es erklären könnte, dann würde ich es vermutlich nicht erklären wollen), aber „Howl“ klang und wirkte vollkommen anders als alles, was wir vorher zusammen gemacht hatten… und nachdem die erste Version davon im Kasten war, saßen wir da, schauten uns an, und wussten genau, dass wir gerade den ersten Schritt auf einer musikalischen Reise gemacht hatten, von der es kein Zurück geben konnte. Die anderen vier Tracks wurden verworfen und wir begannen, dieses neue Land, das wir da betreten hatten, näher zu erforschen.

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In der Folgezeit passierte ein Wunder nach dem anderen. Und mit Wunder meine ich: Wir lernten zufällig und vollkommen ungeplant eine Menge neue Musiker kennen, die sich auf „Thanksgiver“ einbrachten (und ich behaupte an dieser Stelle mal: Es wäre für viele andere Musiker schwierig bis unmöglich gewesen, sich in „Thanksgiver“ einzubringen. Aus irgend einer Fügung fanden wir aber genau diejenigen, die dieses Projekt brauchte).

Bestes Beispiel: Mike aus England. Dieser war nur zufällig zu Besuch bei unseren Nachbarn, aber es stellte sich raus, dass er nicht nur Oboe spielte, sondern seine Oboe auch noch dabei hatte. Und ehe er sich versehen konnte, stand er im Studio und spielte Oboe für uns.

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Oder Tobi, ein Bekannter eines unserer Gitarristen (insgesamt sind es drei, ebenfalls aus sehr zufälligen Fügungen heraus). Der war nur zufällig mal mitgekommen und hatte sein Cello mitgebracht. Es war mitnichten geplant gewesen, ihm eine maßgebliche Rolle auf diesem Album zu geben. Und doch wäre „Thanksgiver“ ohne Tobis Cello nicht vorstellbar.

Die Geschichte von „Thanksgiver“ ist voll von solchen Geschehnissen. Es wurde tatsächlich eine Reise für uns – eine spannende und intensive Reise voller neuer Bekanntschaften, neuer Ideen und neuer Klänge. Am Ende der Reise stehen jetzt 180g Vinyl, die (zum ersten Mal in unserer Geschichte) genau so geworden sind, wie wir das haben wollten.  Es gab keine künstlerische Differenzen, keine Schwierigkeiten, keine Komplikationen, und keinerlei Überlegungen, wie man unsere Musik den „Freunden“ auf Gesichtsbuch schmackhaft machen könne… es gab nur einen glitzernden Fluss an Ideen und Gefühlen. Es klingt vermutlich seltsam für Leute die nicht dabei waren, aber die Produktion von „Thanksgiver“ war ein spirituelles Erlebnis, das ich in meinem Leben nicht missen möchte.

Tja, und jetzt sind wir, wie gesagt, am Ende der Reise angekommen. „Thanksgiver“ ist fertig, und wir werden die Platte am 6.10.2018 in die große, weite Welt entlassen.

Leider bedeutet das auch, dass jetzt der für mich schwerste Teil kommt… unser „Produkt“ irgendwie feilzubieten und anzupreisen. Nur wenige Dinge erfüllen mich mit mehr Horror, als mit etwas, was mir heilig ist, hausieren gehen zu müssen. Wir haben kein Plattenlabel mehr, das sich nicht richtig darum kümmert, also müssen wir das im Prinzip selbst tun, und da ist das Problem. Es ist kein Geheimnis, dass ich das Internet schon lange nicht mehr gut finde. Dass ich mit Twitter auf Kriegsfuß stehe, Instagram für albern halte und Facebook regelrecht verabscheue. Die Beschäftigung mit solchen Plattformen hat das Zeug dazu, mich so richtig nachhaltig aus der Bahn zu werfen.

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Das macht es natürlich sehr schwer, in Zeiten wie diesen die Werbetrommel für „Thanksgiver“ zu rühren.

Aber auf der anderen Seite muss ich das vielleicht gar auch nicht.

Selbst wenn wir kein einziges Exemplar von „Thanksgiver“ verkaufen würden, dann wäre es immer noch das, was es ist, und ich wäre unverändert stolz darauf.

Es gab kurz nach Abschluss des Masterings von „Thanksgiver“ eine kurze Phase, in der ich drauf und dran war, die Platte einfach nicht rauszubringen und für mich zu behalten.  Aber das wäre feige gewesen, es wäre egoistisch gewesen, und extrem ungerecht jenen großartigen Menschen gegenüber, die die ganze Zeit auf neue Musik von uns gewartet haben… und für die ich letzten Endes diese Zeilen hier schreibe.

Daher, für euch: „Thanksgiver“ erscheint am 6.10.2018 im Eigenverlag in streng limitierter Auflage von 300 Stück. Wer eine Platte kauft, bekommt selbstverständlich einen MP3- (oder flac- oder ogg-) Download kostenlos dazu.

Auf thanksgiver.botanybay.cc kann man sich schon mal ein Bild von der Sache machen. Und auf Bandcamp kann man die Platte vorbestellen und einen Song schon mal probehören.

Vor fünf Jahren sah es so aus, als ob alles vorbei wäre.

Ich bin unendlich dankbar, dass es anders gekommen ist.

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Should I Quit?

In meiner Eigenschaft als Softwareentwickler arbeitete ich vor langer Zeit einmal in einem Unternehmen, in dem alles irrsinnig groß und ambitioniert war, und wo eigentlich auch alles wunderschön hätte sein können. Wenn… tja, wenn ich nicht den Großteil meiner Tage damit zugebracht hätte, von einem Meeting ins nächste Meeting zu wandern und/oder stundenlang den Monologen von Menschen zu lauschen, die nicht arbeiten wollten.

Inspiration

Glücklicherweise entwickelten sich damals in meinem Kopf drei Ziele, die ich aufgrund dieser eigentlich unschönen Situation zusammen unter einen Hut bringen konnte:

1. Ich wollte wissen, ob sich all die unnütze Meeting- und Leuten-beim-Reden-zuhören-Zeit sinnvoll nutzen lässt. Zum Beispiel, um eine kleine App zu programmieren.

2. Ich wollte wissen, welchen Anteil meiner Arbeitszeit ich mit oben genanntem Blödsinn verbringe, und wie das in Relation zu der Arbeitszeit steht, in der ich sinnvoll und konzentriert arbeite.

