Wir haben verloren

Bei meinem letzten Arbeitgeber, wo alles sehr groß und ambitioniert war, da veranstaltete eine junge Frau, die ohne Probleme meine Enkeltochter hätte sein können, für ihre Abschlussarbeit eine Umfrage zum Thema Nutzung sozialer Netzwerke durch ‚digital natives‘ vs. ‚digital immigrants‘, und sie fragte mich, ob ich ihr als Vertreter der letztgenannten Gruppe fünf Minuten meiner Zeit opfern würde, um ein paar Fragen zu beantworten.

Nun kenne ich mich, was das Internet betrifft, allein schon brotjobbedingt mit echt vielen Dingen aus, aber wenn von wichtigen Menschen über die Sozialstruktur des Netzes philosophiert wird, dann halte ich mich meistens raus… und deshalb hatte ich auch keine Ahnung von den Begriffen ‚digital natives‘ oder ‚digital immigrants‘.

Die ’natives‘, so erfuhr ich, das sind diejenigen, für die das Netz zu ihrer bisherigen Lebenszeit schon immer existierte. Es war nie nicht da, sie sind damit aufgewachsen. Die ‚immigrants‘ hingegen mussten sich erst daran gewöhnen, sie kannten es in ihrer Kindheit oder Jugend nicht, weil es da einfach noch nicht da war.

Aus sicherlich falscher Eitelkeit heraus störte mich diese Klassifizierung damals.

Es müsste, so meine Argumentation, eine dritte Gruppe geben – diejenigen, die zum Zeitpunkt ihres Erwachsen-Werdens am Aufbau des Netzes beteiligt waren. Diejenigen, die den ‚digital natives‘ ihren Sandkasten, den sie nun für die Welt halten, gebaut und zum Spielen hingestellt haben.

Ich war mit dem Akustikkoppler (und später mit dem Modem) in Mailboxen unterwegs, hatte einen eigenen Point im Fidonet, hackte PPP-Treiber für meinem A3000UX, starrte wie gebannt auf die ersten vom CERN und einigen wenigen Universitäten ausgelieferten Webseiten, damals noch via Terminalzugang über Lynx. Ich war einer der ersten, die eine Homepage hatten, und meine damalige Band war eine der ersten, die ihre Werke als mp2 (mp3 war noch nicht erfunden) kostenlos im Netz offerierten, lange vor der Entstehung von Creative-Commons-Lizenzen; ich beteiligte mich an Diskussionen im usenet… Ich war da. Ich war dabei. Ich hab dieses Netz mit aufgebaut. Ausgerechnet ich war jetzt also ein ‚immigrant‘, der erstmal damit klar kommen musste, welches für ihn fremde Wunderwerk der Technik ihm da vor die Füße geschmissen wurde? Das erschien mir als falsch.

„Na ja“, meinte meine Interviewpartnerin, „das leuchtet mir ein. Vielleicht könnte man Leute wie Dich als ‚digital builder‘ bezeichnen“.

Ein Arbeiter, von mir aus, das war auf jeden Fall näher an der Realität.

Wenn ich mir die Sache heute wieder durch den Kopf gehen lasse, dann muss ich feststellen, meine Klassifikation hat sich wohl in den letzten zwei Jahren geändert. Vom Arbeiter bin ich zum Auswanderer geworden. Noch nicht vollständig, aber immer mehr. Ich möchte mit diesem Netz immer weniger zu tun haben. Ich kann nicht ganz los lassen (noch nicht?), aber wenn wir mal hier den weit verbreiteten Fehler machen, das Internet als Raum zu begreifen, dann ist es ein Raum, der mich mehr und mehr anwidert, und in dem ich meine Zeit als verschwendet ansehe.

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Wie konnte es so weit kommen?

Als ‚das Internet‘ für den Privatmenschen so richtig losging (das muss so die Zeit zwischen 1998 und 2006 gewesen sein), da projizierten eine Menge unterschiedliche Menschen eine Menge unterschiedliche Wünsche und Hoffnungen auf dieses zarte neue Pflanze, die da gerade spross und gedieh.

