Die bisher noch guten Menschen von Rhöndorf

Eigentlich wohnen Frau K. und ich seit 8 Jahren durchaus gern in der kleinen Burg im Wald bei Rhöndorf, haben uns sehr gut eingelebt und viele schöne Freundschaften im Ort geschlossen… aber leider haben sich in diesen 8 Jahren eben auch viele Dinge verändert.

Zum einen haben wir uns verändert, zum anderen hat sich Rhöndorf  verändert, und überdies gilt in unserer kleinen Farm der Tiere hier oben inzwischen (frei nach George Orwell) das Gesetz, dass zwar alle Tiere gleich sind, manche aber gleicher.

Im April, als alle drei Probleme in aller Deutlichkeit offenbar wurden, begannen Frau K. und ich, die Konsequenzen zu ziehen und uns ernsthaft nach einem neuen Zuhause umzuschauen.

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Nachdem wir ein bisschen Einblick in die Materie bekommen hatten, definierten wir schon bald ein paar Grundsätze für uns, von denen zwei auch eine moralische Dimension haben, und zwar:

  1. Wir würden bei keiner Zwangsversteigerung mitmachen. Zwangsversteigerungen entstehen oft, weil Privatpersonen überraschend in finanzielle Schieflagen geraten sind, und wir wollten uns nicht am Unglück anderer bereichern, und
  2. Wir würden nichts kaufen, was schon vermietet ist, um den Mietern dann wegen Eigenbedarf zu kündigen. Weil’s einfach ne Sauerei ist.

Das war am Anfang vom Sommer.

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Inzwischen ist der Sommer um, und ich kann mit Fug und Recht sagen, es war ein selten beschissener Sommer, für uns beide.

Ok, ja, ich weiß Jammern auf hohem Niveau; wir sind gesund, wir haben Arbeit, ich hab ein tolles Album rausgebracht, etc. pp.; trotzdem kann ich es nicht ändern, Depression ist Depression, und ich hatte die letzten Wochen eine echt gute. Und ich kann leider nicht jeden Monat für fünfstellige Beträge ein Album rausbringen, damit ich mich mal einen Abend lang gut fühle.

Von der ganzen Kilometerfresserei, den ganzen unnützen Besichtigungen und dem ganzen Stress abgesehen: Zwei Mal standen wir vor unserem Traumzuhause und fingen an, uns die Zukunft in den schönsten Farben auszumalen; zwei Mal dachten wir uns: Ja, das ist es, hier wollen wir den Rest unseres Lebens verbringen. Und zwei Mal lösten sich unsere Träume einfach so in Luft auf.

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  • Einmal, weil wir einfach die Spielregeln noch nicht kannten (niemals alle Karten auf den Tisch legen! Nicht wahrheitsgemäß berichten, dass Dir noch ein Dokument fehlt, das sicher demnächst ankommt. Das Dokument kommt dann tatsächlich an, aber die Immobilie ist dann auch weg, und zwar einen Tag, bevor das Dokument ankommt), und
  • einmal, weil die zuständige Maklerin es nicht für nötig hielt, uns zu darauf hinzuweisen, dass ein neuer Interessent hinzu gekommen ist und ein Angebot abgegeben hat, verbunden mit der Frage ob wir denn auch eines abgeben wollen. Wie es eigentlich üblich ist. Nein, während wir auf den fest vereinbarten Termin mit unserem Gutachter warteten, wurde das Ding kurzerhand verkauft. Danke für die maßlose Enttäuschung, das Entsetzen und den depressiven Schub (wer auch auf Häusersuche ist und erfahren möchte, mit wem man auf keinen Fall Geschäfte machen sollte -> E-Mail an mich reicht).

Wenn man zu diesen Enttäuschungen noch die Tatsache hinzuzählt, dass unsere Entscheidung, hier wegzuziehen, zu mindestens 40% darin begründet ist, dass es hier Menschen gibt, die uns nun mal nicht dieselbe Rücksichtnahme und Toleranz entgegenbringen wie wir ihnen, dann frage ich mich allmählich ernsthaft, warum wir eigentlich auf Teufel komm raus so nett zu unseren Mitmenschen sind.

Wir wurden jetzt so nachhaltig verarscht und scheiße behandelt, sind beide derart reif für die Insel und keine zwei Millimeter weiter als wir es im April waren… warum nett sein, wenn die Leute nicht nett zu uns sind?

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Vor kurzem gab es dann wieder ein Haus zu kaufen. Ein ziemlich schönes Haus. Für einen Preis, der für uns durchaus im Rahmen des Möglichen lag.

Es war vermietet.

Es wohnte eine Familie mit Kindern drin.

Als wir das erfuhren sagten wir „vielen Dank, aber dann haben wir eher kein Interesse mehr“.

Worauf uns die Maklerin sagte: „Das ist wirklich lieb von Ihnen, und Sie sind gute Menschen… aber anderen Interessenten wird das vollkommen egal sein.“

Und sie behielt recht. Das Haus ist inzwischen verkauft, die Familie muss gehen. Es hätte unseres sein können, aber unsere Moral war ja im Weg. Wir hätten morgens nicht mehr in den Spiegel schauen können, wenn wir die Leute da vertrieben hätten. Dafür suchen wir aber immer noch, und es gibt momentan zwei Dinge vor denen ich wirklich Angst habe:

Erstens, vor der nächsten Enttäuschung (auf einer Skala von 1 bis 10 würde ich die letzte bei 9 einordnen… weiss nicht, was passiert, wenn wir bei 10 sind). Und, zweitens, dass ich irgendwann so weit bin, dass ich sage: „Mir doch egal“.