3. Apple hatte gerade Swift herausgebracht (für die Nicht-Entwickler: eine neue Programmiersprache, in der alles viel schöner, besser und einfacher sein sollte)… und ich war neugierig und interessiert, ein paar erste Erfahrungen mit Swift zu sammeln. Außerdem gab’s von Apple ein paar schöne neue Technologien (wie z.B. Geofencing, IBDesignables, etc…), die ich gerne einmal ausprobieren wollte, und die in meiner ‘normalen’ Arbeit niemals zum Einsatz gekommen wären (es sei denn, unser Werbedienstleister hätte sich das gewünscht. Aber das ist eine andere Geschichte…)

Auf jeden Fall begann ich, bei Meetings und Monologen immer mein Notebook dabei zu haben und mir nebenbei “Notizen” zu machen… nur dass es sich bei diesen Notizen eben in Wirklichkeit um eine neue App namens “Should I Quit?” handelte: Eine Art Timetracking-App, um den Anteil der Arbeitszeit zu ermitteln, den man selbst als sinnvoll erachtete… und dann die Konsequenzen daraus zu ziehen…:

Unnötig zu sagen, das Experiment wurde ein voller Erfolg.

Nach einer Woche hatte ich einen lauffähigen App-Prototypen zusammengeschustert, und nach weiteren drei Wochen hatte ich, unterstützt durch ebendiesen Prototypen, genug Daten gesammelt, um belegen zu können, dass ich 74% meiner Arbeitszeit mit imho unnötigen Dingen verbrachte.

Tja, und dann machte ich mich unter Vergegenwärtigung dieser Tatsache auf die Suche nach einer anderen Betätigung und reichte nach weiteren zwei Monaten meine Kündigung ein.

Gnothi seauton

Fast-Forward in die nicht ganz so entfernte Vergangenheit, Anfang 2018:

Bei meinem aktuellen Arbeitgeber, TAG in Köln (bei dem der Bullshit-Anteil sich gottlob im einstelligen Prozentbereich verliert), veranstalten wir ein kleines Brainstorming, welche kleinen Eigenprojekte wir uns vornehmen könnten.

Ich erinnere mich an “Should I Quit” und mache den Vorschlag, aus dem damals schnell zusammengehackten Prototypen eine richtige App zu machen.

Die AppGuys machen es möglich... greek Mythology meets Work-Life-Balance...
Die AppGuys machen es möglich… greek mythology meets work-life-balance…

Der Vorschlag wird angenommen, und schon bald machen wir uns an die Umsetzung. Von unserem Design-Team kommt die Idee, Inspiration aus der griechischen Mythologie zu schöpfen (wer könnte besser den unnützen Meeting-Wahnsinn repräsentieren, als Sisyphos, der wieder und wieder seinen dämlichen Stein den Berg hinauf rollen muss?); und so werden Prometheus, Sisyphos und Dionysos zu den Hauptfiguren der App… und etliche Gestalten aus dem griechischen Pantheon erteilen nach genug gesammelten Datensätzen mal mehr und mal weniger kryptische Ratschläge.

Die Umsetzung auf Android geht auf das Konto von Anton, unserem damaligen Android-Praktikanten. Und er erledigt diese Aufgabe unter Aufsicht meiner Kollegin Karen so gut und enthusiastisch, dass er nach seinem Praktikum sofort einen Job bei uns bekommt.

Die iOS-Version (man erinnere sich: meine App war nur ein flink zusammengehackter Prototyp) programmiert meine Kollegin Astrid; eigentlich ist sie Android-Entwicklerin, möchte aber gerne über den vielbeschworenen Tellerrand schauen. “Should I Quit?” ist ihr erstes iOS-Projekt, und sie meistert es mit Bravour und wirklich nur ganz minimalster Hilfe meinerseits.

Tja, und jetzt gibt es „Should I Quit“ also endlich sowohl bei Apple im AppStore als auch im Google Play Store käuflich zu erwerben.

Google und die Genitalien

Dass sich die Veröffentlichung dann noch so in die Länge zog, liegt einerseits daran, dass wir uns zwischendurch auch noch um andere Projekte kümmern mussten.

Und andererseits liegt es an Google, die sich bei dieser Gelegenheit als päpstlicher als der Papst und Apple zusammen herausstellten, und Anstoß an unserem App Icon nahmen:

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Zu unserer großen Belustigung ließ man uns dieses Icon nicht durchgehen, denn, so der verwirrte PlayStore-Mitarbeiter, es zeigte ja schließlich

[…] Real-life, simulated, or fantasy subjects portrayed with:
Clothing that provides excessively tight, or minimal coverage of breasts, buttocks, or genitalia
Sexually suggestive poses
Disproportionately large breasts, buttocks, or genitals
Breasts, buttocks, or genitals that extend past the border of the icon […]

Uh oh. Da könnte möglicherweise mit ganz viel Phantasie ein ARSCH zu sehen sein. Oder GENITALIEN!! RIESIGE GENITALIEN!!11!! Oder was weiß ich, was diese armen Review-Menschen in diesem harmlosen Männchen sehen. Auf jeden Fall irgendwas Schlimmes, denn nachdem unser Designer dem Männchen eine Windel(!) verpasst und zur Sicherheit noch die (von Prometheus inspirierte) Wunde schwarz einfärbt…

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…ist das Icon für Google kein Problem mehr.

Was ich als iOS-Entwickler extrem witzig finde, denn Apple, denen man immer gerne nachsagt, dass sie in ihrem Store restriktiv, übervorsichtig, verklemmt und nach Gutsherrenart agieren, hatten an unserem Icon null komma überhaupt gar nichts auszusetzen. Man sieht, Google haben es sich in den Kopf gesetzt, Apple in allen Belangen zu übertrumpfen.

Auf jeden Fall freut es mich festzustellen, dass all die Meetings und Monologe doch nicht umsonst waren… und dass aus meiner Idee von damals nun eine sehr schöne und liebevoll gestaltete App geworden ist, die mit ein bisschen Glück andere Menschen davor bewahrt, in ihrem Job unglücklich zu werden.

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Stille

Es gibt Dinge, die können nur aus der Stille kommen.

Stimmen, die man nicht hört, wenn alles laut ist.

Farben, die man nicht sieht, wenn alles bunt ist

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Beinahe ein Jahr lang habe ich hier nun nichts mehr geschrieben.