Eine Plattform, um Menschen grenzübergreifend Information zugänglich zu machen, das hörte sich an, als wäre eine Utopie wahr geworden. Nicht wenige dachten (und ich gestehe, ich gehörte dazu), die Menschheit würde durch das Internet besser werden und sich weiter entwickeln.

Nehmen wir nur mal die Musik – endlich gab es die Möglichkeit, interessierten Menschen abseits vom Mainstream neue Musik ohne komplizierte Vertriebskanäle zur Verfügung zu stellen. Label? Plattenfirmen? Verträge? Brauchen wir nicht. Wir stellten unsere Werke frei verfügbar ins Netz und boten bei Gefallen die Möglichkeit an, eine richtige CD mit schönem Booklet zu bestellen, oder uns etwas zu spenden… so musste das funktionieren; alte, überkommene Strukturen aufbrechen, und neues erschaffen und dabei andere Künstler kennenlernen, einen aktiven Austausch von Inspiration etablieren. Das klang richtig gut, richtig verheißungsvoll.

Wie so Vieles.

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2017, und wir haben Trump, Front National und die AfD. Und auch wenn gerade zig Institute zig teure Studien durchführen um herauszufinden, ob das Internet darauf wirklich so einen großen Einfluss hatte, kann ich das ganze hier gerne mal extrem kostensparend abkürzen: Ja, hatte es, natürlich. Man muss schon ziemlich merkbefreit sein, um das nicht zu erkennen.

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Mark Zuckerbergs große Dauerwerbesendung hat jedem besorgten Bürger, der vor 10 Jahren nur für sich allein vor seiner Fototapete sitzend gegen die Juden und/oder Kanaken und/oder Neger und/oder Europa schimpfte plötzlich das Gefühl gegeben, Teil einer großen und wichtigen Bewegung zu sein, in der alle Menschen eine ähnliche Meinung haben (und wenn nicht, dann allenfalls zu einer kleinen Gruppe von Gutmenschen gehören, die es zu bekämpfen gilt).

Machen wir uns nichts vor, diese Leute gab es schon immer. Aber dass sie zusammen gefunden haben, in ihren traurigen Ansichten zigtausendfach bestärkt wurden und nun einen veritablen gesellschaftlichen Faktor darstellen, das haben wir in der Hauptsache unseren „sozialen“ Netzwerken zu verdanken. Dass sie in einer Filterbubble leben, das wissen sie nicht. Und was Fake News sind, schon mal gar nicht. Diese Menschen hatten früher ihre Bildung aus der Bildzeitung, da ist es nicht verwunderlich dass sie die Mär von Vergewaltigungen in Schwimmbädern durch organisierte Flüchtlingstrupps für bare Münze nehmen. Um zu begreifen dass sie instrumentalisiert und verarscht werden, müssten sie in der Lage sein, die Metaebene zu sehen, und diese Kompetenz haben sie nie erlernt.

Das ist es, was aus dem Netz wirklich wurde: Gift für die Massen. Ein Nährboden für Scharlatane und Hetzer, die hier jede Menge wehrlose Opfer finden… und eine einzige riesige virtuelle Klowand, bei deren Anblick sich jeder Vollpfosten denkt, sie gäbe ihm das Recht, ungefiltert und unter Missachtung jeglicher Regeln des Anstandes und der Vernunft Äußerungen darauf zu schmieren, die er in einem realen Gespräch einem realen Menschen niemals ins reale Gesicht sagen würde.

Und dabei geht es nicht mal ’nur‘ um Politik. Es geht ganz allgemein darum, wie man sich benimmt, Oder eben nicht benimmt. Blödsinnige youtube-Kommentare, Petabytes an Spam die jeden Tag verschickt werden, so genannte SEO- und Content-Marketing-Spezialisten und sonstige ganze Berufszweige die sich um die Frage herum gebildet haben, wie man am besten eine Suchmaschine verarscht, Unmengen an stumpfsinnigster Konsumgeilheit und Werbung, die sich als Fashion- und Lifestyleblogs tarnt, Botnetzwerke, Zensur, Verschlüsselungstrojaner, Klarnamenpflicht auf Google+ (kennt das noch wer?), der Niedergang der Piraten… ich könnte ewig so weiter machen. Das Internet ist sowas wie ein Universal-Toolkit geworden, mit dem sich alle Erungenschaften des Zeitalters der Aufklärung wirksam bekämpfen lassen.