P.S.: Alle Bilder im Artikel sind aus einer Gegend, die unser neues Zuhause hätte sein können.

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Thanksgiver

Vor fünf Jahren sah es so aus, als ob alles vorbei wäre.

Steffi war die erste, die ihren Abschied nahm. 2012 waren wir noch mit Feuereifer dabei gewesen, ein neues Album aufzunehmen und uns auf eine Clubtour vorzubereiten, als plötzlich eine Katastrophe nach der anderen über mich hereinbrach. Ich habe an anderen Stellen in diesem Blog schon oft genug darüber geschrieben… Schlaganfall bei meinem Vater, Tod meines Vaters, Pleite meiner Firma, Tod meines Hundes, Pleite der nächsten Firma, Tod meiner Mutter… und ich mittendrin, und weder emotional noch sonstwie dazu in der Lage, damals laufende Musikprojekte weiter voran zu bringen.

Als meine „Band“ bemerkte, dass bei mir plötzlich alles gar nicht mehr so cool, lustig und easy going war wie zuvor, ging sie auf Abstand. Und als ich dann wieder ein ganz kleines bisschen Motivation zusammengekratzt hatte, musste ich feststellen, dass ich keine Band mehr hatte. Wie gesagt, Steffi war die erste gewesen, aber da sie damals den Mut und den Anstand und die Ehrlichkeit hatte, mir ins Gesicht zu sagen, dass musikalisches Vorankommen für sie sehr wichtig war, und sie deshalb fortan solo arbeiten wolle, konnte ich ihr gar nicht mal so sehr böse sein. Bei mir ging es nun mal nicht weiter.

Etwas anderes war es bei Gitarre und Bass, die sich einfach sang- und klanglos verabschiedet und auf Unmutsäußerungen meinerseits leider menschlich ziemlich inkorrekt reagiert hatten. Aber ich schreibe dies hier nicht, um in alten Wunden zu stochern, sondern eher um festzustellen, dass es mit Botany Bay 2013 sehr traurig und unwürdig zu Ende gegangen war. Verlassen und verbittert saß ich vor einem Scherbenhaufen (aus dem später, als ich erneut genug Kraft für einen Schlussstrich geschöpft hatte, wenigstens die naturgemäß wenig beachtete Compilation „In Between Years“ wurde) und leckte meine Wunden.

Drei Jahre später, im Sommer 2016 traf ich Steffi wieder. Sie war in der Nähe und hatte spontan angefragt, ob ich Lust auf einen Besuch hätte. Die hatte ich, was mich selbst überraschte, und so trafen wir uns bei mir auf der K-Burg.

Es war ein langer, lauer Sommerabend. Wir kochten zusammen Spaghetti mit Sardellen, Kapern und frischen Tomaten, tranken leckeren Rotwein, und erzählten einander, wie uns das Leben in der Zwischenzeit mitgespielt hatte. Schnell wurde uns beiden klar, dass unser beider Leben sich keinesfalls so entwickelt hatte, wie wir das gerne gehabt hätten. Steffi hatte ihr eigenen Abgründe entdeckt und durchschritten, genau so wie ich die meinen.

Einige Gläser Rotwein später saß ich dann plötzlich am Klavier und klimperte vor mich hin, und Steffi stand neben mir und kritzelte einen Text vor sich hin und fing an zu singen, und es war beinahe alles wie früher. Es ging sogar so weit, dass ich das Notebook rausholte, die Drum-Machine anwarf und wir ein kleines Demo aufnahmen. Ebenfalls wie früher.

Und dabei beließen wir es dann. Irgendwie war es sehr schön gewesen, aber weiter in die Zukunft mochte niemand von uns denken. Wir blieben danach in freundschaftlichem Kontakt, aber Musik wurde keine weitere produziert.

Irgendwann Ende Februar 2017 wachte ich eines Morgens auf und dachte, wie so oft, an Botany Bay. Dachte daran, wie unwürdig es geendet hatte, und wie sehr mich dieser Umstand ärgerte. Und dann kam mir eine Idee. Eine Idee, die gleichermaßen einfach wie gewagt war, so dass ich erstmal einen Tag lang darüber brüten musste. Doch am Abend war ich so weit.

Ich rief also Steffi an und sagte (ungefähr, aus der Erinnerung): „Pass auf. Ich find’s schade, wie Botany Bay zu Ende gegangen ist. Ich finde, das hat das Projekt nicht verdient. Ich würde es gerne schön und in Würde abschließen. Ich möchte gerne mit Dir eine letzte, schöne Platte machen. Für uns. Nicht für den Erfolg oder den Durchbruch oder damit uns irgendwelche Leute mögen, sondern für uns. Ne richtige Platte zum Anfassen. Für uns.“

Am anderen Ende herrschte zwei Sekunden Stille, und dann die sehr resolute Antwort: „Ja, unbedingt. Lass uns das machen. Ich bin dabei. Wann fangen wir an?