Nun ist es im Großen und Ganzen betrachtet natürlich von äußerst geringer Relevanz, was Stephan Kleinert wann und wo niederschreibt… und wenn ich meinen letzten Artikel noch mal Revue passieren lasse, so scheint er mir eigentlich ein ganz passabler Abschied von einem Internet zu sein, das mir fremd geworden ist.

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Trotzdem ist mir gerade danach, meine Gedanken mit dem Internet zu teilen. Oder mit dem, was noch davon übrig ist.

Dieses Jahr nämlich, in dem ich hier nichts geschrieben habe, war ich keinesfalls untätig. Hauptsächlich habe ich es damit verbracht, mit Botany Bay ein neues Album aufzunehmen.

Vor ein paar Jahren noch hätte ich die Öffentlichkeit daran teilhaben lassen. Hätte in regelmäßigen Abständen protokolliert wie die Aufnahmen laufen und was sich ereignet… hätte Soundschnipsel verteilt und Promo-Videos produzieren lassen.

Aber ich musste auf schmerzhafte Weise erfahren, dass Öffentlichkeit nicht gut für mich ist. Klar, ich fand sie immer gut, solange sie mich wahrnahm und mir Feedback zu meinen künstlerischen Unternehmungen gab. Solange ich auf einer Bühne stand und das Publikum zahlreich war und mich bejubelte. Aber ich fand sie aus den falschen Gründen gut… und würde das immer noch tun, wenn ich sie behalten hätte.

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Zufällig vollzog sich zur gleichen Zeit, in der sich dunkle Schatten über die Gesundheit meiner Familie legten und mein musikalischer Output sich infolgedessen bald auf null reduzieren sollte, die endgültige Verwandlung des Internets von einem nicht allen bekannten Ort der Vielfalt hin zu einem lauten Clickbait- und Werbe-Marktplatz, auf dem das Außergewöhnliche nicht mehr gesucht und nicht mehr bemerkt wird, und wo die Nische nur noch für sich selbst da ist.

Nachdem mein Vater gestorben war, unternahm ich einige Versuche, Botany Bay neu zu starten… obwohl mir eigentlich die Kraft dazu fehlte, und ich der vollkommen blödsinnigen Meinung war, die richtige Anzahl an Likes würde mich schon irgendwie am Laufen halten.

Das Feedback, das ich aus dem Netz bekam, wurde aber weniger und weniger. Nachdem 2014 eine neue Single (für die ich natürlich jede Menge kräftezehrenden Aufwand getrieben hatte) vollkommen unbeachtet unterging, gab ich desillusioniert auf. Ich meldete mich bei Facebook, Twitter und Diaspora ab und leckte meine Wunden; und als 2015 dann meine Mutter starb, da war die mediale Reflexion meines künstlerischen Selbstbilds im Internetz wirklich das Allerallerletzte, worüber ich mir Gedanken machte.

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Inzwischen bin ich spaßeshalber bei Twitter wieder angemeldet und krebse bei rund 70 Followern rum, von denen im Schnitt drei bis fünf reagieren, wenn ich was von mir gebe (und über die ich auch wirklich froh bin, und die ich sehr mag!!)

Aber etwas ist anders… und in letzter Zeit, wo die Veröffentlichung unseres neuen Albums näher und näher rückt, habe ich viel darüber nachgedacht, was es ist.

Zwar muss ich zugeben dass es mich nach wie vor nervt, wie ein simples „ich geh jetzt einkaufen“ von vermeintlich wichtigen Netzpersönlichkeiten tausendmal mehr Gewicht hat, als wenn ich beispielsweise einen Artikel wie diesen hier schreibe… in der Tat weiss ich aber, dass ich heilfroh sein kann, nicht die Anhängerschaft in den sozialen Netzwerken zu haben, die ich mir immer gewünscht hatte.

Warum das so ist?

Nun, der Stephan Kleinert, der 1000 Follower auf Twitter hat, und bei dem sich ganz viele Leute wie Bolle freuen, wenn er einen neuen Song veröffentlicht, der hätte dieses Album, das letztes Jahr auf der K-Burg entstanden ist, niemals aufnehmen können.

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Es ist etwas, das aus der Stille kommen musste.

Ich hätte nie gehört, wie diese Töne mich aus der Stille rufen. Ich hätte nie Dinge abseits der unmittelbaren Welt um mich herum in dieser Art und Weise wahrgenommen, hätte die unmittelbare Welt um mich herum mich beklatscht und bejubelt. Für mein künstlerisches Schaffen die gleiche Aufmerksamkeit zu bekommen wie ein Influencer für die Bemerkung dass er Verdauungsprobleme hat, das hätte die Musik erstickt.

Dazu kommt: Hätte die sogenannte „Twittergemeinde“ (oder sonst irgendeine Gemeinde) mich im großen Stil ermutigt und motiviert, so hätte ich doch nur wieder das getan, was ich jahrelang getan habe, als das Netz noch ein anderer Platz war: Ich hätte versucht, diesen Menschen noch mehr zu gefallen. Ich hätte es zwar vor mir selbst nicht zugegeben, aber es wäre so gewesen.

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So aber hatte ich Stille.

Und in der Stille hörte ich Töne.

Und es war vollkommen egal ob sie jemand gut finden würde oder nicht, denn es waren meine Töne, sie waren erst mal nur für mich. Bald hatte ich – durch reinen Zufall, ich hatte das nie so geplant – 12 Musiker um mich herum, die diese Töne mit mir hörten… und alles andere war egal, wir dachten nicht ans Netz oder an Likes oder ob uns jemand retweeten würde; wir waren in einem eigenen Kosmos hier, und es war – um ein viel strapaziertes Wort dieses Mal an ganz genau der richtigen Stelle zu gebrauchen – magisch.

Tatsächlich leisteten Steffi und ich ganz am Anfang sogar einen feierlichen Schwur, dass nichts von unseren Aufnahmen ins Netz kommen würde, ehe die Sessions vorbei wären. Wir wussten genau: irgendwas davon ins Netz zu tun würde die Sache nur kaputt machen, und so ließen wir das schön bleiben*.

Jetzt ist das Album so gut wie fertig. Und es ist das Beste, was ich je gemacht habe, in meinem ganzen Leben… und das will was heißen, denn ich gehe munter auf die 50 zu, und ich habe schon ziemlich viel gemacht.

Und ich gestehe, ich habe Angst davor, dieses Werk schon bald mit dem Netz zu teilen. Nicht weil ich mich vor einstelligen Likes und Retweets fürchte, oder vor drei wöchentlichen Besuchern auf der Homepage.