Und natürlich ist es mit meinem größten Antrieb, der Musik, auch den Bach runtergegangen. Als wir „Grounded“ veröffentlichten, da hatte man noch eine minimale Chance, auf Plattformen wie Jamendo wahrgenommen zu werden, und es gab noch revolutionäre und vielversprechende Formate wie Garageband.com. Nun ja, letzteres wurde von myspace gekauft und gegen die Wand gefahren (ehe myspace selbst in der Bedeutungslosigkeit versank), und Jamendo ist nur noch ein trauriger Witz, auf dem Leute, die kein Instrument spielen können, zwanzigtausend generische House-Tracks und Ambient-Mixe von anderen Leuten die kein Instrument spielen können, herunterladen und bejubeln (ich wage übrigens an dieser Stelle mal die Prognose, dass Jamendo 2017 den Weg von Ipernity gehen wird – diese andere französische Plattform, die so hoffnungsvoll gestartet war, aber ich schweife ab).

Sei das alles wie es wolle, ich habe dieses Netz mit aufgebaut, weil ich so große Hoffnungen hatte. Als ‚digital builder‘ muss ich zugeben, wir haben versagt. Die Technik ist weiter als die Menschen es sind. Mal wieder. Das hätte allen Beteiligten bewusst sein müssen. Man hätten früh voraussehen können, dass auch die Rattenfänger ins Netz kommen würden, die Trumps und Petris, die Content-Marketing-Menschen, die Pseudo-Visonäre, die Absahner, und die Leute mit der Bildung aus der Bildzeitung. Jetzt ist es zu spät. Sie sind alle da, und sie machen was sie wollen, sie machen das Netz kaputt und es gibt offensichtlich kein Rezept dagegen. Und wenn es nur das Netz wäre, dann wäre alles noch ok, aber nein, sie machen die Welt kaputt. Gratulation, Internet, Du hast dabei geholfen, eine Welt zu erschaffen, in der man jeden Morgen Angst haben muss, dass ein durchgeknallter Faschist mit einem toten Hamster auf dem Kopf den dritten Weltkrieg auslöst.

Auch wenn das alles gar nicht danach klingt, ich bin kein negativer Mensch, wirklich nicht. Ich bin, wenn man bedenkt was in den letzten Jahren alles passiert ist, ziemlich glücklich mit meinem Leben. Aber ich hatte, wie gerade angedeutet, so einige persönliche Schicksalsschläge zu verarbeiten, und ich konnte mir nicht aussuchen, ob ich sie erleiden möchte oder nicht.

Ob ich mich im Netz von Hass und Dummheit deprimieren lassen möchte, das hingegen kann ich mir aussuchen, und gerade ist es sehr wichtig für meine geistige Gesundheit, mich dagegen zu entscheiden. Ich bin es leid, was aus dem Netz geworden ist. Das ist auch der Grund, warum hier lang nicht so viel von mir zu lesen war, wie ich ursprünglich vor hatte. Klar habe ich programmiert und fotografiert und getextet und musiziert, aber die Zeit in der realen Welt war und ist mir viel wichtiger als die Beschäftigung mit dieser ausser Kontrolle geratenen Hassmaschine namens Internet.

Es tut mir sehr leid für die Leute, die meinen künstlerischen und/oder menschlichen Werdegang verfolgen und das Interesse nie aufgegeben haben, und die auf neuen musikalischen Output von mir warten. Ich verspreche, er wird kommen, ich arbeite aktiv daran. Und ihr seid mir auch nicht wurscht, sonst würde ich diesen ganzen Artikel hier gar nicht schreiben, ich möchte nur, dass ihr mich versteht… warum ich mich zurückziehe, warum ich die Wandlung vom digital builder zum digital emigrant vollziehe.