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(…und an dieser Stelle wird es höchste Zeit, dass ich ein ganz offizielles, großes, dickes, fettes und kursives DANKE an Steffi sage. Es ist nicht leicht, über den eigenen Schatten zu springen, und Du hast es gleich mehrmals für mich gemacht. Alles, was nicht so cool war, ist vergeben und vergessen.)

Wir waren uns von Anfang an darüber klar, dass wir die Aufnahme unseres neuen Albums vor der Welt geheim halten würden. Einsicht in unser Tun auf diversen „sozialen“ Netzwerken hatte weder Steffi noch mir in der Vergangenheit gut getan.

Die erste Session fand am 8.3.2017 im neu eingerichteten Aufnahmestudio im Obergeschoss der K-Burg statt. Doch die tatsächliche Geburtsstunde von „Thanksgiver“ kam erst einen Monat später, am 7.4.2017. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir drei durchaus schöne Demos aufgenommen… doch dann war mir die Idee zu einem Lied gekommen, das ich „Howl“ nannte, das später in veränderter Form und unter anderem Namen seinen Weg auf die Platte finden sollte, und das alles über den Haufen warf.

Ich kann es nicht erklären (und wenn ich es erklären könnte, dann würde ich es vermutlich nicht erklären wollen), aber „Howl“ klang und wirkte vollkommen anders als alles, was wir vorher zusammen gemacht hatten… und nachdem die erste Version davon im Kasten war, saßen wir da, schauten uns an, und wussten genau, dass wir gerade den ersten Schritt auf einer musikalischen Reise gemacht hatten, von der es kein Zurück geben konnte. Die anderen vier Tracks wurden verworfen und wir begannen, dieses neue Land, das wir da betreten hatten, näher zu erforschen.

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In der Folgezeit passierte ein Wunder nach dem anderen. Und mit Wunder meine ich: Wir lernten zufällig und vollkommen ungeplant eine Menge neue Musiker kennen, die sich auf „Thanksgiver“ einbrachten (und ich behaupte an dieser Stelle mal: Es wäre für viele andere Musiker schwierig bis unmöglich gewesen, sich in „Thanksgiver“ einzubringen. Aus irgend einer Fügung fanden wir aber genau diejenigen, die dieses Projekt brauchte).

Bestes Beispiel: Mike aus England. Dieser war nur zufällig zu Besuch bei unseren Nachbarn, aber es stellte sich raus, dass er nicht nur Oboe spielte, sondern seine Oboe auch noch dabei hatte. Und ehe er sich versehen konnte, stand er im Studio und spielte Oboe für uns.

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Oder Tobi, ein Bekannter eines unserer Gitarristen (insgesamt sind es drei, ebenfalls aus sehr zufälligen Fügungen heraus). Der war nur zufällig mal mitgekommen und hatte sein Cello mitgebracht. Es war mitnichten geplant gewesen, ihm eine maßgebliche Rolle auf diesem Album zu geben. Und doch wäre „Thanksgiver“ ohne Tobis Cello nicht vorstellbar.

Die Geschichte von „Thanksgiver“ ist voll von solchen Geschehnissen. Es wurde tatsächlich eine Reise für uns – eine spannende und intensive Reise voller neuer Bekanntschaften, neuer Ideen und neuer Klänge. Am Ende der Reise stehen jetzt 180g Vinyl, die (zum ersten Mal in unserer Geschichte) genau so geworden sind, wie wir das haben wollten.  Es gab keine künstlerische Differenzen, keine Schwierigkeiten, keine Komplikationen, und keinerlei Überlegungen, wie man unsere Musik den „Freunden“ auf Gesichtsbuch schmackhaft machen könne… es gab nur einen glitzernden Fluss an Ideen und Gefühlen. Es klingt vermutlich seltsam für Leute die nicht dabei waren, aber die Produktion von „Thanksgiver“ war ein spirituelles Erlebnis, das ich in meinem Leben nicht missen möchte.

Tja, und jetzt sind wir, wie gesagt, am Ende der Reise angekommen. „Thanksgiver“ ist fertig, und wir werden die Platte am 6.10.2018 in die große, weite Welt entlassen.

Leider bedeutet das auch, dass jetzt der für mich schwerste Teil kommt… unser „Produkt“ irgendwie feilzubieten und anzupreisen. Nur wenige Dinge erfüllen mich mit mehr Horror, als mit etwas, was mir heilig ist, hausieren gehen zu müssen. Wir haben kein Plattenlabel mehr, das sich nicht richtig darum kümmert, also müssen wir das im Prinzip selbst tun, und da ist das Problem. Es ist kein Geheimnis, dass ich das Internet schon lange nicht mehr gut finde. Dass ich mit Twitter auf Kriegsfuß stehe, Instagram für albern halte und Facebook regelrecht verabscheue. Die Beschäftigung mit solchen Plattformen hat das Zeug dazu, mich so richtig nachhaltig aus der Bahn zu werfen.

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Das macht es natürlich sehr schwer, in Zeiten wie diesen die Werbetrommel für „Thanksgiver“ zu rühren.

Aber auf der anderen Seite muss ich das vielleicht gar auch nicht.

Selbst wenn wir kein einziges Exemplar von „Thanksgiver“ verkaufen würden, dann wäre es immer noch das, was es ist, und ich wäre unverändert stolz darauf.