Sondern weil es mir wie ein Kind – mein Kind – vorkommt, das in der Stille eine glückliche, behütete und erfüllte Kindheit hatte.

Ich habe Angst davor, es aus der Stille zu schicken.

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* Mit einer kleinen Ausnahme: Wir gingen zum Schluss den Kompromiss ein, einen ganz kleinen Kreis von Menschen, die zu uns gehalten hatten, mit einem kleinen Vorschau-Video zu belohnen. Weil sie es verdient haben, und weil wir unendlich dankbar sind, dass es sie gibt. Öffentlich haben wir das aber auch erst gemacht, nachdem es seinen Zweck erfüllt und unsere Freunde es gesehen hatten… und uns egal sein konnte, wie das Netz darauf reagiert.

Wir haben verloren

Bei einem meiner Ex-Arbeitgeber, wo alles sehr groß und ambitioniert war, da veranstaltete eine junge Frau, die ohne Probleme meine Enkeltochter hätte sein können, für ihre Abschlussarbeit eine Umfrage zum Thema Nutzung sozialer Netzwerke durch ‚digital natives‘ vs. ‚digital immigrants‘, und sie fragte mich, ob ich ihr als Vertreter der letztgenannten Gruppe fünf Minuten meiner Zeit opfern würde, um ein paar Fragen zu beantworten.

Nun kenne ich mich, was das Internet betrifft, allein schon brotjobbedingt mit echt vielen Dingen aus, aber wenn von wichtigen Menschen über die Sozialstruktur des Netzes philosophiert wird, dann halte ich mich meistens raus… und deshalb hatte ich auch keine Ahnung von den Begriffen ‚digital natives‘ oder ‚digital immigrants‘.

Die ’natives‘, so erfuhr ich, das sind diejenigen, für die das Netz zu ihrer bisherigen Lebenszeit schon immer existierte. Es war nie nicht da, sie sind damit aufgewachsen. Die ‚immigrants‘ hingegen mussten sich erst daran gewöhnen, sie kannten es in ihrer Kindheit oder Jugend nicht, weil es da einfach noch nicht da war.

Aus sicherlich falscher Eitelkeit heraus störte mich diese Klassifizierung damals.

Es müsste, so meine Argumentation, eine dritte Gruppe geben – diejenigen, die zum Zeitpunkt ihres Erwachsen-Werdens am Aufbau des Netzes beteiligt waren. Diejenigen, die den ‚digital natives‘ ihren Sandkasten, den sie nun für die Welt halten, gebaut und zum Spielen hingestellt haben.

Ich war mit dem Akustikkoppler (und später mit dem Modem) in Mailboxen unterwegs, hatte einen eigenen Point im Fidonet, hackte PPP-Treiber für meinem A3000UX, starrte wie gebannt auf die ersten vom CERN und einigen wenigen Universitäten ausgelieferten Webseiten, damals noch via Terminalzugang über Lynx. Ich war einer der ersten, die eine Homepage hatten, und meine damalige Band war eine der ersten, die ihre Werke als mp2 (mp3 war noch nicht erfunden) kostenlos im Netz offerierten, lange vor der Entstehung von Creative-Commons-Lizenzen; ich beteiligte mich an Diskussionen im usenet… Ich war da. Ich war dabei. Ich hab dieses Netz mit aufgebaut. Ausgerechnet ich war jetzt also ein ‚immigrant‘, der erstmal damit klar kommen musste, welches für ihn fremde Wunderwerk der Technik ihm da vor die Füße geschmissen wurde? Das erschien mir als falsch.

„Na ja“, meinte meine Interviewpartnerin, „das leuchtet mir ein. Vielleicht könnte man Leute wie Dich als ‚digital builder‘ bezeichnen“.

Ein Arbeiter, von mir aus, das war auf jeden Fall näher an der Realität.

Wenn ich mir die Sache heute wieder durch den Kopf gehen lasse, dann muss ich feststellen, meine Klassifikation hat sich wohl in den letzten zwei Jahren geändert. Vom Arbeiter bin ich zum Auswanderer geworden. Noch nicht vollständig, aber immer mehr. Ich möchte mit diesem Netz immer weniger zu tun haben. Ich kann nicht ganz los lassen (noch nicht?), aber wenn wir mal hier den weit verbreiteten Fehler machen, das Internet als Raum zu begreifen, dann ist es ein Raum, der mich mehr und mehr anwidert, und in dem ich meine Zeit als verschwendet ansehe.

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Wie konnte es so weit kommen?

Als ‚das Internet‘ für den Privatmenschen so richtig losging (das muss so die Zeit zwischen 1998 und 2006 gewesen sein), da projizierten eine Menge unterschiedliche Menschen eine Menge unterschiedliche Wünsche und Hoffnungen auf dieses zarte neue Pflanze, die da gerade spross und gedieh.

Eine Plattform, um Menschen grenzübergreifend Information zugänglich zu machen, das hörte sich an, als wäre eine Utopie wahr geworden. Nicht wenige dachten (und ich gestehe, ich gehörte dazu), die Menschheit würde durch das Internet besser werden und sich weiter entwickeln.

Nehmen wir nur mal die Musik – endlich gab es die Möglichkeit, interessierten Menschen abseits vom Mainstream neue Musik ohne komplizierte Vertriebskanäle zur Verfügung zu stellen. Label? Plattenfirmen? Verträge? Brauchen wir nicht. Wir stellten unsere Werke frei verfügbar ins Netz und boten bei Gefallen die Möglichkeit an, eine richtige CD mit schönem Booklet zu bestellen, oder uns etwas zu spenden… so musste das funktionieren; alte, überkommene Strukturen aufbrechen, und neues erschaffen und dabei andere Künstler kennenlernen, einen aktiven Austausch von Inspiration etablieren. Das klang richtig gut, richtig verheißungsvoll.

Wie so Vieles.

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2017, und wir haben Trump, Front National und die AfD. Und auch wenn gerade zig Institute zig teure Studien durchführen um herauszufinden, ob das Internet darauf wirklich so einen großen Einfluss hatte, kann ich das ganze hier gerne mal extrem kostensparend abkürzen: Ja, hatte es, natürlich. Man muss schon ziemlich merkbefreit sein, um das nicht zu erkennen.

