Von Komfortzonen

Es ist an der Zeit, hier mal ein paar Takte über Softwareentwicklung zu reden.

Oder vielmehr: Über Entwicklung und Fortschritt im Allgemeinen, denn selbstverständlich lässt sich das, was sich Softwareentwickler den lieben langen Tag anhören dürfen, auch mühelos auf andere Berufe übertragen.

Beispielsweise finde ich, so ein Gas-Wasser-Installateur sollte ruhig mal was neues ausprobieren und seine Komfortzone verlassen. Insbesondere einer, der seinen Job schon sehr lange Zeit sehr gut macht. Es geht nämlich immer noch besser, der Prozess hört nie auf.

Das Sicherheits-Druckventil in der Heizung einfach mal weglassen. Den Mut haben, alte Zöpfe abzuschneiden.

Oder, noch besser, das Ding durch den allerneuesten heissen Scheiss aus den USA ersetzen, vom dem niemand so richtig weiss, ob und wie er funktioniert, den aber irgendwelche eigens dafür gezüchteten Evangelisten auf Konferenzen ganz toll finden.

(und überhaupt, pfffff, Sicherheitsventil, das ist so funktional, so von gestern. Heutzutage macht man sowas reaktiv. Sieht zwar erstmal viel komplizierter aus, mit dem dadurch bedingten Grossbrand nebst zugehörigem Feuerwehr- und Notarzteinsatz… aber wenn der Groschen erstmal gefallen ist, dann ist es die wahre Lehre)

Und da nicht aufhören. Überkommene Arbeitsweisen aktiv hinterfragen und offensiv angehen.

Einfach mal ein Lagerfeuer neben der Gasleitung entfachen und gemütlich ne Kippe schmauchen während man schaut ob auch alles schön dicht ist.

Das Klo einfach mal in einem 32°-Winkel installieren und den Kunden dann in die Richtung erziehen, dass das vollkommen schnafte so ist.

Und auch in der Elektrotechnik könnte man sicher so viel anders und besser machen, wenn die Leute endlich mal aus ihrer Komfortzone rauskommen und sich neuen Ideen gegenüber öffnen würden.

Beispielsweise arbeiten zwei mit Handschellen aneinander gefesselte Elektrotechniker sicher sehr viel schneller und effizienter an einem Problem als nur einer allein. Was? Warum wehrt ihr euch denn dagegen? Ihr habt es ja noch gar nicht ausprobiert. Wer sich nicht weiter entwickeln will, der ist irgendwann weg vom Fenster.  Also hopp, hier, Handschelle, Fesseln.

Und dann, beispielsweise so ein Trafo. Muss der unbedingt sein? Wozu ist der überhaupt gut? Da kann man sicher was anderes neues hippes einbauen, oder einen kleineren, oder irgendwas, was nicht so viel kostet und nicht so viel Zeit braucht, oder? Und die LEDs ruhig mal ohne Vorwiderstände betreiben. Dinge anders machen. Traut euch!

(und kommt mir nicht mit ihr habt das so gerlernt oder gar studiert, oder mit physikalischen Gesetzen. Das hier ist die richtige Welt, Baby! Ihr müsst auch mal was anders machen! Und das sage ich bewusst als Fachfremder!)

Mut haben, mal ein paar Paradigmen zu verschieben!

Auch bei der Gärtnerei. Müssen Pflanzen denn wirklich unbedingt in Erde wachsen? Könnte man da nicht mal was neues ausprobieren, z.B. stinkenden synthetischen Nährschleim oder sonst ein Wundermittel, mit dessen Anpreisen sich ein Haufen Leute, die noch nie im Leben einen richtigen Garten gesehen haben, auf eigens dafür eingerichteten Tagungen eine goldene Nase verdienen?

Und dieses Ding, mit dem ihr die Löcher in die Erde gräbt, ihr nennt es „Schaufel“. Voll archaisch. Voll oldthink. Gibt’s da nicht irgendwas anderes? Am besten irgendwas verteiltes, verteilen ist immer gut, am besten was, das für viel Geld von mehreren Leuten tagtäglich gewartet werden muss, damit es halbwegs funktioniert. Ihr werdet sehen, das ist dann Fortschritt.

Traut euch, die Dinge mal mit frischen Augen und einem frischen Blick auf das Wesentliche anzuschauen.

Verlasst eure Komfortzonen. Dann wird nämlich alles besser.

Puh…

Heute fand ich mich also sehr plötzlich und spontan beim Arzt meines Vertrauens wieder, weil ich ebenso plötzlich und spontan nicht mehr richtig Luft holen konnte.

Weia, kein schönes Gefühl… und vor allem eines, das sich sehr schnell mit Angst und Panik vermischt.

Wie sich herausstellt ist alles halb so schlimm, und meine Bronchien sind verengt. Entweder als Konsequenz aus der Nebehöhlenentzündung, die ich die letzten Wochen mit mir rumgeschleppt habe, oder weil ich gegen irgendwas allergisch bin.

Ich habe einen Inhaler mit irgendwelchem schnell wirkenden Zeug drin, einen anderen Inhaler mit irgendwas anderem drin, ein Antiallergikum um sicher zu gehen, und die Versicherung meiner Ärztin, dass mit meiner Lunge und meinem Herz und meinem Kreislauf ansonsten alles in bester Ordnung ist.