Es gab kurz nach Abschluss des Masterings von „Thanksgiver“ eine kurze Phase, in der ich drauf und dran war, die Platte einfach nicht rauszubringen und für mich zu behalten.  Aber das wäre feige gewesen, es wäre egoistisch gewesen, und extrem ungerecht jenen großartigen Menschen gegenüber, die die ganze Zeit auf neue Musik von uns gewartet haben… und für die ich letzten Endes diese Zeilen hier schreibe.

Daher, für euch: „Thanksgiver“ erscheint am 6.10.2018 im Eigenverlag in streng limitierter Auflage von 300 Stück. Wer eine Platte kauft, bekommt selbstverständlich einen MP3- (oder flac- oder ogg-) Download kostenlos dazu.

Auf thanksgiver.botanybay.cc kann man sich schon mal ein Bild von der Sache machen. Und auf Bandcamp kann man die Platte vorbestellen und einen Song schon mal probehören.

Vor fünf Jahren sah es so aus, als ob alles vorbei wäre.

Ich bin unendlich dankbar, dass es anders gekommen ist.

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Wir haben verloren

Bei einem meiner Ex-Arbeitgeber, wo alles sehr groß und ambitioniert war, da veranstaltete eine junge Frau, die ohne Probleme meine Enkeltochter hätte sein können, für ihre Abschlussarbeit eine Umfrage zum Thema Nutzung sozialer Netzwerke durch ‚digital natives‘ vs. ‚digital immigrants‘, und sie fragte mich, ob ich ihr als Vertreter der letztgenannten Gruppe fünf Minuten meiner Zeit opfern würde, um ein paar Fragen zu beantworten.

Nun kenne ich mich, was das Internet betrifft, allein schon brotjobbedingt mit echt vielen Dingen aus, aber wenn von wichtigen Menschen über die Sozialstruktur des Netzes philosophiert wird, dann halte ich mich meistens raus… und deshalb hatte ich auch keine Ahnung von den Begriffen ‚digital natives‘ oder ‚digital immigrants‘.

Die ’natives‘, so erfuhr ich, das sind diejenigen, für die das Netz zu ihrer bisherigen Lebenszeit schon immer existierte. Es war nie nicht da, sie sind damit aufgewachsen. Die ‚immigrants‘ hingegen mussten sich erst daran gewöhnen, sie kannten es in ihrer Kindheit oder Jugend nicht, weil es da einfach noch nicht da war.

Aus sicherlich falscher Eitelkeit heraus störte mich diese Klassifizierung damals.

Es müsste, so meine Argumentation, eine dritte Gruppe geben – diejenigen, die zum Zeitpunkt ihres Erwachsen-Werdens am Aufbau des Netzes beteiligt waren. Diejenigen, die den ‚digital natives‘ ihren Sandkasten, den sie nun für die Welt halten, gebaut und zum Spielen hingestellt haben.

Ich war mit dem Akustikkoppler (und später mit dem Modem) in Mailboxen unterwegs, hatte einen eigenen Point im Fidonet, hackte PPP-Treiber für meinem A3000UX, starrte wie gebannt auf die ersten vom CERN und einigen wenigen Universitäten ausgelieferten Webseiten, damals noch via Terminalzugang über Lynx. Ich war einer der ersten, die eine Homepage hatten, und meine damalige Band war eine der ersten, die ihre Werke als mp2 (mp3 war noch nicht erfunden) kostenlos im Netz offerierten, lange vor der Entstehung von Creative-Commons-Lizenzen; ich beteiligte mich an Diskussionen im usenet… Ich war da. Ich war dabei. Ich hab dieses Netz mit aufgebaut. Ausgerechnet ich war jetzt also ein ‚immigrant‘, der erstmal damit klar kommen musste, welches für ihn fremde Wunderwerk der Technik ihm da vor die Füße geschmissen wurde? Das erschien mir als falsch.

„Na ja“, meinte meine Interviewpartnerin, „das leuchtet mir ein. Vielleicht könnte man Leute wie Dich als ‚digital builder‘ bezeichnen“.

Ein Arbeiter, von mir aus, das war auf jeden Fall näher an der Realität.

Wenn ich mir die Sache heute wieder durch den Kopf gehen lasse, dann muss ich feststellen, meine Klassifikation hat sich wohl in den letzten zwei Jahren geändert. Vom Arbeiter bin ich zum Auswanderer geworden. Noch nicht vollständig, aber immer mehr. Ich möchte mit diesem Netz immer weniger zu tun haben. Ich kann nicht ganz los lassen (noch nicht?), aber wenn wir mal hier den weit verbreiteten Fehler machen, das Internet als Raum zu begreifen, dann ist es ein Raum, der mich mehr und mehr anwidert, und in dem ich meine Zeit als verschwendet ansehe.

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Wie konnte es so weit kommen?

Als ‚das Internet‘ für den Privatmenschen so richtig losging (das muss so die Zeit zwischen 1998 und 2006 gewesen sein), da projizierten eine Menge unterschiedliche Menschen eine Menge unterschiedliche Wünsche und Hoffnungen auf dieses zarte neue Pflanze, die da gerade spross und gedieh.