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Mark Zuckerbergs große Dauerwerbesendung hat jedem besorgten Bürger, der vor 10 Jahren nur für sich allein vor seiner Fototapete sitzend gegen die Juden und/oder Kanaken und/oder Neger und/oder Europa schimpfte plötzlich das Gefühl gegeben, Teil einer großen und wichtigen Bewegung zu sein, in der alle Menschen eine ähnliche Meinung haben (und wenn nicht, dann allenfalls zu einer kleinen Gruppe von Gutmenschen gehören, die es zu bekämpfen gilt).

Machen wir uns nichts vor, diese Leute gab es schon immer. Aber dass sie zusammen gefunden haben, in ihren traurigen Ansichten zigtausendfach bestärkt wurden und nun einen veritablen gesellschaftlichen Faktor darstellen, das haben wir in der Hauptsache unseren „sozialen“ Netzwerken zu verdanken. Dass sie in einer Filterbubble leben, das wissen sie nicht. Und was Fake News sind, schon mal gar nicht. Diese Menschen hatten früher ihre Bildung aus der Bildzeitung, da ist es nicht verwunderlich dass sie die Mär von Vergewaltigungen in Schwimmbädern durch organisierte Flüchtlingstrupps für bare Münze nehmen. Um zu begreifen dass sie instrumentalisiert und verarscht werden, müssten sie in der Lage sein, die Metaebene zu sehen, und diese Kompetenz haben sie nie erlernt.

Das ist es, was aus dem Netz wirklich wurde: Gift für die Massen. Ein Nährboden für Scharlatane und Hetzer, die hier jede Menge wehrlose Opfer finden… und eine einzige riesige virtuelle Klowand, bei deren Anblick sich jeder Vollpfosten denkt, sie gäbe ihm das Recht, ungefiltert und unter Missachtung jeglicher Regeln des Anstandes und der Vernunft Äußerungen darauf zu schmieren, die er in einem realen Gespräch einem realen Menschen niemals ins reale Gesicht sagen würde.

Und dabei geht es nicht mal ’nur‘ um Politik. Es geht ganz allgemein darum, wie man sich benimmt, Oder eben nicht benimmt. Blödsinnige youtube-Kommentare, Petabytes an Spam die jeden Tag verschickt werden, so genannte SEO- und Content-Marketing-Spezialisten und sonstige ganze Berufszweige die sich um die Frage herum gebildet haben, wie man am besten eine Suchmaschine verarscht, Unmengen an stumpfsinnigster Konsumgeilheit und Werbung, die sich als Fashion- und Lifestyleblogs tarnt, Botnetzwerke, Zensur, Verschlüsselungstrojaner, Klarnamenpflicht auf Google+ (kennt das noch wer?), der Niedergang der Piraten… ich könnte ewig so weiter machen. Das Internet ist sowas wie ein Universal-Toolkit geworden, mit dem sich alle Erungenschaften des Zeitalters der Aufklärung wirksam bekämpfen lassen.

Und natürlich ist es mit meinem größten Antrieb, der Musik, auch den Bach runtergegangen. Als wir „Grounded“ veröffentlichten, da hatte man noch eine minimale Chance, auf Plattformen wie Jamendo wahrgenommen zu werden, und es gab noch revolutionäre und vielversprechende Formate wie Garageband.com. Nun ja, letzteres wurde von myspace gekauft und gegen die Wand gefahren (ehe myspace selbst in der Bedeutungslosigkeit versank), und Jamendo ist nur noch ein trauriger Witz, auf dem Leute, die kein Instrument spielen können, zwanzigtausend generische House-Tracks und Ambient-Mixe von anderen Leuten die kein Instrument spielen können, herunterladen und bejubeln (ich wage übrigens an dieser Stelle mal die Prognose, dass Jamendo 2017 den Weg von Ipernity gehen wird – diese andere französische Plattform, die so hoffnungsvoll gestartet war, aber ich schweife ab).

Sei das alles wie es wolle, ich habe dieses Netz mit aufgebaut, weil ich so große Hoffnungen hatte. Als ‚digital builder‘ muss ich zugeben, wir haben versagt. Die Technik ist weiter als die Menschen es sind. Mal wieder. Das hätte allen Beteiligten bewusst sein müssen. Man hätten früh voraussehen können, dass auch die Rattenfänger ins Netz kommen würden, die Trumps und Petris, die Content-Marketing-Menschen, die Pseudo-Visonäre, die Absahner, und die Leute mit der Bildung aus der Bildzeitung. Jetzt ist es zu spät. Sie sind alle da, und sie machen was sie wollen, sie machen das Netz kaputt und es gibt offensichtlich kein Rezept dagegen. Und wenn es nur das Netz wäre, dann wäre alles noch ok, aber nein, sie machen die Welt kaputt. Gratulation, Internet, Du hast dabei geholfen, eine Welt zu erschaffen, in der man jeden Morgen Angst haben muss, dass ein durchgeknallter Faschist mit einem toten Hamster auf dem Kopf den dritten Weltkrieg auslöst.

Auch wenn das alles gar nicht danach klingt, ich bin kein negativer Mensch, wirklich nicht. Ich bin, wenn man bedenkt was in den letzten Jahren alles passiert ist, ziemlich glücklich mit meinem Leben. Aber ich hatte, wie gerade angedeutet, so einige persönliche Schicksalsschläge zu verarbeiten, und ich konnte mir nicht aussuchen, ob ich sie erleiden möchte oder nicht.

Ob ich mich im Netz von Hass und Dummheit deprimieren lassen möchte, das hingegen kann ich mir aussuchen, und gerade ist es sehr wichtig für meine geistige Gesundheit, mich dagegen zu entscheiden. Ich bin es leid, was aus dem Netz geworden ist. Das ist auch der Grund, warum hier lang nicht so viel von mir zu lesen war, wie ich ursprünglich vor hatte. Klar habe ich programmiert und fotografiert und getextet und musiziert, aber die Zeit in der realen Welt war und ist mir viel wichtiger als die Beschäftigung mit dieser ausser Kontrolle geratenen Hassmaschine namens Internet.

Es tut mir sehr leid für die Leute, die meinen künstlerischen und/oder menschlichen Werdegang verfolgen und das Interesse nie aufgegeben haben, und die auf neuen musikalischen Output von mir warten. Ich verspreche, er wird kommen, ich arbeite aktiv daran. Und ihr seid mir auch nicht wurscht, sonst würde ich diesen ganzen Artikel hier gar nicht schreiben, ich möchte nur, dass ihr mich versteht… warum ich mich zurückziehe, warum ich die Wandlung vom digital builder zum digital emigrant vollziehe.