Der Grund ist, um das noch mal ganz deutlich zu machen:

Wir haben verloren. Das Netz ist wenn noch nicht vollständig kaputt dann doch todkrank, und es hat in den letzten Stadien seiner Krankheit ein Monster nach dem anderen hervorgebracht. Es wird höchste Zeit für ein neues Netz.

Oder wer weiß. Vielleicht sind wir ohne einfach besser dran.

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P.S. / Update: Inzwischen wurde der Artikel auch von irgendjemandem auf Twitter geteilt, der eine größere Leserschaft hat (nicht wirklich ein Kunststück) – und schon melden sich netzaffine Leute mit irgendwas mit Tux im Twittername zu Wort und bescheinigen mir, ich sei halt „zu doof“, meinen Newsstream zu filtern. Jahaa, alles sehr erwachsen. Womit aber bewiesen wäre, dass man nicht bei Trump, afd & Co. nachschauen muss, um Menschen zu finden, die sich im Netz nicht benehmen können.

Man muss nicht mit mir einer Meinung sein oder die Dinge genau so sehen wie ich. Man kann auch dagegen argumentieren. sleeksorrow macht das beispielsweise in den Kommentaren, und ich schätze ihn sehr.

Man muss noch nicht mal meinen Text lesen und seinen Sinn erfassen können.

Aber eine Meinung nicht teilen (oder verstehen) können und deshalb denjenigen der sie äußert bequem in 140 Zeichen als blöd hinstellen… naja… äh… füttere ich gerade Trolle? Ja, mach‘ ich wohl. Würde ein Filter helfen? Ja. Wäre die Welt besser wenn es diesen Filter nicht bräuchte? Aber auf jeden Fall.

Was zu beweisen war.

Mega-Macbook-Upgrade für 16€ gefällig?

(tl;dr: Langsam gewordene Macbooks kriegt man u.U. sehr einfach wieder fit und schnell, und man sollte tunlichst nicht alles befolgen, was im Web an Tips und Tricks verbreitet wird)

Mit meinem derzeitigen Arbeitspferd, einem Macbook Pro 15″ Retina aus dem Jahre 2012, verbindet mich eine ganz besondere Beziehung.

Zuerst wäre da die Tatsache, dass ich es bekam, als ich meine Stelle als CTO bei Vukee Games bzw. united toy antrat (ja, die Seite gibt’s immer noch, und der Typ mit dem lila Kopftuch, das bin ich). Ungelogen war das einfach der beste Job, den ich je hatte. Mehr darüber habe ich schon früher hier geschrieben, es sei nur kurz zusammengefasst: Es war großartig und irrsinnig produktiv, wir haben wundervolle Sachen erschaffen, ich hatte wirklich nur mit netten und sympathischen und ausgesprochen fähigen Leuten zu tun, ich hatte Homeoffice und freie Zeiteinteilung und trotzdem haben wir teilweise Nächte lang im tiefsten Schwabenland vor dem Kaminfeuer vor uns hin gecodet ohne dass mir das irgendwas ausgemacht hätte… und ich möchte diese Zeit um nichts in der Welt missen.

Coding @ Tobi's, Vukee-Style!
Coding @ Tobi’s, Vukee-Style!

Von aller Vergangenheits-Verklärung abgesehen war das Macbook Pro leistungsmässig schlicht eine Offenbarung… insbesondere im direkten Vergleich: In meiner vorherigen Job waren Entwickler grundsätzlich mit der grottigstmöglichen Hardware abgespeist worden, und der so genannte CTO achtete mit Argusaugen darauf, dass ja kein niederer Entwickler eine schnelle Festplatte oder mehr Speicher bekam. Das ist jetzt Ewigkeiten her, aber ich erinnere mich noch immer sehr genau daran, wie ich regelmässig eine halbe Stunde warten durfte, bis einmal das Projekt durchcompiliert war (und entsprechend minutenlang für kleine Codeänderungen). Klar, dass so die Produktivität litt und niemand zufrieden war; die goldene Regel, dass man Entwickler mit vernünftigem Werkzeug ausstatten muss, wenn man vernünftige Ergebnisse haben möchte, hatte sich zu dem Zeitpunkt noch nicht überall herumgesprochen.