Eine Plattform, um Menschen grenzübergreifend Information zugänglich zu machen, das hörte sich an, als wäre eine Utopie wahr geworden. Nicht wenige dachten (und ich gestehe, ich gehörte dazu), die Menschheit würde durch das Internet besser werden und sich weiter entwickeln.

Nehmen wir nur mal die Musik – endlich gab es die Möglichkeit, interessierten Menschen abseits vom Mainstream neue Musik ohne komplizierte Vertriebskanäle zur Verfügung zu stellen. Label? Plattenfirmen? Verträge? Brauchen wir nicht. Wir stellten unsere Werke frei verfügbar ins Netz und boten bei Gefallen die Möglichkeit an, eine richtige CD mit schönem Booklet zu bestellen, oder uns etwas zu spenden… so musste das funktionieren; alte, überkommene Strukturen aufbrechen, und neues erschaffen und dabei andere Künstler kennenlernen, einen aktiven Austausch von Inspiration etablieren. Das klang richtig gut, richtig verheißungsvoll.

Wie so Vieles.

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2017, und wir haben Trump, Front National und die AfD. Und auch wenn gerade zig Institute zig teure Studien durchführen um herauszufinden, ob das Internet darauf wirklich so einen großen Einfluss hatte, kann ich das ganze hier gerne mal extrem kostensparend abkürzen: Ja, hatte es, natürlich. Man muss schon ziemlich merkbefreit sein, um das nicht zu erkennen.

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Mark Zuckerbergs große Dauerwerbesendung hat jedem besorgten Bürger, der vor 10 Jahren nur für sich allein vor seiner Fototapete sitzend gegen die Juden und/oder Kanaken und/oder Neger und/oder Europa schimpfte plötzlich das Gefühl gegeben, Teil einer großen und wichtigen Bewegung zu sein, in der alle Menschen eine ähnliche Meinung haben (und wenn nicht, dann allenfalls zu einer kleinen Gruppe von Gutmenschen gehören, die es zu bekämpfen gilt).

Machen wir uns nichts vor, diese Leute gab es schon immer. Aber dass sie zusammen gefunden haben, in ihren traurigen Ansichten zigtausendfach bestärkt wurden und nun einen veritablen gesellschaftlichen Faktor darstellen, das haben wir in der Hauptsache unseren „sozialen“ Netzwerken zu verdanken. Dass sie in einer Filterbubble leben, das wissen sie nicht. Und was Fake News sind, schon mal gar nicht. Diese Menschen hatten früher ihre Bildung aus der Bildzeitung, da ist es nicht verwunderlich dass sie die Mär von Vergewaltigungen in Schwimmbädern durch organisierte Flüchtlingstrupps für bare Münze nehmen. Um zu begreifen dass sie instrumentalisiert und verarscht werden, müssten sie in der Lage sein, die Metaebene zu sehen, und diese Kompetenz haben sie nie erlernt.

Das ist es, was aus dem Netz wirklich wurde: Gift für die Massen. Ein Nährboden für Scharlatane und Hetzer, die hier jede Menge wehrlose Opfer finden… und eine einzige riesige virtuelle Klowand, bei deren Anblick sich jeder Vollpfosten denkt, sie gäbe ihm das Recht, ungefiltert und unter Missachtung jeglicher Regeln des Anstandes und der Vernunft Äußerungen darauf zu schmieren, die er in einem realen Gespräch einem realen Menschen niemals ins reale Gesicht sagen würde.

Und dabei geht es nicht mal ’nur‘ um Politik. Es geht ganz allgemein darum, wie man sich benimmt, Oder eben nicht benimmt. Blödsinnige youtube-Kommentare, Petabytes an Spam die jeden Tag verschickt werden, so genannte SEO- und Content-Marketing-Spezialisten und sonstige ganze Berufszweige die sich um die Frage herum gebildet haben, wie man am besten eine Suchmaschine verarscht, Unmengen an stumpfsinnigster Konsumgeilheit und Werbung, die sich als Fashion- und Lifestyleblogs tarnt, Botnetzwerke, Zensur, Verschlüsselungstrojaner, Klarnamenpflicht auf Google+ (kennt das noch wer?), der Niedergang der Piraten… ich könnte ewig so weiter machen. Das Internet ist sowas wie ein Universal-Toolkit geworden, mit dem sich alle Erungenschaften des Zeitalters der Aufklärung wirksam bekämpfen lassen.

Und natürlich ist es mit meinem größten Antrieb, der Musik, auch den Bach runtergegangen. Als wir „Grounded“ veröffentlichten, da hatte man noch eine minimale Chance, auf Plattformen wie Jamendo wahrgenommen zu werden, und es gab noch revolutionäre und vielversprechende Formate wie Garageband.com. Nun ja, letzteres wurde von myspace gekauft und gegen die Wand gefahren (ehe myspace selbst in der Bedeutungslosigkeit versank), und Jamendo ist nur noch ein trauriger Witz, auf dem Leute, die kein Instrument spielen können, zwanzigtausend generische House-Tracks und Ambient-Mixe von anderen Leuten die kein Instrument spielen können, herunterladen und bejubeln (ich wage übrigens an dieser Stelle mal die Prognose, dass Jamendo 2017 den Weg von Ipernity gehen wird – diese andere französische Plattform, die so hoffnungsvoll gestartet war, aber ich schweife ab).