Der Grund ist, um das noch mal ganz deutlich zu machen:

Wir haben verloren. Das Netz ist wenn noch nicht vollständig kaputt dann doch todkrank, und es hat in den letzten Stadien seiner Krankheit ein Monster nach dem anderen hervorgebracht. Es wird höchste Zeit für ein neues Netz.

Oder wer weiß. Vielleicht sind wir ohne einfach besser dran.

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P.S. / Update: Inzwischen wurde der Artikel auch von irgendjemandem auf Twitter geteilt, der eine größere Leserschaft hat als ich (nicht wirklich ein Kunststück) – und schon melden sich vermeintlich netzaffine Leute mit irgendwas mit Tux im Twittername zu Wort und bescheinigen mir, ich sei halt „zu doof“, meinen Newsstream zu filtern. Jahaa, alles sehr erwachsen. Womit aber bewiesen wäre, dass man nicht bei Trump, „AfD“ & Co. nachschauen muss, um Menschen zu finden, die sich im Netz nicht benehmen können.

Man muss nicht mit mir einer Meinung sein oder die Dinge genau so sehen wie ich. Man kann auch dagegen argumentieren. sleeksorrow macht das beispielsweise in den Kommentaren, und ich schätze ihn sehr.

Man muss noch nicht mal meinen Text lesen und seinen Sinn erfassen können.

Aber eine Meinung nicht teilen (oder verstehen) können und deshalb denjenigen der sie äußert bequem in 140 Zeichen als blöd hinstellen… naja… äh… füttere ich gerade Trolle? Ja, mach‘ ich wohl. Würde ein Filter helfen? Ja. Wäre die Welt besser wenn es diesen Filter nicht bräuchte? Aber auf jeden Fall.

Was zu beweisen war.

Mega-Macbook-Upgrade für 16€ gefällig?

(tl;dr: Langsam gewordene Macbooks kriegt man u.U. sehr einfach wieder fit und schnell, und man sollte tunlichst nicht alles befolgen, was im Web an Tips und Tricks verbreitet wird)

Mit meinem derzeitigen Arbeitspferd, einem Macbook Pro 15″ Retina aus dem Jahre 2012, verbindet mich eine ganz besondere Beziehung.

Zuerst wäre da die Tatsache, dass ich es bekam, als ich meine Stelle als CTO bei Vukee Games bzw. united toy antrat (ja, die Seite gibt’s immer noch, und der Typ mit dem lila Kopftuch, das bin ich). Ungelogen war das einfach der beste Job, den ich je hatte. Mehr darüber habe ich schon früher hier geschrieben, es sei nur kurz zusammengefasst: Es war großartig und irrsinnig produktiv, wir haben wundervolle Sachen erschaffen, ich hatte wirklich nur mit netten und sympathischen und ausgesprochen fähigen Leuten zu tun, ich hatte Homeoffice und freie Zeiteinteilung und trotzdem haben wir teilweise Nächte lang im tiefsten Schwabenland vor dem Kaminfeuer vor uns hin gecodet ohne dass mir das irgendwas ausgemacht hätte… und ich möchte diese Zeit um nichts in der Welt missen.

Coding @ Tobi's, Vukee-Style!
Coding @ Tobi’s, Vukee-Style!

Von aller Vergangenheits-Verklärung abgesehen war das Macbook Pro leistungsmässig schlicht eine Offenbarung… insbesondere im direkten Vergleich: In meiner vorherigen Job waren Entwickler grundsätzlich mit der grottigstmöglichen Hardware abgespeist worden, und der so genannte CTO achtete mit Argusaugen darauf, dass ja kein niederer Entwickler eine schnelle Festplatte oder mehr Speicher bekam. Das ist jetzt Ewigkeiten her, aber ich erinnere mich noch immer sehr genau daran, wie ich regelmässig eine halbe Stunde warten durfte, bis einmal das Projekt durchcompiliert war (und entsprechend minutenlang für kleine Codeänderungen). Klar, dass so die Produktivität litt und niemand zufrieden war; die goldene Regel, dass man Entwickler mit vernünftigem Werkzeug ausstatten muss, wenn man vernünftige Ergebnisse haben möchte, hatte sich zu dem Zeitpunkt noch nicht überall herumgesprochen.

Auf jeden Fall… der Umstieg von einem vollständig untermotorisierten 13″ Macbook mit langsamer 250GB-Festplatte und 4GB Speicher zu einem MacbookPro mit 512GB-SSD und 16GB Speicher war ziemlich unglaublich.

Die Entscheidung fiel mir also leicht, das Gerät nach dem Niedergang von Vukee Games zum Restwert zu kaufen und in meinen Besitz übergehen zu lassen.

Immer dabei: Das Vukee-Book, hier im Hundehaus im Reinhardswald anno 2014...
Immer dabei: Das Vukee-Book, hier im Hundehaus im Reinhardswald anno 2014…

Nur… in den letzten anderthalb Jahren war ich immer weniger begeistert von dem Gerät, und jetzt erst ist mir klar, was genau der Auslöser war: Das Ding wurde ganz einfach immer langsamer, und zeigte stetig mehr seltsame Ausfälle.

So glich die Arbeit mit Logic (meiner bevorzugten DAW) mehr und mehr einem Glücksspiel… irgendwann in einer Aufnahmesession hängte sich das Ding garantiert so auf dass ein Neustart fällig war. Sehr schlecht, insbesondere, wenn man mit mit mehreren Leuten Musik macht. Einmal gab ich auf der K-Burg ein kleines Privatkonzert, nur ich und ein handverlesene Gäste als Publikum, und auch da blieb der Rechner mittendrin hängen, obwohl er nichts anderes zu tun hatte, als mir das Software-Klavier von Native Instruments zur Verfügung zu stellen. Sehr, sehr ärgerlich und peinlich, wenn man gerade voll in die Tasten haut und nichts mehr aus den Lautsprechern kommt.

Auch die Arbeit mit Lightroom wurde ätzender und ätzender. Bilder brauchten Zeiten im zweistelligen Sekundenbereich bis sie endlich geladen waren, und bei alledem liefen sämtliche Lüfter grundsätzlich immer auf Hochtouren, auch für die einfachsten Aufgaben.