Auf jeden Fall… der Umstieg von einem vollständig untermotorisierten 13″ Macbook mit langsamer 250GB-Festplatte und 4GB Speicher zu einem MacbookPro mit 512GB-SSD und 16GB Speicher war ziemlich unglaublich.

Die Entscheidung fiel mir also leicht, das Gerät nach dem Niedergang von Vukee Games zum Restwert zu kaufen und in meinen Besitz übergehen zu lassen.

Immer dabei: Das Vukee-Book, hier im Hundehaus im Reinhardswald anno 2014...
Immer dabei: Das Vukee-Book, hier im Hundehaus im Reinhardswald anno 2014…

Nur… in den letzten anderthalb Jahren war ich immer weniger begeistert von dem Gerät, und jetzt erst ist mir klar, was genau der Auslöser war: Das Ding wurde ganz einfach immer langsamer, und zeigte stetig mehr seltsame Ausfälle.

So glich die Arbeit mit Logic (meiner bevorzugten DAW) mehr und mehr einem Glücksspiel… irgendwann in einer Aufnahmesession hängte sich das Ding garantiert so auf dass ein Neustart fällig war. Sehr schlecht, insbesondere, wenn man mit mit mehreren Leuten Musik macht. Einmal gab ich auf der K-Burg ein kleines Privatkonzert, nur ich und ein handverlesene Gäste als Publikum, und auch da blieb der Rechner mittendrin hängen, obwohl er nichts anderes zu tun hatte, als mir das Software-Klavier von Native Instruments zur Verfügung zu stellen. Sehr, sehr ärgerlich und peinlich, wenn man gerade voll in die Tasten haut und nichts mehr aus den Lautsprechern kommt.

Auch die Arbeit mit Lightroom wurde ätzender und ätzender. Bilder brauchten Zeiten im zweistelligen Sekundenbereich bis sie endlich geladen waren, und bei alledem liefen sämtliche Lüfter grundsätzlich immer auf Hochtouren, auch für die einfachsten Aufgaben.

Da ich ein Software-Mensch bin, dachte ich bei der Ursachenfindung immer nur an Software… sowohl Lightroom als auch Logic als auch Mac OS selbst waren in den letzten Jahren größer und resourcenhungriger geworden. Da Apple eh inzwischen ziemlich viele „strategische Entscheidungen“ getroffen hatte, mit denen ich (als ein Mensch, der zu der Plattform kam, als MacOS noch NextStep hieß) überhaupt nicht zufrieden war*, war es ein leichtes für mich, alles auf Apple und die zig MacOS-Updates zu schieben, die in der letzten Zeit ihren Weg auf das Macbook gefunden hatten.

Tja, und vor einer Woche dann hatte ich die Nase vollständig und gestrichen voll, als mal wieder alle Lüfter am Anschlag liefen und Lightroom vor sich hinkroch und alles so überhaupt keinen Spaß mehr machte… und ich fühlte mich angespornt, doch mal den Grund dafür rauszukriegen.

Ein Blick auf die Aktivitätsanzeige brachte zutage, dass der kernel_thread jede Menge Last auf dem System erzeugte. „Super, Apple, Steve dreht sich im Grab“, dachte ich mir und vollführte eine kleine Internet-Recherche, die zu Tage brachte, dass so einige Leute das gleiche Problem haben.

Wie sich herausstellt, erweckt der kernel_thread den Anschein, CPU-Last zu erzeugen, wenn er, bzw. seine Erweiterung IOPlatformPluginFamily, aus irgendwelchen Gründen den CPU-Takt drosselt.

Diverse Seiten wie z.B. diese hier oder diese hier nehmen sich des Problems an, indem sie empfehlen, Teile der IOPlatformPluginFamily Kernel-Extension oder gar die gesamte Extension zu löschen.