Sei das alles wie es wolle, ich habe dieses Netz mit aufgebaut, weil ich so große Hoffnungen hatte. Als ‚digital builder‘ muss ich zugeben, wir haben versagt. Die Technik ist weiter als die Menschen es sind. Mal wieder. Das hätte allen Beteiligten bewusst sein müssen. Man hätten früh voraussehen können, dass auch die Rattenfänger ins Netz kommen würden, die Trumps und Petris, die Content-Marketing-Menschen, die Pseudo-Visonäre, die Absahner, und die Leute mit der Bildung aus der Bildzeitung. Jetzt ist es zu spät. Sie sind alle da, und sie machen was sie wollen, sie machen das Netz kaputt und es gibt offensichtlich kein Rezept dagegen. Und wenn es nur das Netz wäre, dann wäre alles noch ok, aber nein, sie machen die Welt kaputt. Gratulation, Internet, Du hast dabei geholfen, eine Welt zu erschaffen, in der man jeden Morgen Angst haben muss, dass ein durchgeknallter Faschist mit einem toten Hamster auf dem Kopf den dritten Weltkrieg auslöst.

Auch wenn das alles gar nicht danach klingt, ich bin kein negativer Mensch, wirklich nicht. Ich bin, wenn man bedenkt was in den letzten Jahren alles passiert ist, ziemlich glücklich mit meinem Leben. Aber ich hatte, wie gerade angedeutet, so einige persönliche Schicksalsschläge zu verarbeiten, und ich konnte mir nicht aussuchen, ob ich sie erleiden möchte oder nicht.

Ob ich mich im Netz von Hass und Dummheit deprimieren lassen möchte, das hingegen kann ich mir aussuchen, und gerade ist es sehr wichtig für meine geistige Gesundheit, mich dagegen zu entscheiden. Ich bin es leid, was aus dem Netz geworden ist. Das ist auch der Grund, warum hier lang nicht so viel von mir zu lesen war, wie ich ursprünglich vor hatte. Klar habe ich programmiert und fotografiert und getextet und musiziert, aber die Zeit in der realen Welt war und ist mir viel wichtiger als die Beschäftigung mit dieser ausser Kontrolle geratenen Hassmaschine namens Internet.

Es tut mir sehr leid für die Leute, die meinen künstlerischen und/oder menschlichen Werdegang verfolgen und das Interesse nie aufgegeben haben, und die auf neuen musikalischen Output von mir warten. Ich verspreche, er wird kommen, ich arbeite aktiv daran. Und ihr seid mir auch nicht wurscht, sonst würde ich diesen ganzen Artikel hier gar nicht schreiben, ich möchte nur, dass ihr mich versteht… warum ich mich zurückziehe, warum ich die Wandlung vom digital builder zum digital emigrant vollziehe.

Der Grund ist, um das noch mal ganz deutlich zu machen:

Wir haben verloren. Das Netz ist wenn noch nicht vollständig kaputt dann doch todkrank, und es hat in den letzten Stadien seiner Krankheit ein Monster nach dem anderen hervorgebracht. Es wird höchste Zeit für ein neues Netz.

Oder wer weiß. Vielleicht sind wir ohne einfach besser dran.

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P.S. / Update: Inzwischen wurde der Artikel auch von irgendjemandem auf Twitter geteilt, der eine größere Leserschaft hat als ich (nicht wirklich ein Kunststück) – und schon melden sich vermeintlich netzaffine Leute mit irgendwas mit Tux im Twittername zu Wort und bescheinigen mir, ich sei halt „zu doof“, meinen Newsstream zu filtern. Jahaa, alles sehr erwachsen. Womit aber bewiesen wäre, dass man nicht bei Trump, „AfD“ & Co. nachschauen muss, um Menschen zu finden, die sich im Netz nicht benehmen können.

Man muss nicht mit mir einer Meinung sein oder die Dinge genau so sehen wie ich. Man kann auch dagegen argumentieren. sleeksorrow macht das beispielsweise in den Kommentaren, und ich schätze ihn sehr.

Man muss noch nicht mal meinen Text lesen und seinen Sinn erfassen können.

Aber eine Meinung nicht teilen (oder verstehen) können und deshalb denjenigen der sie äußert bequem in 140 Zeichen als blöd hinstellen… naja… äh… füttere ich gerade Trolle? Ja, mach‘ ich wohl. Würde ein Filter helfen? Ja. Wäre die Welt besser wenn es diesen Filter nicht bräuchte? Aber auf jeden Fall.

Was zu beweisen war.

Ich war mal so schön

Gestern war ich also in der alten Heimat gewesen – unter anderem, um am Grab meiner Eltern vorbeizuschauen. Oder besser gesagt, beim Baum meiner Eltern, denn sie sind im Friedwald „Bienwaldruhe“ bei Kandel bestattet.

Ganz in der Nähe des Friedwaldes befindet sich das Naturfreundehaus Kandel, und weil es inzwischen eh Mittag war und ich ein leichtes Hüngerchen verspürte, kehrte ich dort kurzerhand ein, bestellte mir einen Salat und eine Limo, nahm den Zettel mit meiner Nummer entgegen (Selbstbedienung!), setzte mich mit meiner Limo draussen auf eine Bierbank und wartete auf meinen Aufruf.