Da ich ein Software-Mensch bin, dachte ich bei der Ursachenfindung immer nur an Software… sowohl Lightroom als auch Logic als auch Mac OS selbst waren in den letzten Jahren größer und resourcenhungriger geworden. Da Apple eh inzwischen ziemlich viele „strategische Entscheidungen“ getroffen hatte, mit denen ich (als ein Mensch, der zu der Plattform kam, als MacOS noch NextStep hieß) überhaupt nicht zufrieden war*, war es ein leichtes für mich, alles auf Apple und die zig MacOS-Updates zu schieben, die in der letzten Zeit ihren Weg auf das Macbook gefunden hatten.

Tja, und vor einer Woche dann hatte ich die Nase vollständig und gestrichen voll, als mal wieder alle Lüfter am Anschlag liefen und Lightroom vor sich hinkroch und alles so überhaupt keinen Spaß mehr machte… und ich fühlte mich angespornt, doch mal den Grund dafür rauszukriegen.

Ein Blick auf die Aktivitätsanzeige brachte zutage, dass der kernel_thread jede Menge Last auf dem System erzeugte. „Super, Apple, Steve dreht sich im Grab“, dachte ich mir und vollführte eine kleine Internet-Recherche, die zu Tage brachte, dass so einige Leute das gleiche Problem haben.

Wie sich herausstellt, erweckt der kernel_thread den Anschein, CPU-Last zu erzeugen, wenn er, bzw. seine Erweiterung IOPlatformPluginFamily, aus irgendwelchen Gründen den CPU-Takt drosselt.

Diverse Seiten wie z.B. diese hier oder diese hier nehmen sich des Problems an, indem sie empfehlen, Teile der IOPlatformPluginFamily Kernel-Extension oder gar die gesamte Extension zu löschen.

Etliche youtube-Videos von jungen und hippen Mac-Jüngern, die nicht die allergeringste Ahnung haben, wovon sie reden, empfehlen vollmundig das Gleiche und tun dabei so als ob es ihre Idee gewesen wäre, was auf youtube anscheinend so üblich ist.

Wie dem auch sei… ein derartiges Vorgehen führt dazu, dass der OS X Kernel die Geschwindigkeit nicht mehr drosselt. Sollte die Kiste zu heiß werden, so greift zwar immer noch, etliche Schichten tiefer, der SMC (System Management Controller) und erzwingt ein Abschalten des Systems… das passiert aber erst, wenn es so richtig, richtig, richtig wahnsinnig heiß wird.

An dieser Stelle schon mal einen Rat an den geschätzten Leser:

Tun Sie dies nicht!

Schrauben Sie stattdessen Ihr Gerät auf (mit einem Pentalobe 1.2mm Schraubenzieher, kostet 5 Euro), entfernen Sie die Bodenplatte, bewaffnen Sie sich mit Druckluftreiniger (1 Dose, kostet 11 Euro) und schauen Sie mal rein.

Mit ein bißchen Glück sieht es da drin so ähnlich aus wie bei mir, nämlich so:

Staub, alles voller Staub!
Staub, alles voller Staub!

Ich war auch erstmal ziemlich schockiert. Ich gebe eigentlich sehr gut acht auf meine Hardware, und von außen sah das Macbook immer gepflegt und beinahe wie neu aus.

Aber von innen nicht. Diverse Kaminfeuer-Sessions und die Tatsache, dass wir hier auf der K-Burg mitten im Wald wohnen und die Wohnung prinzipienbedingt sehr staubig ist, haben dem armen Macbook mehr zugesetzt als ich jemals vermutet hätte.

Die hier zu sehenden Unmengen von Staub hatten sich hauptsächlich in allen Auswegen der Lüfter festgesetzt und verhinderten damit ziemlich effizient, dass die Lüfter ihren Job wahrnahmen.

Das Ergebnis davon? CPU und GPU wurden schon bei den kleinsten Aufgaben sehr heiß, die Lüfter wurden schneller und schneller betrieben (da sie ja bei langsamer Umdrehung nicht mehr länger das taten was sie sollten) um die Bausteine zu schützen, und irgendwann fängt der Kernel an, die Hardware durch Drosselung des Tatkes vor langfristigem Schaden bewahren zu wollen.

Man kann das ziemlich gut sehen, indem man im Terminal

sudo pmset -g thermlog

eingibt.

Wann immer der Kernel, respektive IOPlatformPluginFamily, der Meinung ist, die CPU drosseln zu müssen, erscheint da etwas in der Art von

2016-10-21 15:27:04 +0200 CPU Power notify
CPU_Scheduler_Limit  = 100
CPU_Available_CPUs  = 8
CPU_Speed_Limit  = 62

…und das heißt so viel, wie (in diesem Fall): Die CPU läuft in diesem Moment mit 62% ihrer eigentlichen Geschwindigkeit. Das ging in meinem Fall runter bis zu 26%, und spätestens dann ist klar, warum sich die Maschine so elend langsam anfühlt.

Nach einer einstündigen Reinungssession mit Druckluftspray freut es mich sehr, berichten zu können, dass das Macbook wieder läuft wie am ersten Tag.

Die Lüfter drehen erst bei hoher Last richtig laut, ansonsten sind sie kaum zu hören, und auch ein Neuberechnen von 12000 JPG-Vorschauen in Lightroom mit gleichzeitigem RAW-Editieren können das Teil nicht aus der Ruhe bringen.

Tja, und da wollte ich heute abend beim Apple-Event schon schauen, ob ich mir nicht ein neues Macbook zulegen möchte… ich schätze, ich habe ein paar 1000 Euro gespart…


*wie z.B. das Verkaufen von Modeaccessoires mit Gold- und Diamantarmbändchen an bemitleidenswerte Gestalten die sowas nötig haben, der Tod von Aperture (und das allmähliche Sterben sonstiger Unterstützung von Fotografen und sonstigen Kreativen), das unglaublich nervige Bevormunden von Entwicklern mit AppStores und Zertifikaten und verifiziertem Entwicklertum und Review-Willkür undsoweiter undsofort…

Ich war mal so schön

Gestern war ich also in der alten Heimat gewesen – unter anderem, um am Grab meiner Eltern vorbeizuschauen. Oder besser gesagt, beim Baum meiner Eltern, denn sie sind im Friedwald „Bienwaldruhe“ bei Kandel bestattet.

Ganz in der Nähe des Friedwaldes befindet sich das Naturfreundehaus Kandel, und weil es inzwischen eh Mittag war und ich ein leichtes Hüngerchen verspürte, kehrte ich dort kurzerhand ein, bestellte mir einen Salat und eine Limo, nahm den Zettel mit meiner Nummer entgegen (Selbstbedienung!), setzte mich mit meiner Limo draussen auf eine Bierbank und wartete auf meinen Aufruf.