Etliche youtube-Videos von jungen und hippen Mac-Jüngern, die nicht die allergeringste Ahnung haben, wovon sie reden, empfehlen vollmundig das Gleiche und tun dabei so als ob es ihre Idee gewesen wäre, was auf youtube anscheinend so üblich ist.

Wie dem auch sei… ein derartiges Vorgehen führt dazu, dass der OS X Kernel die Geschwindigkeit nicht mehr drosselt. Sollte die Kiste zu heiß werden, so greift zwar immer noch, etliche Schichten tiefer, der SMC (System Management Controller) und erzwingt ein Abschalten des Systems… das passiert aber erst, wenn es so richtig, richtig, richtig wahnsinnig heiß wird.

An dieser Stelle schon mal einen Rat an den geschätzten Leser:

Tun Sie dies nicht!

Schrauben Sie stattdessen Ihr Gerät auf (mit einem Pentalobe 1.2mm Schraubenzieher, kostet 5 Euro), entfernen Sie die Bodenplatte, bewaffnen Sie sich mit Druckluftreiniger (1 Dose, kostet 11 Euro) und schauen Sie mal rein.

Mit ein bißchen Glück sieht es da drin so ähnlich aus wie bei mir, nämlich so:

Staub, alles voller Staub!
Staub, alles voller Staub!

Ich war auch erstmal ziemlich schockiert. Ich gebe eigentlich sehr gut acht auf meine Hardware, und von außen sah das Macbook immer gepflegt und beinahe wie neu aus.

Aber von innen nicht. Diverse Kaminfeuer-Sessions und die Tatsache, dass wir hier auf der K-Burg mitten im Wald wohnen und die Wohnung prinzipienbedingt sehr staubig ist, haben dem armen Macbook mehr zugesetzt als ich jemals vermutet hätte.

Die hier zu sehenden Unmengen von Staub hatten sich hauptsächlich in allen Auswegen der Lüfter festgesetzt und verhinderten damit ziemlich effizient, dass die Lüfter ihren Job wahrnahmen.

Das Ergebnis davon? CPU und GPU wurden schon bei den kleinsten Aufgaben sehr heiß, die Lüfter wurden schneller und schneller betrieben (da sie ja bei langsamer Umdrehung nicht mehr länger das taten was sie sollten) um die Bausteine zu schützen, und irgendwann fängt der Kernel an, die Hardware durch Drosselung des Tatkes vor langfristigem Schaden bewahren zu wollen.

Man kann das ziemlich gut sehen, indem man im Terminal

sudo pmset -g thermlog

eingibt.

Wann immer der Kernel, respektive IOPlatformPluginFamily, der Meinung ist, die CPU drosseln zu müssen, erscheint da etwas in der Art von

2016-10-21 15:27:04 +0200 CPU Power notify
CPU_Scheduler_Limit  = 100
CPU_Available_CPUs  = 8
CPU_Speed_Limit  = 62

…und das heißt so viel, wie (in diesem Fall): Die CPU läuft in diesem Moment mit 62% ihrer eigentlichen Geschwindigkeit. Das ging in meinem Fall runter bis zu 26%, und spätestens dann ist klar, warum sich die Maschine so elend langsam anfühlt.

Nach einer einstündigen Reinungssession mit Druckluftspray freut es mich sehr, berichten zu können, dass das Macbook wieder läuft wie am ersten Tag.

Die Lüfter drehen erst bei hoher Last richtig laut, ansonsten sind sie kaum zu hören, und auch ein Neuberechnen von 12000 JPG-Vorschauen in Lightroom mit gleichzeitigem RAW-Editieren können das Teil nicht aus der Ruhe bringen.

Tja, und da wollte ich heute abend beim Apple-Event schon schauen, ob ich mir nicht ein neues Macbook zulegen möchte… ich schätze, ich habe ein paar 1000 Euro gespart…


*wie z.B. das Verkaufen von Modeaccessoires mit Gold- und Diamantarmbändchen an bemitleidenswerte Gestalten die sowas nötig haben, der Tod von Aperture (und das allmähliche Sterben sonstiger Unterstützung von Fotografen und sonstigen Kreativen), das unglaublich nervige Bevormunden von Entwicklern mit AppStores und Zertifikaten und verifiziertem Entwicklertum und Review-Willkür undsoweiter undsofort…

Ich war mal so schön

Gestern war ich also in der alten Heimat gewesen – unter anderem, um am Grab meiner Eltern vorbeizuschauen. Oder besser gesagt, beim Baum meiner Eltern, denn sie sind im Friedwald „Bienwaldruhe“ bei Kandel bestattet.