Eine ganze Weile geschah nichts… und ich dachte weiter an meine Eltern, und daran, wie anders in den letzten vier Jahren alles geworden war.

sklib-120713-115315Eine Viertelstunde verging so, dann kamen zwei weitere Gäste und setzten sich zwei Bänke hinter mich. Ein Pärchen, beide so um die Mitte 50, solariumsgebräunt und sportlich. Eine Weile beachtete ich sie nicht, doch irgendwann hörte ich hin und wurde Zeuge des folgenden Gespräches (man muss sich das ganze in breitem Pfälzer Dialekt vorstellen, zum einfacheren Lesen habe ich diesen hier kurzerhand in Hochdeutsch übersetzt):

Sie: „Hast Du das gesehen? Da haben sich viertausend Menschen nackig gemacht und blau anmalen lassen…“

Er: „mh hm“

Sie: „Das würd ich ja nicht machen“

Er: „hm, nein, ich auch nicht…“

Sie: „Da waren ganz dicke dabei, und ganz dürre“

Er: „hm…“

Sie: „Ich würd das nicht machen.“

Er: „hm…“

Sie: „Auch früher hätt‘ ich das nicht gemacht, auf keinen Fall…“

Er: „hm ja… man wundert sich, wozu Menschen imstande sind…“

Sie: „Früher hätt ich’s nicht gemacht. Weißt Du, vor der Brust-OP? Früher, wo ich ganz schön war?“

Er: „hmm“

Sie: „Ich war mal ganz schön. Ganz, ganz schön war ich mal…“

Er: „hmm“

Sie: „Als ich jung war, ein ganz schönes junges Ding war ich…“

Er: „hmm“

Sie: „Sag mal, liebst Du mich eigentlich noch?“

Er: „Aber sicher lieb ich Dich noch“

Sie: „Das allerwichtigste ist ja, dass wir gesund sind“

Er: „Ja, genau“

Dann wurde meine Nummer aufgerufen und ich ging rein, um mir mein Mittagessen zu holen.

sklib-120713-131240Die Bilder in diesem Artikel kommen aus meinem letzten Aktshooting. Das Modell ist Alex, auch bekannt unter dem Handle I Want To Kill You Like They Do In The Movies.

Dieses Shooting war im Juli 2012. Einen Monat später erlitt mein Vater einen Schlaganfall, und damit setzte sich eine Kette von Ereignissen in Bewegung, die damit enden sollte, dass meine Eltern beide nun unter eben jenem Baum ruhen und die Musik verstummt ist.

sklib-120713-134351Weniges kommt mir fremder vor als dieses letzte Shooting, das stattfand, als die Welt eben gerade noch nicht aus den Fugen geraten war; den Monat zuvor hatten wir noch meinen Geburtstag gefeiert, mit über 40 Leuten auf der Terrasse von K-Burg, Livemusik und Tanz… mit meiner Band war ich gerade mitten in den Aufnahmen zu einem neuen Album, bei meinem Arbeitgeber planten wir das nächste große Spiel, die nächsten Shootings wurden geplant, und um unsere Beine herum wuselte der süßeste, treueste und liebevollste kleine schwarze Hund, den man sich vorstellen konnte… und das alles gibt’s in der Form nun, vier Jahre später, nicht mehr. Das alles ist ganz unglaublich weit weg, genau wie dieses Shooting.

Und trotzdem musste ich daran denken, als ich den zwei Gästen zuhörte.

Ich weiss noch nicht mal warum.

Vier Tage in Zahlen

  • 25 km gelaufen
  • 2.5 kg Erdbeeren verdrückt (mit Frau K. und anderen lieben Menschen und Schildkröten zusammen)
  • 515 Fotos gemacht
  • 174 Zeilen Code geschrieben
  • 64 Takte Musik aufgenommen
  • 4 Islandpferden beim Tölten zugeschaut
  • 2 Retweets auf Twitter bekommen
  • 2 Wanderfalken und
  • 1 Uhu gesehen

Ich würde mal sagen, im Prinzip kann sich das sehen lassen, ausser natürlich Twitter, das scheint mir weiterhin reine Zeitverschwendung zu sein.

Ich befürchte, so rein controllingmässig, die Zahlen für die nächsten vier Tage werden nicht ganz so gut werden.

Um so wichtiger, sich diese hier in Erinnerung zu behalten.

Puh…

Heute fand ich mich also sehr plötzlich und spontan beim Arzt meines Vertrauens wieder, weil ich ebenso plötzlich und spontan nicht mehr richtig Luft holen konnte.

Weia, kein schönes Gefühl… und vor allem eines, das sich sehr schnell mit Angst und Panik vermischt.

Wie sich herausstellt ist alles halb so schlimm, und meine Bronchien sind verengt. Entweder als Konsequenz aus der Nebehöhlenentzündung, die ich die letzten Wochen mit mir rumgeschleppt habe, oder weil ich gegen irgendwas allergisch bin.

Ich habe einen Inhaler mit irgendwelchem schnell wirkenden Zeug drin, einen anderen Inhaler mit irgendwas anderem drin, ein Antiallergikum um sicher zu gehen, und die Versicherung meiner Ärztin, dass mit meiner Lunge und meinem Herz und meinem Kreislauf ansonsten alles in bester Ordnung ist.