Trotzdem, diese Inhaler hier neben mir parat liegen zu haben… weia, das erinnert mich alles so an meinen Vater, der in seinen letzten Monaten vor seinem Schlaganfall nur noch diese Dinger um sich herum angesammelt hatte und ohne sie nicht mehr leben konnte…

Und wieder kann ich mir ein bisschen mehr vorstellen, was er durchmachen musste 🙁

Alles neu

Der Gott in mir grüsst die Göttinnen und Götter in euch.

Herzlich willkommen zu Schall und Stille.

Schön dass ihr hier seid.

Ein neues Blog also. Das heisst, eigentlich ist es ein altes Blog, das neu gestartet wurde, und das eigentliche alte Blog gibt es auch noch, nur wird es nicht mehr fortgeführt und ausserdem blogge ich auch noch mit meiner Lebensabschnittsgefährtin zusammen, und habe ein Fotoblog und…  – ach, das Leben ist so kompliziert.

Also, so unkompliziert wie möglich soll es hier um mein kreatives Schaffen gehen, und um die Dinge, die ich erlebe, und die mir wichtig sind.

Mehr als einmal in den letzten Tagen hab ich mir natürlich die Frage gestellt, ob es wirklich gelingen kann, all die Sachen unter einen Hut zu bringen (und, in etwas schwachen Momenten, denn ich bin gesundheitlich gerade angeschlagen, ob die Welt das wirklich braucht). Manchmal bin ich mir ja selbst nicht ganz sicher, wer und was ich eigentlich bin, und wo die Reise mich noch hinführen wird.

Zu einer Zeit, da mein musikalisches Ex-Projekt richtig viele Fans hatte und ich den Großteil meiner Zeit und Kraft dazu aufbrachte, meine Produzentenrolle auszufüllen und in die Tasten zu hauen, da dürfte es den meisten aus meinem damaligen Publikum nicht klar und/oder wurscht gewesen sein, dass ich „hauptberuflich“ (ich mag das Wort nicht, aber es gibt m.W. kein deutsches Wort für „den Beruf, den man nun mal ausführen muss, damit man das Geld verdient, das man benötigt, um der eigentlichen Berufung nachgehen zu können“) Softwareentwickler war.

Umgekehrt dürfte den meisten Menschen, die mich ausschließlich in meiner Eigenschaft als Softwareentwickler kennen, nicht bewusst oder vollkommen egal sein, dass ich tatsächlich auch Musiker bin, das keinesfalls als Hobby sondern als meine eigentliche Berufung ansehe, und das eine oder andere Album veröffentlicht habe.

aller guten Dinge sind... äh, viele.
aller guten Dinge sind… äh, viele.

Und als ob das noch alles nicht genug wäre, mache ich auch noch Fotos. Gut, das nicht mehr so ernsthaft und mit Verve, wie es früher einmal der Fall war, aber immer noch so, dass sich auf flickr. & Co. doch so einige Menschen davon angesprochen fühlen… und auch diesen dürfte es ebenso unklar wie einerlei sein, dass ich eigentlich Musiker bin, der sich sein Musik-Machen-Können mit der Entwicklung von Software verdient.

Programmieren in Zeiten der Cholera... äh, ich meine natürlich, auf museumsreifen Computern ohne Memory Protection.
Programmieren in Zeiten der Cholera… äh, ich meine natürlich, auf museumsreifen Computern ohne Memory Protection. In diesem Fall entsteht ein lua-basiertes Roguelike auf einem RISC PC mit ARM 600 Prozessor.

Und um die Sache noch so richtig richtig richtig dolle kompliziert zu machen, gibt es nicht nur die Software, die ich ‚hauptberuflich‘ entwickle, sondern es gibt auch noch die Software, die ich zur Entspannung für mich selbst, meistens auf sehr in die Jahre gekommenen Plattformen entwickle – tatsächlich als Hobby, als nerdiger Ausgleich zu Dailies, Standups, Story-Points, Refinements, Retros, Spikes und all dem sonstigen Zeug, das man heutzutage anscheinend unbedingt veranstalten muss, bevor damit man endlich Software entwickeln darf kann.

"Und ich? Mich hast Du ganz vergessen! Ich will auch verblogdingst werden! Und wenn nicht, dann will ich wenigstens Hasen. Oder Mäuse. Oder ein Reh!"
„Und ich? Mich hast Du ganz vergessen! Ich will auch verblogdingst werden! Und wenn nicht, dann will ich wenigstens Hasen. Oder Mäuse. Oder ein Reh!“

Ach je, und die Buba natürlich. Die gibt es ja auch noch. Und Frau K., ohne die das alles vollständig wertlos und albern wäre (und mit welcher ich, wie schon erwähnt, auch noch ein gemeinsames Blog habe). Und sieben griechische und maurische Landschildkröten, und die Tatsache, dass ich mir ab und zu auch gerne Geschichten ausdenke und sie niederschreibe…

Und jetzt also ein Blog, wo ich das alles behandeln möchte.

Kann das klappen?

Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht. Ich werd einfach mal schauen, was passiert, und wozu ich so Lust habe. Auf jeden Fall habe ich einiges vor, sowohl musikalisch als auch softwaretechnisch, von dem ich in naher Zukunft hier zu berichten gedenke… und Fotos mache ich eh die ganze Zeit.

Tja, dann schauen wir mal.

Auf jeden Fall, und in diesem Sinne: Willkommen.