Ganz in der Nähe des Friedwaldes befindet sich das Naturfreundehaus Kandel, und weil es inzwischen eh Mittag war und ich ein leichtes Hüngerchen verspürte, kehrte ich dort kurzerhand ein, bestellte mir einen Salat und eine Limo, nahm den Zettel mit meiner Nummer entgegen (Selbstbedienung!), setzte mich mit meiner Limo draussen auf eine Bierbank und wartete auf meinen Aufruf.

Eine ganze Weile geschah nichts… und ich dachte weiter an meine Eltern, und daran, wie anders in den letzten vier Jahren alles geworden war.

sklib-120713-115315Eine Viertelstunde verging so, dann kamen zwei weitere Gäste und setzten sich zwei Bänke hinter mich. Ein Pärchen, beide so um die Mitte 50, solariumsgebräunt und sportlich. Eine Weile beachtete ich sie nicht, doch irgendwann hörte ich hin und wurde Zeuge des folgenden Gespräches (man muss sich das ganze in breitem Pfälzer Dialekt vorstellen, zum einfacheren Lesen habe ich diesen hier kurzerhand in Hochdeutsch übersetzt):

Sie: „Hast Du das gesehen? Da haben sich viertausend Menschen nackig gemacht und blau anmalen lassen…“

Er: „mh hm“

Sie: „Das würd ich ja nicht machen“

Er: „hm, nein, ich auch nicht…“

Sie: „Da waren ganz dicke dabei, und ganz dürre“

Er: „hm…“

Sie: „Ich würd das nicht machen.“

Er: „hm…“

Sie: „Auch früher hätt‘ ich das nicht gemacht, auf keinen Fall…“

Er: „hm ja… man wundert sich, wozu Menschen imstande sind…“

Sie: „Früher hätt ich’s nicht gemacht. Weißt Du, vor der Brust-OP? Früher, wo ich ganz schön war?“

Er: „hmm“

Sie: „Ich war mal ganz schön. Ganz, ganz schön war ich mal…“

Er: „hmm“

Sie: „Als ich jung war, ein ganz schönes junges Ding war ich…“

Er: „hmm“

Sie: „Sag mal, liebst Du mich eigentlich noch?“

Er: „Aber sicher lieb ich Dich noch“

Sie: „Das allerwichtigste ist ja, dass wir gesund sind“

Er: „Ja, genau“

Dann wurde meine Nummer aufgerufen und ich ging rein, um mir mein Mittagessen zu holen.

sklib-120713-131240Die Bilder in diesem Artikel kommen aus meinem letzten Aktshooting. Das Modell ist Alex, auch bekannt unter dem Handle I Want To Kill You Like They Do In The Movies.

Dieses Shooting war im Juli 2012. Einen Monat später erlitt mein Vater einen Schlaganfall, und damit setzte sich eine Kette von Ereignissen in Bewegung, die damit enden sollte, dass meine Eltern beide nun unter eben jenem Baum ruhen und die Musik verstummt ist.

sklib-120713-134351Weniges kommt mir fremder vor als dieses letzte Shooting, das stattfand, als die Welt eben gerade noch nicht aus den Fugen geraten war; den Monat zuvor hatten wir noch meinen Geburtstag gefeiert, mit über 40 Leuten auf der Terrasse von K-Burg, Livemusik und Tanz… mit meiner Band war ich gerade mitten in den Aufnahmen zu einem neuen Album, bei meinem Arbeitgeber planten wir das nächste große Spiel, die nächsten Shootings wurden geplant, und um unsere Beine herum wuselte der süßeste, treueste und liebevollste kleine schwarze Hund, den man sich vorstellen konnte… und das alles gibt’s in der Form nun, vier Jahre später, nicht mehr. Das alles ist ganz unglaublich weit weg, genau wie dieses Shooting.