Trotzdem, diese Inhaler hier neben mir parat liegen zu haben… weia, das erinnert mich alles so an meinen Vater, der in seinen letzten Monaten vor seinem Schlaganfall nur noch diese Dinger um sich herum angesammelt hatte und ohne sie nicht mehr leben konnte…

Und wieder kann ich mir ein bisschen mehr vorstellen, was er durchmachen musste 🙁

Alles neu

Der Gott in mir grüsst die Göttinnen und Götter in euch.

Herzlich willkommen zu Schall und Stille.

Schön dass ihr hier seid.

Ein neues Blog also. Das heisst, eigentlich ist es ein altes Blog, das neu gestartet wurde, und das eigentliche alte Blog gibt es auch noch, nur wird es nicht mehr fortgeführt und ausserdem blogge ich auch noch mit meiner Lebensabschnittsgefährtin zusammen, und habe ein Fotoblog und…  – ach, das Leben ist so kompliziert.

Also, so unkompliziert wie möglich soll es hier um mein kreatives Schaffen gehen, und um die Dinge, die ich erlebe, und die mir wichtig sind.

Mehr als einmal in den letzten Tagen hab ich mir natürlich die Frage gestellt, ob es wirklich gelingen kann, all die Sachen unter einen Hut zu bringen (und, in etwas schwachen Momenten, denn ich bin gesundheitlich gerade angeschlagen, ob die Welt das wirklich braucht). Manchmal bin ich mir ja selbst nicht ganz sicher, wer und was ich eigentlich bin, und wo die Reise mich noch hinführen wird.

Zu einer Zeit, da mein musikalisches Ex-Projekt richtig viele Fans hatte und ich den Großteil meiner Zeit und Kraft dazu aufbrachte, meine Produzentenrolle auszufüllen und in die Tasten zu hauen, da dürfte es den meisten aus meinem damaligen Publikum nicht klar und/oder wurscht gewesen sein, dass ich „hauptberuflich“ (ich mag das Wort nicht, aber es gibt m.W. kein deutsches Wort für „den Beruf, den man nun mal ausführen muss, damit man das Geld verdient, das man benötigt, um der eigentlichen Berufung nachgehen zu können“) Softwareentwickler war.

Umgekehrt dürfte den meisten Menschen, die mich ausschließlich in meiner Eigenschaft als Softwareentwickler kennen, nicht bewusst oder vollkommen egal sein, dass ich tatsächlich auch Musiker bin, das keinesfalls als Hobby sondern als meine eigentliche Berufung ansehe, und das eine oder andere Album veröffentlicht habe.

aller guten Dinge sind... äh, viele.
aller guten Dinge sind… äh, viele.

Und als ob das noch alles nicht genug wäre, mache ich auch noch Fotos. Gut, das nicht mehr so ernsthaft und mit Verve, wie es früher einmal der Fall war, aber immer noch so, dass sich auf flickr. & Co. doch so einige Menschen davon angesprochen fühlen… und auch diesen dürfte es ebenso unklar wie einerlei sein, dass ich eigentlich Musiker bin, der sich sein Musik-Machen-Können mit der Entwicklung von Software verdient.

Programmieren in Zeiten der Cholera... äh, ich meine natürlich, auf museumsreifen Computern ohne Memory Protection.
Programmieren in Zeiten der Cholera… äh, ich meine natürlich, auf museumsreifen Computern ohne Memory Protection. In diesem Fall entsteht ein lua-basiertes Roguelike auf einem RISC PC mit ARM 600 Prozessor.

Und um die Sache noch so richtig richtig richtig dolle kompliziert zu machen, gibt es nicht nur die Software, die ich ‚hauptberuflich‘ entwickle, sondern es gibt auch noch die Software, die ich zur Entspannung für mich selbst, meistens auf sehr in die Jahre gekommenen Plattformen entwickle – tatsächlich als Hobby, als nerdiger Ausgleich zu Dailies, Standups, Story-Points, Refinements, Retros, Spikes und all dem sonstigen Zeug, das man heutzutage anscheinend unbedingt veranstalten muss, bevor damit man endlich Software entwickeln darf kann.

"Und ich? Mich hast Du ganz vergessen! Ich will auch verblogdingst werden! Und wenn nicht, dann will ich wenigstens Hasen. Oder Mäuse. Oder ein Reh!"
„Und ich? Mich hast Du ganz vergessen! Ich will auch verblogdingst werden! Und wenn nicht, dann will ich wenigstens Hasen. Oder Mäuse. Oder ein Reh!“

Ach je, und die Buba natürlich. Die gibt es ja auch noch. Und Frau K., ohne die das alles vollständig wertlos und albern wäre (und mit welcher ich, wie schon erwähnt, auch noch ein gemeinsames Blog habe). Und sieben griechische und maurische Landschildkröten, und die Tatsache, dass ich mir ab und zu auch gerne Geschichten ausdenke und sie niederschreibe…

Und jetzt also ein Blog, wo ich das alles behandeln möchte.

Kann das klappen?

Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht. Ich werd einfach mal schauen, was passiert, und wozu ich so Lust habe. Auf jeden Fall habe ich einiges vor, sowohl musikalisch als auch softwaretechnisch, von dem ich in naher Zukunft hier zu berichten gedenke… und Fotos mache ich eh die ganze Zeit.

Tja, dann schauen wir mal.

Auf jeden Fall, und in diesem Sinne: Willkommen.