Eine ganze Weile geschah nichts… und ich dachte weiter an meine Eltern, und daran, wie anders in den letzten vier Jahren alles geworden war.

sklib-120713-115315Eine Viertelstunde verging so, dann kamen zwei weitere Gäste und setzten sich zwei Bänke hinter mich. Ein Pärchen, beide so um die Mitte 50, solariumsgebräunt und sportlich. Eine Weile beachtete ich sie nicht, doch irgendwann hörte ich hin und wurde Zeuge des folgenden Gespräches (man muss sich das ganze in breitem Pfälzer Dialekt vorstellen, zum einfacheren Lesen habe ich diesen hier kurzerhand in Hochdeutsch übersetzt):

Sie: „Hast Du das gesehen? Da haben sich viertausend Menschen nackig gemacht und blau anmalen lassen…“

Er: „mh hm“

Sie: „Das würd ich ja nicht machen“

Er: „hm, nein, ich auch nicht…“

Sie: „Da waren ganz dicke dabei, und ganz dürre“

Er: „hm…“

Sie: „Ich würd das nicht machen.“

Er: „hm…“

Sie: „Auch früher hätt‘ ich das nicht gemacht, auf keinen Fall…“

Er: „hm ja… man wundert sich, wozu Menschen imstande sind…“

Sie: „Früher hätt ich’s nicht gemacht. Weißt Du, vor der Brust-OP? Früher, wo ich ganz schön war?“

Er: „hmm“

Sie: „Ich war mal ganz schön. Ganz, ganz schön war ich mal…“

Er: „hmm“

Sie: „Als ich jung war, ein ganz schönes junges Ding war ich…“

Er: „hmm“

Sie: „Sag mal, liebst Du mich eigentlich noch?“

Er: „Aber sicher lieb ich Dich noch“

Sie: „Das allerwichtigste ist ja, dass wir gesund sind“

Er: „Ja, genau“

Dann wurde meine Nummer aufgerufen und ich ging rein, um mir mein Mittagessen zu holen.

sklib-120713-131240Die Bilder in diesem Artikel kommen aus meinem letzten Aktshooting. Das Modell ist Alex, auch bekannt unter dem Handle I Want To Kill You Like They Do In The Movies.

Dieses Shooting war im Juli 2012. Einen Monat später erlitt mein Vater einen Schlaganfall, und damit setzte sich eine Kette von Ereignissen in Bewegung, die damit enden sollte, dass meine Eltern beide nun unter eben jenem Baum ruhen und die Musik verstummt ist.

sklib-120713-134351Weniges kommt mir fremder vor als dieses letzte Shooting, das stattfand, als die Welt eben gerade noch nicht aus den Fugen geraten war; den Monat zuvor hatten wir noch meinen Geburtstag gefeiert, mit über 40 Leuten auf der Terrasse von K-Burg, Livemusik und Tanz… mit meiner Band war ich gerade mitten in den Aufnahmen zu einem neuen Album, bei meinem Arbeitgeber planten wir das nächste große Spiel, die nächsten Shootings wurden geplant, und um unsere Beine herum wuselte der süßeste, treueste und liebevollste kleine schwarze Hund, den man sich vorstellen konnte… und das alles gibt’s in der Form nun, vier Jahre später, nicht mehr. Das alles ist ganz unglaublich weit weg, genau wie dieses Shooting.

Und trotzdem musste ich daran denken, als ich den zwei Gästen zuhörte.

Ich weiss noch nicht mal warum.

Wolves!

Ich hab mich am Wochenende hingesetzt und ein kleines Spielchen geschrieben (eigentlich wollte ich ja Musik machen, aber irgendwie hat es sich anders ergeben).

„Wolves“ ist ein Mini-Strategiespiel für den Apple II (besser gesagt, die Minimalanforderung ist ein Apple II+ mit 5.25″ Diskettenlaufwerk).

Wer gerade keinen Apple II zur Hand hat, der kann sich mit einem Emulator behelfen. Apple //jse zum Beispiel, der ist vollständig in Javascript geschrieben und läuft im Browser…

Man hat es nicht leicht als Wolfsrudel...
Man hat es nicht leicht als Wolfsrudel…

Ziel ist es, einem Wolfsrudel bei der Jagd zu helfen, und das ganze einigermaßen strategisch so geschickt zu machen, dass die Wölfe 10+ Level mit steigendem Schwierigkeitsgrad überleben.

Implementiert wurde „Wolves!“ in einem Zeitraum von 8 Stunden nach einem tollen und hippen neuen Vorgehensmodell bei der Softwareentwicklung, das bald jedes Startup einsetzen wird, wenn es einigermaßen ernst genommen werden möchte, und zwar IDSE.

IDSE ist die Abkürzung für „Implementier den Scheiss einfach!„, und ich werde irgendwann einmal, wenn die Welt reif dafür ist, mehr darüber erzählen. Nur soviel sei als Spoiler schon mal gesagt: Es gibt keine Retros, keine Reviews, keine Plannings, keine Standups, keine Storypoints, keine Stakeholder, keine Pullrequests, keine DODs, keine DORs, kein PP und kein XP und keinen Plan, der größer ist als das, was an zwei durchgemachten Nächten in einen Kopf passt.

Aber zurück zum Spiel.

Ich bekam die Idee zu „Wolves!“, als ich Buba und ihren Freundinnen Liza und Schnitzel beim sich-durch-den-Wald-bewegen und bei der Interaktion miteinander beobachtete.

Eigentlich wollte ich es auf dem BBC Micro implementieren, doch bei diesem flog mir leider ein Entstörkondensator des (jetzt auch schon 30 Jahre alten) Netzteils um die Ohren und deshalb ist er erstmal ausser Betrieb, und mein guter alter Apple IIGS sprang stattdessen als Entwicklunsgplattform ein.

Doch jetzt erstmal genug der Worte,

 Hier gibt’s das .DSK Image zum Runterladen.

Viel Spaß beim Spielen.

P.S.: Leider hat nicht jede moderne Tastatur einen Ziffernblock, darum können die Wölfe auch, was nicht in der Anleitung steht, mit

UIO
JKL
M,.

gesteuert werden… J, I, L und „,“ bewegen die Wölfe dabei nach links, oben, rechts und unten, und die anderen Tasten dementsprechend diagonal.