Und trotzdem musste ich daran denken, als ich den zwei Gästen zuhörte.

Ich weiss noch nicht mal warum.

Wolves!

Ich hab mich am Wochenende hingesetzt und ein kleines Spielchen geschrieben (eigentlich wollte ich ja Musik machen, aber irgendwie hat es sich anders ergeben).

„Wolves“ ist ein Mini-Strategiespiel für den Apple II (besser gesagt, die Minimalanforderung ist ein Apple II+ mit 5.25″ Diskettenlaufwerk).

Wer gerade keinen Apple II zur Hand hat, der kann sich mit einem Emulator behelfen. Apple //jse zum Beispiel, der ist vollständig in Javascript geschrieben und läuft im Browser…

Man hat es nicht leicht als Wolfsrudel...
Man hat es nicht leicht als Wolfsrudel…

Ziel ist es, einem Wolfsrudel bei der Jagd zu helfen, und das ganze einigermaßen strategisch so geschickt zu machen, dass die Wölfe 10+ Level mit steigendem Schwierigkeitsgrad überleben.

Implementiert wurde „Wolves!“ in einem Zeitraum von 8 Stunden nach einem tollen und hippen neuen Vorgehensmodell bei der Softwareentwicklung, das bald jedes Startup einsetzen wird, wenn es einigermaßen ernst genommen werden möchte, und zwar IDSE.

IDSE ist die Abkürzung für „Implementier den Scheiss einfach!„, und ich werde irgendwann einmal, wenn die Welt reif dafür ist, mehr darüber erzählen. Nur soviel sei als Spoiler schon mal gesagt: Es gibt keine Retros, keine Reviews, keine Plannings, keine Standups, keine Storypoints, keine Stakeholder, keine Pullrequests, keine DODs, keine DORs, kein PP und kein XP und keinen Plan, der größer ist als das, was an zwei durchgemachten Nächten in einen Kopf passt.

Aber zurück zum Spiel.

Ich bekam die Idee zu „Wolves!“, als ich Buba und ihren Freundinnen Liza und Schnitzel beim sich-durch-den-Wald-bewegen und bei der Interaktion miteinander beobachtete.

Eigentlich wollte ich es auf dem BBC Micro implementieren, doch bei diesem flog mir leider ein Entstörkondensator des (jetzt auch schon 30 Jahre alten) Netzteils um die Ohren und deshalb ist er erstmal ausser Betrieb, und mein guter alter Apple IIGS sprang stattdessen als Entwicklunsgplattform ein.

Doch jetzt erstmal genug der Worte,

 Hier gibt’s das .DSK Image zum Runterladen.

Viel Spaß beim Spielen.

P.S.: Leider hat nicht jede moderne Tastatur einen Ziffernblock, darum können die Wölfe auch, was nicht in der Anleitung steht, mit

UIO
JKL
M,.

gesteuert werden… J, I, L und „,“ bewegen die Wölfe dabei nach links, oben, rechts und unten, und die anderen Tasten dementsprechend diagonal.

 

Vier Tage in Zahlen

  • 25 km gelaufen
  • 2.5 kg Erdbeeren verdrückt (mit Frau K. und anderen lieben Menschen und Schildkröten zusammen)
  • 515 Fotos gemacht
  • 174 Zeilen Code geschrieben
  • 64 Takte Musik aufgenommen
  • 4 Islandpferden beim Tölten zugeschaut
  • 2 Retweets auf Twitter bekommen
  • 2 Wanderfalken und
  • 1 Uhu gesehen

Ich würde mal sagen, im Prinzip kann sich das sehen lassen, ausser natürlich Twitter, das scheint mir weiterhin reine Zeitverschwendung zu sein.

Ich befürchte, so rein controllingmässig, die Zahlen für die nächsten vier Tage werden nicht ganz so gut werden.

Um so wichtiger, sich diese hier in Erinnerung zu behalten.